Industrie vor der Messe

Elektrobranche erwartet Besserung 30.03.2025, 14:12 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

HANNOVER (dpa-AFX) - Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie rechnet nach dem massiven Produktionseinbruch im Vorjahr 2025 wieder mit etwas besseren Geschäften. "Wir sind an der Talsohle angekommen", sagte Gunther Kegel, Präsident des Branchenverbandes ZVEI, der Deutschen Presse-Agentur. In den kommenden Monaten rechne er mit einer - wenn auch nur leichten - Konjunkturbelebung für die Elektro- und Digitalindustrie. "Die wird aber noch nicht von einer Dynamik gekennzeichnet sein, die uns jubeln lässt", fügte er hinzu. "Da muss noch mehr kommen."

Im vergangenen Jahr war die Produktion elektrotechnischer und elektronischer Güter "Made in Germany" bis November preisbereinigt um neun Prozent eingebrochen. Damit fiel die Bilanz noch schlechter aus, als die im Oktober bereits auf minus sieben Prozent gesenkte Prognose vorhergesagt hatte. In diesem Jahr erwartet Kegel erneut ein Minus, dass mit zwei Prozent aber nicht ganz so dramatisch ausfallen soll. "Es wird 2025 dennoch einen Stellenabbau geben, wenn die Konjunktur nicht schnell anspringt", fügte Kegel hinzu.

"Tatsächlich sehen wir bei dem einen oder anderen Unternehmen, dass die Auftragseingänge anziehen, teilweise sogar deutlich", sagte Kegel. "Nur im Umsatz ist das noch bei keinem wirklich angekommen. Da verharren wir immer noch so auf dem niedrigen Vorjahresniveau." Vor allem das Auslandsgeschäft laufe weiter schlecht. "Die Exporte haben noch nicht so angezogen, wie wir uns es wünschen."

Megatrends weiter intakt

Langfristig sieht Kegel, der den Mannheimer Sensorhersteller Pepperl+Fuchs führt, die Branche aber wieder im Aufwind. Die drei Megatrends - Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung - seien weiterhin intakt. Daher mache er sich um die Branche wenig Sorgen. "Die Megatrends werden unser Geschäft wieder beleben - das ist sicher." Das gebe auch weiterhin "einen ordentlichen Grund für Optimismus".

Und den wolle man kommende Woche auch auf der Hannover Messe (31. März bis 4. April 2025) zeigen. "Wir wollen den Erfolg der Elektrotechnik weiter ausstellen", so Kegel. "Dazu brauchen wir die Hannover Messe, die für unsere Branche ein wichtiges Schaufenster ist." Zu der weltgrößten Industrieschau werden ab Montag rund 4.000 Aussteller aus mehr als 60 Ländern erwartet. 2024 kamen 130.000 Besucher.

Infrastruktur-Paket gibt Hoffnung

Große Hoffnung setzt Kegel auf das neue 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur. Davon werde auch die Elektro- und Digitalindustrie profitieren. "Bei Infrastrukturprojekten führt kein Weg an unserer Branche vorbei. Das sind direkte Konjunkturspritzen, die wir auf jeden Fall merken." Und das könnte dann auch zu einem Stimmungswandel in der Wirtschaft führen. "Die Unternehmen erwarten Aufbruch. Dann löst sich auch die bestehende Investitionszurückhaltung auf."

Firmen machen Bogen um Militäraufträge

Vom ebenfalls geplanten Anstieg der Verteidigungsausgaben dürfte dagegen nur wenig in der Branche ankommen, glaubt Kegel. Zwar könnte die Elektro- und Digitalindustrie bei vielem, was das Militär benötigt, helfen. Doch wegen strenger Auflagen bei Militäraufträgen würden die meisten Unternehmen davon Abstand nehmen. "Das ist zu umständlich, zu teuer, zu stark reguliert." Etwa durch Vorschriften, wo die Produkte zu produzieren sind.

"Das hätte Auswirkungen auf ganze Produktfamilien, auch auf die nicht-militärischen Varianten", kritisiert Kegel. Dies sei der Hauptgrund, warum kaum ein Unternehmen zivile und militärische Produkte im selben Werk herstelle. "Diese Überregulierungen müssen erst einmal aufgebrochen werden. Sonst wird sich kaum ein Unternehmen begeistern lassen."

US-Zölle treffen Branche hart

Sorgen bereitet Kegel die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, die zu einem weltweiten Handelskrieg führen könnte. Das werde die Elektro- und Digitalindustrie besonders hart treffen. "Unsere Branche ist wie keine andere global aufgestellt und in ihren Lieferketten vernetzt." Daher sei man auf einen möglichst offenen, regelbasierten Welthandel angewiesen.

Die Verlagerung von Produktion in die USA, wie sie Trump mit seinen Einfuhrzöllen erreichen will, sei dabei keine Lösung. Denn gerade in seiner Branche brauche es hohe Stückzahlen in den Fabriken, um die Kosten niedrig zu halten. "Lokalisierung macht für die Elektrotechnik wenig Sinn. Was ich an Zöllen einspare, verliere ich auf der anderen Seite wieder durch einen Mangel der Effizienz."

EU-Mitgliedschaft für Partnerland Kanada?

Mit Blick auf das Partnerland der Hannover Messe hat Kegel dann noch einen Tipp an den geschäftsführenden Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) parat, der die Messe am Sonntagabend eröffnen wird. Denn Partnerland ist in diesem Jahr Kanada, das sich ebenfalls mit US-Zöllen konfrontiert sieht und auf der Messe nun nach neuen Partnern in Europa sucht. "Wenn ich Scholz wäre", so Kegel, "würde ich rein provokativ auf der Hannover Messe dem kanadischen Premierminister anbieten, Mitglied der EU zu werden."/fjo/DP/he

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