Die letzten US-Sanktionen führen zu weiteren negativen Folgen für die türkische Wirtschaft, aber auch für alle Länder, Banken und Unternehmen, die eng mit ihr verknüpft sind. So werden nun türkische Stahl- und Aluminiumexporte in die USA mit 50 beziehungsweise 20 %, und damit doppelt so hoch wie vorher, besteuert. Auch deutsche Anleger sind in Sorge. Aber welche konkreten Folgen haben die Sanktionen und mit welchen Investments kannst du dennoch relativ gelassen bleiben?

1) Die türkische Lira verliert an Wert

Eine konkrete Folge ist die starke Abwertung der türkischen Lira (TRY). Eine Währung kann auch immer als die Aktie eines Landes (einer Region) angesehen werden und spiegelt die relative Wirtschaftskraft im Verhältnis zu anderen Ländern. Da die türkische Wirtschaft durch die Sanktionen stark getroffen wird, verliert die TRY besonders gegenüber dem US-Dollar (USD) an Wert. Zwar verlor die Währung auch schon in der Vergangenheit, aber speziell in den letzten Jahren hat sich der Verfall noch einmal deutlich beschleunigt. Ursache sind also nicht allein die Sanktionen, sondern auch die Veränderungen in der Türkei.

2) Die Inflation steigt

Die Inflation drückt den Kaufkraftverlust einer Währung aus. Sie lag in der Türkei auch schon in den letzten 10 Jahren mit 6,25 bis 11,4 % auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Aktuell zieht sie aber weiter an und notierte im Juli 2018 bei nun 15,85 %. Drunter leidet natürlich die türkische Bevölkerung. Im Normalfall würde die Zentralbank nun die Zinsen erhöhen, aber die Türkei lässt sie weiter unverändert, um die Wirtschaft zu stützen.

3) Wirtschaftsleistung sinkt

Zwar ist das Bruttoinlandsprodukt im letzten Jahr, in USD gerechnet, um 7,1 % gestiegen, aber seit 2013 ist es um 4,3 % geschrumpft. Zudem wird die Wirtschaft derzeit durch Konjunkturprogramme gestützt, die bald auslaufen. Real (also nach Inflation) ist die Wirtschaft bereits über die letzten Jahre geschrumpft. Aufgrund der Zölle könnte die Wirtschaftskraft nun weiter nachlassen. Der türkische Aktienmarkt nimmt dies derzeit bereits durch fallende Kurse vorweg.

4) Kreditausfallrisiken steigen

Türkische Unternehmen sind stark in Fremdwährungskrediten investiert, weil die Zinsen lange Zeit sehr niedrig waren. Durch den Absturz der TRY und der hauptsächlichen Verschuldung in USD werden die Kredite nun immer teurer, wodurch die Rückzahlung schwieriger wird. Entsprechend verteuern sich derzeit die Kreditausfallversicherungen.

Erkennbar sind die Risiken auch am Fall der türkischen Anleihen. So notiert eine zehnjährige Staatsanleihe nun bei einer Rendite von über 22 % (13.08.2018). Aus Angst vor übergreifenden Effekten flüchten deutsche Anleger in vermeintlich sichere deutsche Anleihen, wodurch die Rendite hier derzeit sinkt.

5) Türkische Banken und Unternehmen leiden

Als Folge der drohenden Kreditausfälle bei türkischen Unternehmen geraten die türkischen Banken in Schwierigkeiten. Die Refinanzierungen verteuern sich und die Reserven sinken. Ein Dominoeffekt setzt sich in Bewegung. Zuerst leiden die Unternehmen, dann die Banken und schließlich auch ausländische Gläubiger und Wirtschaften.

6) Auch ausländische Banken werden belastet

Da die Volkswirtschaften heute stark miteinander verknüpft sind, leiden auch ausländische Gläubiger unter der Türkei-Krise. So halten sie allein Kredite im Wert von etwa 224 Milliarden USD. Bei einem Ausfall müssten sie entsprechende Abschreibungen vornehmen. In Europa sind vor allem spanische, französische, italienische und deutsche Banken verstärkt mit türkischen Banken verknüpft. Dies wiederum besorgt die europäische Zentralbank und die Regierungen, die die notleidenden Banken dann eventuell wieder stützen müssten. Aus diesem Grund schwächelt derzeit auch der EUR gegenüber dem USD.

Besonders die französische BNP Paribas (WKN: 887771), die italienische UniCredit (WKN: A2DJV6), die spanische BBVA (WKN: 876152) und die niederländische ING Groep (WKN: A2ANV3) haben vermehrt Kredite in der Türkei vergeben oder sind stark an türkischen Banken beteiligt.

Die Situation könnte auch schnell wieder drehen

Da auch amerikanische Banken in der Türkei engagiert und mit europäischen Banken verknüpft sind, wäre eine weitere Eskalation für viele Wirtschaften nicht vorteilhaft. Deshalb lenken die Parteien meist auch schnell wieder ein, sobald die negativen Folgen zu stark werden. Ich denke, Verhandlungen wären für alle Seiten besser. Sobald diese Bereitschaft gezeigt wird, könnte die gesamte Entwicklung auch sehr schnell wieder drehen.

Mit diesen Unternehmen bist du auch in einer Krise gut aufgestellt

Ungeachtet der Türkei-Krise solltest du immer auf schlechte Zeiten vorbereitet sein. Reagieren ist an der Börse selten möglich, da Krisen auch sehr schnell eintreten können.

Deshalb solltest du immer nach Unternehmen Ausschau halten, die eine hohe Eigenkapitalquote aufweisen. Diese sind deutlich weniger von den Kapitalmärkten abhängig. Zudem solltest du möglichst Unternehmen wählen, die Güter des täglichen Bedarfs produzieren, wie beispielsweise Nahrungsmittel, Getränke, Drogerieprodukte oder Pharmaka. Wenn diese Firmen dann noch ihre Gewinne konstant steigern und möglichst regional breit aufgestellt sind, überstehst du wahrscheinlich jede Krise, auch wenn die Kurse zwischenzeitlich schwanken.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Autor: Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst