Stell dir vor, du hättest vor gut zehn Jahren, als die Aktie von Ballard Power (WKN: A0RENB) bei etwa 1,10 US-Dollar notierte, einen Geistesblitz gehabt: Wasserstoff gehört die Zukunft! Ballard wird den Markt für Brennstoffzellen anführen! Aus heutiger Sicht wäre es eine geniale Idee gewesen. Aber wir müssen uns vor Augen führen, wie steinig der Weg zum verdienten Lohn war. Daraus kann man auch etwas lernen, wenn es heute darum geht, den nächsten Börsenstar zu identifizieren.

Eine geniale Vision von 2012: Wasserstoff gehört die Zukunft!

Nehmen wir also an, du hättest Anfang 2012 Marktstudien, Technologiepfade, erzielbare Gewinnmargen und alles Weitere richtig gut eingeschätzt und wärst zu folgendem Ergebnis gekommen:

Die Ballard-Aktie ist auf Sicht von zehn Jahren ein klarer Tenbagger! 900 % Rendite, mindestens. Das sind 26 % pro Jahr, vielleicht auch mehr. Gleich am anderen Morgen kaufst du eine große Position des kanadischen Unternehmens für 1,12 US-Dollar pro Stück.

Als der Kurs zwei Jahre später im Jahr 2014 auf über 5 US-Dollar ansteigt, fühlst du dich bestätigt und entscheidest dich, zu halten. Schließlich steht die Wasserstoffwirtschaft noch ganz am Anfang und es ist weiterhin eine Verdopplung oder mehr drin.

Wechselbad der Gefühle: Auf herbe Rückschläge folgen Bestätigung und Ernüchterung

In der Folge gibt der Kurs jedoch wieder alle Zugewinne ab. Bis 2017 das gleiche Spiel: Anstieg auf über 5 US-Dollar, eisern dabeibleiben und gnadenlos abstürzen. Das kann unheimlich frustrierend sein für Langfristanleger. Ein guter Trader hätte zwei- oder dreimal große Gewinne mitgenommen – und man selbst steht zunächst mit leeren Händen da.

Im Laufe des Jahres 2019 dreht der Trend jedoch wieder nach oben und Anfang 2020 erfolgt wie aus dem Nichts eine mächtige Beschleunigung und der verdiente Lohn: Der Kurs hebt ab, wird zweistellig. Du freust dich, dass deine Prognose endlich eingetroffen ist, und verkaufst zum zehnfachen Einstiegskurs bei 11,20 US-Dollar.

Auf diesen süßen Triumph folgt schmerzliche Ernüchterung, denn die Aktie zieht weiter hoch in Richtung 40 US-Dollar. Auch da wäre also deutlich mehr drin gewesen für einen guten Trader. Doch einige Quartale später fällt sie wieder auf die vorhergesagten 11,20 US-Dollar zurück. Im ersten Quartal schwankte sie meist zwischen 9 und 13 US-Dollar.

Chart erstellt mit YCharts, Kursentwicklung von Ballard Power über 10 Jahre in US-Dollar

Was für eine wilde Reise. Die hübsche Vorstellung von den 26 % Rendite pro Jahr konvertierte die Realität in eine Reihe von Verdopplungen, langwierigen Seitwärtsbewegungen und schmerzhaften Halbierungen.

Wir können also recht genau kalkulieren, welchen Wert eine Aktie in einigen Jahren haben könnte, falls bestimmte Bedingungen eintreten. Aber welchen Weg der Kurs zwischenzeitlich nimmt, ist völlig unkalkulierbar – übrigens auch für Trader, auch wenn es im Rückblick anders ausschaut.

Was wir aus der Geschichte der Ballard-Power-Aktie lernen können

Bei Unternehmen, die herausragende langfristige Wachstumspotenziale aufweisen und deren Aktien laut deiner Analyse weit überdurchschnittliche zweistellige Renditen versprechen, hängt alles davon ab, wann der Markt diese Potenziale akzeptiert.

Solange er sie ignoriert, sehen wir wie bei Ballard ein Jahrzehnt der Seitwärtsbewegungen auf tiefem Niveau, bis das Interesse dann plötzlich explodiert.

Aber auch der entgegengesetzte Fall ist möglich, nämlich dass die Fantasie der Anleger sehr früh alle Grenzen sprengt und sämtliche Potenziale im Kurs reflektiert. Das war zum Beispiel bei Rivian (WKN: A3C47B) der Fall. Dort ist gut möglich, dass auf die jüngsten Hochs ein Jahrzehnt der Seitwärtsschwankungen auf sehr hohem Niveau folgt, bis Anspruch und Realität in Einklang kommen.

Die Kunst des Investierens liegt auch darin, zu erkennen, wann eine Aktie reif dafür ist, dass der breitere Markt ihre versteckten Potenziale entdeckt. Die beste Analyse hilft dir zunächst nichts, wenn sonst niemand daran glaubt. Im Fall der Ballard-Aktie wäre es viel lukrativer gewesen, von 2012 bis 2016 irgendwelche E-Commerce- oder Software-Aktien zu kaufen und erst dann sich schrittweise in das Wasserstoffthema einzukaufen.

Weil das jedoch unglaublich schwierig ist, gilt es, auf viele völlig verschiedene Ideen zu setzen und nicht vorschnell aufzugeben. Zum richtigen Zeitpunkt kann sich eine gewaltige Kraft entwickeln – und dann wollen wir dabei sein, bis die Euphorie überkocht!

Der Artikel Die Suche nach der nächsten 1.000-%-Aktie: Was Ballard Power uns lehrt ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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Autor: Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst (CMFCondorEye)


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