ROUNDUP 2/Analyse

Zu wenig Medizinstudienplätze gegen Ärztemangel 20.08.2025, 17:06 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

(neu: Detals)

GÜTERSLOH (dpa-AFX) - Beim Angebot von Medizinstudienplätzen gibt es einer Studie zufolge enorme Unterschiede unter den Bundesländern und insgesamt zu wenig angehenden Nachwuchs, um den Ärztemangel zu beheben. Zu dem Ergebnis kommt eine Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Sie stellt zugleich heraus, dass Länder, die mehr Medizinstudienplätze bereitstellten, auch bei der ärztlichen Versorgung profitieren.

Das Medizinstudium gehöre zu den beliebtesten Fächern bei Studieninteressierten in Deutschland - und zugleich sei hier ein Platz besonders schwer zu ergattern, hieß es vom CHE in Gütersloh. So konnten zum Wintersemester 2024/25 rund 10.000 Erstsemester einen Medizinstudienplatz an einer Hochschule ergattern. Etwa 20.000 Bewerbende gingen leer aus.

Medizinstudienplätze sind unter Ländern ungleich verteilt

Bei den Medizinstudienplätzen im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind die Länderunterschiede erheblich. In Brandenburg und Bremen gebe es bislang gar kein staatliches Studienangebot für angehende Ärztinnen und Ärzte, bemängelt die CHE-Analyse. In Brandenburg solle aber die neu gegründete Medizinische Universität Lausitz im Wintersemester 2026/27 den Betrieb aufnehmen.

Schaut man auf das Studienjahr 2024, so konnten im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen demnach mit 2.334 Erstsemestern die meisten Personen mit Humanmedizin beginnen. Bezogen auf die Einwohnerzahl bedeutet das laut Untersuchung 13 Medizin-Studienplätze je 100.000 Einwohner. Das bedeute eine mittlere Postion zusammen mit Baden-Württemberg und Thüringen.

Im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern seien es pro 100.000 Einwohner hingegen anteilig 29 beziehungsweise 26 Medizinstudienplätze für Studienanfänger gewesen, die beiden Länder liegen vorn. Auch in Sachsen-Anhalt, Hamburg sowie in Hessen und Berlin sehe es vergleichsweise gut aus.

Medizinstudienplatz ist für die Länder kostenintensiv

Hauptgrund für das unterschiedliche Engagement der Bundesländer dürften nach CHE-Angaben die hohen Kosten für medizinische Fakultäten sein. Allein die laufenden Ausgaben pro Jahr und Person belaufen sich auf rund 25.000 Euro im Bereich Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften, hieß es unter Berufung auf das Statistische Bundesamt.

Auswertung: Der erhoffte "Klebeeffekt" tritt tatsächlich auf

Medizinstudienplätze sind für die langfristige ärztliche Versorgung zentral. Die Länder hofften angesichts ihrer Investitionen dabei auf einen "Klebeeffekt" - dass Absolventen sich später also in der Nähe des Studienorts als Ärzte ansiedeln, schilderte Studienautor Cort-Denis Hachmeister.

Und tatsächlich hätten Regionen mit medizinischer Fakultät tendenziell eine vergleichsweise hohe Arztdichte. So profitierten neben Großstädten wie Hamburg, Berlin, Köln/Bonn oder München auch Regionen um die Hochschulen Heidelberg, Freiburg oder Lübeck vom Uni-Nachwuchs, erläuterte er.

Medizinabsolventen decken aber den Fachkräftebedarf nicht

Ungeachtet zahlreicher Appelle aus Politik und Medizin habe sich die Zahl der Medizinstudienplätze in den vergangenen beinahe zehn Jahren nur leicht von gut 9.000 auf rund 10.000 erhöht. Es sei zwar auch zu Neugründungen von medizinischen Fakultäten oder privaten Hochschulen gekommen. Die Zahlen reichten aber bei weitem nicht aus, um den Fachkräftemangel zu beheben. "Wer keine oder zu wenig Medizinstudienplätze schafft, trägt zur strukturellen Unterversorgung bei", betonte Hachmeister.

Neben den staatlichen Hochschulen gibt es an Privatunis mit Medizinstudium in Summe pro Jahr laut CHE Plätze für etwa knapp 1.500 Studienanfänger. Mindestens 9.100 Männer und Frauen aus Deutschland studierten zudem Medizin im Ausland. Auch mit ihnen sei der Mangel nicht zu mindern.

Der Sozialverband SoVD warnte, der Mangel an Medizinstudienplätzen gefährde die wohnortnahe Gesundheitsversorgung in vielen Regionen. Die Stiftung Patientenschutz wies darauf hin, dass heute 30 Prozent mehr Menschen Medizin studierten als noch 1995. Trotzdem fehlten Ärztinnen und Ärzten, sagte Vorstand Eugen Brysch. "Das ist nicht verwunderlich, denn die Teilzeitquote ist bei den Männern in den letzten zehn Jahren von 20 auf 29 Prozent, bei Frauen von 33 auf 42 Prozent in den Krankenhäusern gestiegen." Unter 113.000 Studierenden der Medizin seien aktuell rund 65 Prozent weiblich, bei den Erstsemestern steige der Frauenanteil noch./wa/DP/nas

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