Deutlich mehr Falschgeld - Qualität nicht besser geworden 21.02.2025, 09:16 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Der Arbeitsauftrag der Lehrerin wirkt harmlos: Banknoten-Imitationen für einen Videodreh besorgen. Der Vater des Schülers wird schnell im Internet fündig: Spielgeld mit Aufdrucken wie «MovieMoney» oder «Prop copy» sind bei diversen Anbietern zu haben. Doch als das Kind bei einem späteren Klassenausflug einen der Scheine an einem Bahnhofskiosk zum Bezahlen nutzen will, wird das Schulprojekt zum Problem.

«Auch banknotenähnliche Drucksachen, die mit echtem Geld verwechselt werden können, sind illegal», mahnt Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz. Seit Jahren haben als Spielgeld oder Filmrequisite angebotene Scheine auch bei Kriminellen Hochkonjunktur: Geldfälscher machen sich zunutze, dass diese Scheine echt aussehen - zumindest auf den ersten Blick.

In Deutschland sind fast ein Fünftel (17 Prozent) aller sichergestellten Blüten solche mit Aufschriften wie «MovieMoney« und «Prop copy» - vor allem 10- und 20-Euro-Scheine.

Falschgeldzahlen erneut sprunghaft gestiegen

Im vergangenen Jahr wurde hierzulande so viel Falschgeld sichergestellt wie seit 2017 nicht mehr: 72.413 gefälschte Banknoten zogen Polizei, Handel und Banken in Deutschland aus dem Verkehr. Das waren 28 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Schon von 2022 auf 2023 hatte es einen Anstieg in dieser Größenordnung gegeben.

«Wir verzeichnen einen Anstieg der Falschgeldzahlen sowohl in Deutschland als auch im Euroraum», bilanziert Bundesbank-Vorstand Balz. «Das heißt aber nicht, dass die Fälschungen besser geworden sind: Die meist primitiven Fälschungen sind eindeutig als solche erkennbar.» 

In Europa insgesamt erhöhte sich die Zahl der sichergestellten Euro-Blüten im Jahresvergleich um 18,6 Prozent auf 554.000 - auch hier ein Faktor: Spielgeld. Ende Oktober fing Europol bei einer koordinierten Polizeiaktion in 18 europäischen Ländern 174 Pakete mit Falschgeld ab, zumeist «Movie Money» - Nominalwert: 14 Millionen Euro.

Fühlen - Sehen - Kippen: Falsche Euro-Scheine leicht zu erkennen

Weil im vergangenen Jahr weniger gefälschte 200- und 500-Euro-Scheine im Zahlungsverkehr landeten - etwa bei Betrugsgeschäften mit teuren Uhren oder Autos - sank trotz der gestiegenen Falschgeldzahlen die Schadenssumme durch Falschgeld in Deutschland: von 5,1 Millionen Euro 2023 auf 4,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr. 

«Wenn man sich die Jahre anschaut, sind die Falschgeldzahlen im Vergleich zu den Vorjahren auf höherem Niveau. Insgesamt sind die Zahlen aber nach wie vor moderat», ordnet Balz ein. Die Schadenssumme durch Falschgeld in Deutschland ist jedoch die vierthöchste der vergangenen 20 Jahre. In Europa erhöhte sich der Schaden durch Falschgeld im vergangenen Jahr sogar von 25 Millionen Euro auf 26,2 Millionen Euro.

Bundesbank sieht für den Einzelnen geringes Risiko

Obwohl wieder mehr Falschgeld im Umlauf ist, sieht die Bundesbank ein vergleichsweise geringes Risiko, dass einem eine gefälschte Banknote untergejubelt wird: Im Jahr 2024 seien im Schnitt neun falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner in Deutschland entfallen, europaweit waren es 16 je 10.000 Einwohner.

Falschgeld wird nicht ersetzt. Wer es annimmt, bleibt auf dem Schaden sitzen. Die Bundesbank warnt eindringlich vor dem Versuch, die falschen Scheine jemand anderem anzudrehen, weil dies eine Straftat ist. Stattdessen sollten die Blüten bei der Bundesbank oder Polizei abgegeben werden.

Vor allem falsche 50-Euro-Scheine

Am häufigsten gefälscht werden Scheine, die im täglichen Gebrauch viel verwendet werden: 50- und 20-Euro-Banknoten. Der Fünfziger war sowohl in Deutschland mit einem Anteil von 40 Prozent als auch in Europa insgesamt (43,3 Prozent) die am häufigsten gefälschte Euro-Banknote. In Deutschland entfallen zwei Drittel aller Banknoten-Fälschungen auf Fünfziger und Zwanziger.

Münzfälschungen sind für Kriminelle wegen des geringen Nennwerts eher unattraktiv. Dennoch tauchten in Deutschland im vergangenen Jahr auch reichlich falsche Münzen auf, überwiegend Zwei-Euro-Stücke. In Summe waren es 141.332 falsche Münzen im deutschen Zahlungsverkehr und damit gut ein Fünftel (22 Prozent) mehr als ein Jahr zuvor. 

Den Anstieg erklärt die Bundesbank damit, dass einige Unternehmen über Jahre verdächtige Münzen gesammelt haben und diese dann 2024 gebündelt bei der Bundesbank einreichten.

© dpa-infocom, dpa:250221-930-381841/1

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