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"Die irre Bitcoin-Wette von Strategy und anderen" 16.06.2025, 15:57 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Am Anfang war Michael Saylor. Der CEO von Strategy (früher: MicroStrategy) treibt mit Giga-Käufen den Bitcoin-Preis und pusht damit den Aktienkurs des ehemaligen Softwareunternehmens. Immer mehr Nachahmer steigen in den Ring, unter anderem ein bekanntes Meme-Stock-Unternehmen. Ali Masarwah, Fondsanalyst und CEO des Finanzdienstleisters Envestor, warnt vor einem Endgame des Bitcoin-Casinos.

16. Juni 2025. FRANKFURT (envestor): MicroStrategy hat sich unter Saylor zur größten Bitcoin-Holding der Welt entwickelt. Das Unternehmen nimmt Milliarden an Schulden auf und gibt neue Aktien aus, um immer mehr Bitcoin zu kaufen - ein Modell, das Anleger bislang mit enormen Kursgewinnen belohnt hat. Strategy hält aktuell gut 553.550 Bitcoins. Diese sind etwa 52 Milliarden Dollar wert. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt jedoch bei fast 100 Milliarden Dollar - also fast doppelt so hoch wie der Wert der gehaltenen Bitcoins. Wer Anfang 2024 die Strategy-Aktie zu 68,50 Dollar kaufte, blickt auf ein Plus von rund 470 Prozent zurück. Kein Wunder, dass immer mehr Trittbrettfahrer zu Krypto-Holdings mutieren.

Das Drehbuch: Euphorie am Kryptomarkt ermöglicht neue Kapitalaufnahmen; das Geld fließt direkt in Bitcoin-Käufe, was Kurs und Bilanzwert nach oben treibt. Solange neue Investoren nachkommen, funktioniert das System. Verkürzt gesagt: Wenn der Börsenwert von Strategy weiter über dem Wert seiner Vermögenswerte liegt, dürften viele Krypto-Fans darauf wetten, dass Strategy weiter den Bitcoin-Preis mit gepumptem Geld erfolgreich antreiben kann.

Strategys "Bitcoin-Standard" macht Schule: Der ehemalige Hotelbetreiber Metaplanet aus Japan, der Spieleentwickler Boyaa Interactive aus Hongkong, das Medizintechnik-Unternehmen Semler Scientific aus Kalifornien und der Autokredit-Anbieter Cango aus Shanghai: Alle hamstern fleißig Bitcoins. Auch GameStop (ja, genau, GameStop!) ist nach einem Strategiewechsel umgeschwenkt und hat mit einer Wandelanleihe Bitcoin für über 500 Millionen US-Dollar gekauft.

Zuletzt hat der Krypto-Influencer Anthony Pompliano angekündigt, mit ProCapBTC 750 Millionen US-Dollar einzusammeln. Das Unternehmen ist übrigens ein SPAC, eine sogenannte "Blank Cheque"-Firma. Als der Meme-Stock-Hype 2021 seinen Höhepunkt erreichte, waren börsennotierte Firmen ohne Geschäftszweck ein heißer Trend. Die Kurse dieser Vehikel brachen im Zuge der Korrektur 2022 ein; nach kurzem Hype verschwanden sie aus dem Bewusstsein der Investoren - bis heute.

Wenn etwas nach wilder Spekulation aussieht und nach wilder Spekulation riecht, dann handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Spekulation.

Das Schneeballsystem funktioniert, solange neue Investoren Aktien kaufen. Dann kann weiter Bitcoin gekauft werden und die Illusion von Wertschöpfung wird aufrechterhalten. Bricht der Bitcoin-Preis ein oder versiegt das Interesse, droht dagegen eine Kettenreaktion - mit dramatischen Folgen für den Markt.

Das bringt uns zu zwei Fragen: Wann hört die Musik auf zu spielen? Und, noch wichtiger: Werden die Folgen eines Crashs auf die Krypto-Szene begrenzt bleiben? Dass immer mehr Krypto-Aktienfonds aufgelegt werden, spricht leider für Ansteckungsgefahren. Diese Fonds investieren in die immer wachsende Zahl der Bitcoin-Hamster-Aktien. In Europa gibt es inzwischen 17 Aktienfonds, die entweder die Bezeichnungen "Krypto" oder "Blockchain" enthalten. Sie verwalten keine geringe Summe von 1,7 Milliarden Euro - und sie wachsen rasant.

Wann wird die Krypto-Blase platzen? Ich weiß es nicht. Die große Tulpenspekulation des 17. Jahrhunderts dauerte Jahrzehnte, bis im Februar 1637 die Blase platzte. Angesichts der technologischen Turbo-Beschleunigung der Moderne würde ich jedoch nicht darauf wetten, dass wir uns erst am Anfang der Krypto-Manie auf Pump befinden. Im Zweifel sollten sich Anleger fernhalten - und zusehen, dass sie ihr Portfolio möglichst krypto-crashsicher aufstellen. Schneebälle können zu Lawinen mutieren, und zwar schneller, als man FTX sagen kann.

Von Ali Masarwah, 16. Juni 2025, © envestor.de

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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