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Gerry Weber schließt alle seine Shops - Marke wird verkauft 30.05.2025, 16:08 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

(technische Wiederholung)

HALLE (dpa-AFX) - Der insolvente Modehersteller Gerry Weber schließt alle seine Geschäfte in Deutschland. Das Unternehmen teilte im westfälischen Halle mit, dass der vorläufige Gläubigerausschuss dem Übernahmekonzept der spanischen Modefirma Victrix zugestimmt habe. Auch der vorläufige Sachwalter Lucas Flöther sei einverstanden.

Um wie viele Shops und Beschäftigte es geht

Den Angaben zufolge übernimmt das spanische Familienunternehmen die Marke Gerry Weber. Die Zentrale im westfälischen Halle mit rund 280 Beschäftigten wird ebenso aufgegeben wie die deutschen Filialen, in denen ebenfalls rund 280 Mitarbeiter tätig sind. Im Ausland hat die Firma bislang weitere 400 Beschäftigte, etwa in Österreich. Der Online-Shop ist bereits zu - ob er jemals wieder startet, ist Sache des neuen Eigentümers. Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang Juni - bislang befindet es sich nur in einem vorläufigen Stadium - dürfte den Mitarbeitern gekündigt werden.

Separat zum deutschen Mutterkonzern laufen Insolvenzverfahren ausländischer Töchter. Die Niederlande nehmen in der Neuaufstellung eine Sonderrolle ein. Dort hatte Gerry Weber seine Standorte bereits dicht gemacht. Dort wurde unlängst vereinbart, dass eine Partnerfirma von Victrix mindestens acht Geschäfte schon bald wieder öffnet und dadurch mindestens 30 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die Shops dürften aber ein anderer Anstrich verpasst werden als bislang. Man sehe starkes Potenzial in der Marke, betonen die spanischen Käufer.

Wo die Klamotten künftig zu haben sind

Die noch gut 40 Shops und Outlets von Gerry Weber in Deutschland sowie weitere Shops in anderen Staaten sollen in den kommenden Monaten geschlossen werden - und zwar "nach den üblichen Abverkaufsmaßnahmen", wie die Firma verlautete. An den Shops war der Ausverkauf direkt zu sehen: "Wir räumen unser Lager", stand in pinken und weißen Buchstaben an den Schaufenstern. "Jetzt oder nie." Es gebe Rabatt von bis zu 70 Prozent. Der neue Markeneigentümer möchte die Gerry-Weber-Damenmode in Deutschland künftig über Handelspartner verkaufen, die auch andere Marken im Sortiment haben.

Mode von Gerry Weber soll künftig im Einzelhandel ohne Unterbrechung angeboten werden, dies aber nicht mehr in den eigenen Firmenshops.

Dritter Sanierungsversuch führt zu Firmen-Aus

Der Konzern ist seit langem in der Krise. Sanierungsversuche in den Jahren 2019 und 2023 scheiterten, auch herbe Einschnitte brachten nicht den erwünschten Einspareffekt. 2023 schloss er 122 seiner 171 eigenen Läden und Outlets in Deutschland und strich dabei etwa 450 Stellen. Doch diese radikale Schrumpfkur verpuffte.

Nun erfolgt die Vollbremsung und nur die Marke soll es künftig weiter geben. Die Spanier ziehen auch die Produktion an sich. Der Modehersteller Gerry Weber hingegen, der einst einem bekannten Tennisturnier im westfälischen Halle als Sponsor seinen Namen gab, verschwindet. Wie viel das Familienunternehmen aus Mataró bei Barcelona für die Damenmode-Marke zahlt, ist nicht bekannt. Über die wirtschaftlichen Details der Vereinbarung sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es.

Hoffnungen für die Zukunft

"Gerry Weber passt perfekt zu unserer Kernmarke Punt Roma", teilte das Management der Victrix-Gruppe mit. "Wir bauen damit unsere Position im gehobenen Mittelpreissegment aus, vor allem in Mittel- und Osteuropa, wo Gerry Weber eine hohe Bekanntheit hat." Der Gerry-Weber-Geschäftsführer Christian Gerloff wertete es positiv, dass der im März gestartete Investorenprozess zügig und erfolgreich abgeschlossen worden sei. "Dies war angesichts der allgemeinen Marktlage im Modeeinzelhandel alles andere als selbstverständlich." Er traue der traditionsreichen Marke den Neustart zu.

Modebranche ist unter Druck

Deutschlands Modebranche durchlebt schwierige Zeiten. Zuletzt meldeten bekannte Unternehmen wie die Kaufhauskette Galeria sowie die Modehändler Esprit und Sinn Insolvenz an. Den Firmen macht zu schaffen, dass viele Kunden angesichts der schwachen Konjunktur sparsamer sind. Zugleich sind Kosten für Energie, Miete und Gehälter stark gestiegen. Schwierig ist die Situation vor allem im stationären Textil- und Modefachhandel, der während der Pandemie hohe Verluste erlitt. Anschließend nahm das Geschäft wieder Fahrt auf, an das vorherige Niveau konnte man aber bislang nicht anknüpfen./wdw/DP/he

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