FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Niedrigere Kurse sind Kaufgelegenheiten - das scheinen sich viele angesichts der jüngsten Schwäche bei Tech-Aktien zu denken. Der Abverkauf französischer Aktien ist außerdem ausgelaufen. Jetzt werden beide Seiten gespielt.

25. Juni 2024. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Kursverluste bei Halbleiteraktien wie Nvidia können der Begeisterung für Tech-ETFs nichts anhaben. "Wir sehen weiter fast nur Käufe, auch nach den Kursrücksetzern", berichtet Andreas Schröer von Lang & Schwarz. Aktien-ETFs bleiben generell gefragt: "Wir hatten rund 85 Prozent mehr Käufe als Verkäufe", erklärt Holger Heinrich von der Baader Bank. Allerdings seien die Umsätze im Vergleich zur Vorwoche rückläufig.

Seit Donnerstag geht es für den Nasdaq 100 nach unten, ebenso für Nvidia. Zuvor war Nvidia zum wertvollsten Unternehmen der USA aufgestiegen - vor Apple und Microsoft. Jetzt hat Microsoft wieder die Nase vorn. Der DAX ist von seinen Hochs noch weiter entfernt: Am Dienstagmorgen steht der Index bei 18.111 Punkten. Seit Jahresanfang ergibt das aber immer noch ein Plus von 8 Prozent. Der breit angelegte Europa-Index Stoxx Europe 600 kommt ebenfalls auf 8 Prozent, der S&P 500 auf knapp 15 Prozent und der Nasdaq 100 auf knapp 18 Prozent.

Frankreich: Jetzt Käufe und Verkäufe

Bei der Baader Bank sorgen vor allem europäische Aktien für hohe Umsätze. "Frankreich war wieder im Fokus (LU0322250985), aber mit Käufen und Verkäufen gleichermaßen", bemerkt Heinrich. Darüber hinaus seien Dividenden- (IE00BMYDM802) und Momentum-ETFs (LU1681041460) gefragt. Nach der Europawahl und der Ankündigung von Neuwahlen in Frankreich hatten ETFs, die Frankreichs Aktienmarkt abbilden, deutliche Abflüsse verzeichnet.

Momentum- und Dividendenstrategien gesucht

Im Handel mit US-Aktien geht es bei der Baader Bank meist um S&P 500- (IE00BDZCKK11) und Nasdaq 100-Tracker (IE00BYVTMS52). Gute Umsätze verzeichneten aber auch Momentum-Strategien, etwa mit dem iShares Edge MSCI USA Momentum Factor (IE00BD1F4N50). Wieder belebt hat sich Heinrich zufolge der Handel mit MSCI World-ETFs. "Auch hier waren Dividenden-Strategien (IE000KJPDY61) von Interesse."

MSCI World ohne die USA

Der Anteil der USA am MSCI World ist durch den starken Kursanstieg der großen Tech-Aktien auf 71 Prozent gestiegen (per Ende Mai). Mit dem Xtrackers MSCI World ex USA (IE0006WW1TQ4) bietet Xtrackers seit März dieses Jahres einen MSCI World-ETF, der US-Aktien explizit ausschließt. Hier macht Japan mit 20 Prozent den größten Anteil aus, gefolgt von Großbritannien mit knapp 14 Prozent und Frankreich mit 11 Prozent. ETFs, die Europa ausschließen, gibt es hierzulande schon viel länger: Der Amundi ETF MSCI World Ex EMU (FR0010756114) wurde bereits 2010 aufgelegt, der Amundi MSCI World Ex Europe (LU1681045537) 2018.

Hoffen auf Indien

Gut an kommen zudem weiter indische Aktien, wie Schröer berichtet. Gekauft werde vor allem der iShares MSCI India (IE00BZCQB185). Sorgen um den Verlust der absoluten Mehrheit von Indiens Premier Narendra Modi hielten nur kurz. Der Kurs steigt nach einem kurzen Rücksetzer Anfang des Monats weiter. Seit Jahresanfang steht mittlerweile ein Plus von 18,5 Prozent, auf Dreijahressicht sind es knapp 16 Prozent im Jahr.

Halbleiterbranche: Kursrückgang für Einstieg genutzt

Im Handel mit Branchen-ETFs geht es weiter vor allem um Tech-Aktien. Schröer meldet hohe Zuflüsse für den Amundi MSCI Semiconductors ESG Screened (LU1900066033). "Es wird trotz der Kursrücksetzer weiter gekauft", erklärt der Händler. Auch breiter streuende Tech-ETFs wie der iShares S&P 500 Information Technology Sector (IE00B3WJKG14) stünden weiter auf den Einkaufslisten. Käufe und Verkäufe sieht er für den VanEck Crypto and Blockchain Innovators (IE00BMDKNW35).

Der Trend sinkender ETF-Kosten setzt sich fort: Im März hatte SPDR die Verwaltungsgebühren deutlich gesenkt, beispielsweise für den großen SPDR S&P 500 (IE00B6YX5C33) auf nur noch 0,03 Prozent. Nun kappte auch Amundi die Kosten für zahlreiche ETFs. Etwa sind für die Core-ETFs auf den S&P 500 jetzt nur noch 0,05 statt 0,07 Prozent fällig. Auch große ESG-ETFs werden billiger: Die Verwaltungsgebühren für den Amundi MSCI USA ESG Climate Net Zero Ambition CTB (IE000QQ8Z0D8) sinken zum Beispiel von 0,09 auf 0,07 Prozent.

Ruhiger Krypto-Handel

Viel ruhiger geworden ist es Schröer zufolge im Handel mit Krypto-ETNs. Der Bitcoin hat zuletzt verloren und kostet aktuell 60.633 US-Dollar. Im Hoch im März waren es fast 74.000 US-Dollar. Im Xetra-Handel geht es aktuell meist um Bitcoin-Tracker, etwa den mittlerweile fast 1,3 Milliarden US-Dollar schweren ETC Group Physical Bitcoin (DE000A27Z304) oder Produkte von Fidelity, WisdomTree und VanEck.

Von Anna Maria Borse, 25. Juni 2024 © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)