Wie nachhaltig sind Häfen, Logistik und Schifffahrt? 03.09.2025, 06:24 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

BREMERHAVEN/HAMBURG (dpa-AFX) - Die Ziele sind hoch. "Es geht um mehr als nur einzelne grüne Projekte - es geht um eine nachhaltige Transformation der gesamten Branche." So beschreibt der Hafenbetreiber Bremenports das Thema des Kongresses Envoconnect in Bremen. Bis Donnerstag treffen sich dort Akteure aus den Bereichen Hafen, Logistik und Schifffahrt, um sich zu informieren und auszutauschen. Auf welchem Stand sind die Branchen aktuell und wo liegen die Herausforderungen? Ein Überblick:

Nachhaltigkeit bei den Häfen

"Die deutschen Seehäfen sind zentrale Drehscheiben für die zu bewältigende Energiewende", so Florian Keisinger vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe. Der Einfluss der Seehäfen auf die Umwelt sei abhängig vom jeweiligen Standort und den wirtschaftlichen Aktivitäten inner- und außerhalb der Häfen.

"Der Anteil der Hafenbetriebe an den Schadstoffemissionen in Häfen spielt jedoch generell eine vergleichsweise untergeordnete Rolle", teilte Keisinger mit. Der Betrieb von Hafenanlagen mache höchstens 15 Prozent der Schadstoffemissionen in den Seehäfen aus, die Schifffahrt hingegen mindestens 70 Prozent. Die Häfen streben an, mit moderner Technologie den Ausstoß von Schadstoffen weiter zu reduzieren, Flächen und Energie effizienter zu nutzen und den Lärmschutz zu verbessern.

Nach Plänen des Bundes sollen die Häfen in den nächsten Jahren selbst zu "Energie-Drehkreuzen" umgebaut werden - etwa als Umschlagplatz für Wasserstoff oder für klimafreundliche Kraftstoffe wie Methanol oder auch E-Fuels. In Wilhelmshaven ist etwa ein Anleger mit bis zu sechs Schiffsliegeplätzen für den Import von klimafreundlichen Gasen geplant.

Für die Klimaneutralität der Häfen spielt außerdem Landstrom eine wichtige Rolle. Da der Betrieb auf Seeschiffen im Hafen weitergeht, müssen die Motoren in der Regel weiterlaufen. Dabei entsteht viel CO2, Stickstoff und Schwefelgas. Nutzen die Schiffe die Landstromanlagen, werden sie im besten Fall mit klimaneutralem Strom versorgt - solange die dafür nötige Technik an Bord und Land ausgebaut ist.

Ab 2030 ist das in der Europäischen Union für Container- und Kreuzfahrtschiffe einer gewissen Größe Pflicht. Hamburg erwägt, eine solche Vorgabe für Kreuzfahrtschiffe ab 2027 einzuführen, schon jetzt werden zwei Drittel der Kreuzfahrtschiffe dort mit Landstrom versorgt. In Bremerhaven soll im Herbst das erste Schiff am Autoterminal Landstrom nutzen, ab dem kommenden Frühjahr auch Kreuzfahrtschiffe. Am JadeWeserPort in Wilhelmshaven sollen die ersten Landstromanlagen 2028 oder 2029 in Betrieb gehen.

Nachhaltigkeit in der Logistik

Unter die Logistik fallen Transport, Umschlag und Lagerung von Waren. Vergleichsweise viele Emissionen entstehen während des Gütertransports, der mehr und mehr zunimmt. Nach Zahlen des Umweltbundesamtes emittierte der Güterverkehr 55 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr 2019. Das entsprach mehr als sieben Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen.

Die insgesamt meisten Emissionen in Deutschland verursachen Lastwagen. Die Binnenschifffahrt und der Bahnverkehr sind dagegen vergleichsweise wenig klimaschädlich. Die großen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven verweisen deshalb auch immer wieder auf ihre umfassenden Schienennetze, über die Waren ankommen und weitertransportiert werden.

Die Logistik ist nicht allein Treiber des Klimawandels, sie ist davon auch betroffen. Ein Beispiel sind Niedrigwasserperioden, die etwa auf dem Rhein bisweilen die Binnenschifffahrt stören. Eine neue Studie unter Beteiligung des IfW Kiel hat festgestellt, dass während einer solchen Periode 2018 der Export über Wasserstraßen um etwa 20 Prozent zum Vorjahr einbrach.

Um die Logistik nachhaltiger zu gestalten, gibt es mehrere Ideen: Eine ist die Verlagerung von Gütern von der Straße auf die Schiene. Lastwagen sollen zunehmend elektrisch fahren, wozu in Hamburg und andernorts daran gearbeitet wird, die Ladeinfrastruktur auszubauen. Für Zulieferungen auf kurzen Strecken in der Stadt rät das Umweltbundesamt zu speziellen Logistiklastenrädern.

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt

Viele große Schiffe verschmutzen die Luft, denn sie fahren in der Regel mit Schweröl oder Marinediesel. Im Vergleich zu anderen Transportmitteln wie Lastwagen oder Flugzeugen stoßen Schiffe pro Tonne und Kilometer allerdings weniger klimaschädliche Treibhausgase aus. Laut der Internationalen Energieagentur machte der Schiffsverkehr 2022 weltweit etwa zwei Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen aus. Aber: Da der Großteil des internationalen Warenverkehrs per Schiff transportiert wird, ist der Schiffsverkehr für eine große Menge klimaschädlicher Treibhausgase verantwortlich.

Die Zahl der Schiffe, die mit fossilem Flüssigerdgas (LNG) angetrieben werden, wächst. Klimaneutral ist das in der Regel aber auch nicht. Die internationale Schifffahrtsorganisation IMO hat das Ziel, dass die internationale Seeschifffahrt ungefähr bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden soll. Sie ist eine Unterorganisation der Vereinten Nationen (UN) mit mehr als 170 Mitgliedsländern. Die Treibhausgasintensität von Schiffskraftstoffen soll schrittweise reduziert werden. Alternative Technologien und umweltfreundlichere Kraftstoffe wie klimaneutral hergestelltes Methanol sind nötig.

Auch der Weltreederverband ICS strebt - in Anlehnung an EU-Vorgaben - Klimaneutralität in der Schifffahrt bis 2050 an, ebenso der internationale Verband der Kreuzfahrtindustrie, Clia. Einzelne Reedereien wollen früher so weit sein./lkm/DP/zb

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