Drei Viertel der Kunden für Kennzeichnung europäischer Waren 30.03.2025, 14:13 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

KOPENHAGEN/KÖLN (dpa-AFX) - Einige dänische Supermarktketten kennzeichnen seit einigen Tagen Waren europäischer Produzenten mit einem Stern, auch um ein Zeichen gegen die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump zu setzen. Eine Dreiviertelmehrheit der Menschen in Deutschland wünscht sich so etwas auch hierzulande. Das zeigt eine YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur.

Demnach befürworten eine Kennzeichnung von Produkten aus Europa 47 Prozent "voll und ganz", 30 Prozent "eher". 11 Prozent lehnen so etwas ab, weitere 12 Prozent machen keine Angabe. YouGov hat 2.055 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland repräsentativ befragt.

Der Geschäftsführer vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln, Kai Hudetz, sagt: "Bei vielen Menschen sind Wut und Verunsicherung ein Treiber. Regionalität ist schön länger ein wichtiges Verkaufsargument im Supermarkt. Der Handelsstreit dürfte den Trend verstärken."

Edeka: Nur sehr wenige Anfragen von Kunden

Die deutschen Lebensmittelhändler planen derzeit nicht, Waren aus Europa zusätzlich auszuzeichnen. "Boykotte oder Sonderkennzeichnungen lehnen wir ab, da sie ungewollt unbeteiligte Erzeuger und Betriebe treffen. Letztlich entscheiden unsere Kunden durch ihre Nachfrage über das Sortiment", sagt eine Sprecherin der Rewe-Gruppe. Informationen zur Herkunft der Produkte seien auf Verpackungen bereits ersichtlich.

Ein Sprecher der Edeka-Zentrale berichtet: "Bislang haben wir nur sehr wenige Anfragen von unseren Kundinnen und Kunden erhalten. Sollte sich das in Zukunft verstärken, würden wir prüfen, inwieweit eine solche Kennzeichnung europäischer Produkte sinnvoll und umsetzbar ist." Die Handelskette Kaufland hat nach eigenen Angaben nicht vor, ihre Preisauszeichnung anzupassen. Der Discounter Lidl teilt mit: "Wir bieten unseren Kunden eine große Auswahl an regionalen und deutschen Produkten. Ausgewählte, internationale Artikel ergänzen unser Sortiment."

Offener äußern sich die Unternehmen hinter vorgehaltener Hand. Europäische Waren zu kennzeichnen, sei angesichts der Größe der Sortimente nicht einfach umsetzbar, heißt es etwa. In vielen Produkten fänden sich Bestandteile aus Herkunftsländern in und außerhalb der EU. Zudem gebe es zahlreiche amerikanische Marken, die auch in Europa produziert würden.

Dänische Supermärkte mit Sternen auf dem Preisschild

Nach Anfragen zahlreicher Kunden werden europäische Waren bei den dänischen Supermarktketten Føtex, Netto und Bilka seit einigen Tagen mit einem Stern auf dem Preisschild ausgezeichnet. Damit soll es für die Verbraucher leichter sein, von europäischen Firmen hergestellte Lebensmittel einzukaufen.

Die Ketten gehören jeweils zum Dachkonzern Salling Group, dessen Chef Anders Hagh die Maßnahme Ende Februar auf LinkedIn angekündigt hatte. Den Handelsstreit zwischen Europa und der Trump-Regierung erwähnte er in dem Beitrag zwar nicht. Der Einführung der Sterne war in Dänemark jedoch eine Debatte über den Boykott amerikanischer Produkte aufgrund von Trumps Handelspolitik sowie seiner wiederholten Besitzansprüche hinsichtlich Grönland vorangegangen.

Mehrheit will US-Produkte boykottieren

Viele Verbraucher in Deutschland sind auch offen dafür, nicht nur Lebensmittel, sondern amerikanische Waren allgemein zu boykottieren. Das geht aus einer anderen YouGov-Umfrage hervor, für die mehr als 2.000 Menschen repräsentativ befragt wurden.

Auf die Frage, ob sie sich in Bezug auf den Zollstreit vorstellen könnten, weiterhin Produkte aus den USA zu kaufen, antworteten 53 Prozent mit "Nein, bestimmt nicht" oder mit "Nein, wahrscheinlich nicht". Als Hauptgrund nannten die Befragten politische Beweggründe - viele (48 Prozent) wollen die USA bewusst boykottieren./cr/DP/he

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