Der japanische Autobauer Nissan investiert weiter in die E-Mobilität und will in England eine Batteriefabrik bauen. Das sorgt für ordentlich Rückenwind bei der Aktie. Doch ein Analyst warnt vor einer Überwertung.

Nissan baut zusammen mit seinem chinesischen Batterie-Partner Envision AESC im britischen Sunderland eine Gigafactory. Die Batteriefabrik soll zunächst eine Kapazität von neun Gigawattstunden (GWh) pro Jahr haben, könne später aber auf bis zu 35 GWh ausgebaut werden. In der ersten Ausbaustufe könnten damit bis zu 100.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr mit Batterien ausgerüstet werden.

Auf dem Gelände des Nissan-Werks in Sunderland soll auch ein E-Auto-Kompetenzzentrum entstehen, zudem soll dort der geplante batterieelektrische Crossover der Japaner gebaut werden. Außerdem sind an dem Standort Anlagen für die erneuerbare Stromerzeugung und -speicherung geplant.

Makoto Uchida, Präsident und CEO von Nissan, sagte am Donnerstag: „Unser ganzheitlicher Ansatz beinhaltet dabei nicht nur die Entwicklung und Produktion von E-Autos, sondern auch die Nutzung der Antriebsbatterien als stationärer Energiespeicher und ihre Wiederverwendung für Sekundärzwecke“.

Insgesamt seien laut Nissan Investitionen von rund einer Milliarde Pfund (1,17 Milliarden Euro) geplant. Bis zu 6.200 neue Arbeitsplätze sollen an dem Standort in Großbritannien entstehen. Bereits seit 1986 werden in Sunderland Fahrzeuge des japanischen Autoherstellers für den europäischen Markt produziert. Seit 2013 wird dort auch der batterieelektrische Nissan Leaf, der 2020 das siebtmeistverkaufte E-Auto der Welt war, gebaut.

Der Brexit ist indes auch ein Grund für den Bau der Nissan-Batteriefabrik in England, berichtet das Manager Magazin. Zwar sehe das Handelsabkommen zwischen EU und Großbritannien den zollfreien Handel von Autos vor, jedoch müssten mindestens 40 Prozent des Fahrzeugwertes in Großbritannien oder der Europäischen Union hergestellt werden - ab 2027 sogar 55 Prozent. Sonst bestehe ein Verkaufsverbot in der EU. Würde Nissan die Batterien aus China importieren, könnten viele seiner Elektrofahrzeuge von dem Handelsverbot betroffen sein. Denn bei E-Autos macht die Batterie teilweise mehr als die Hälfte des Fahrzeugpreises aus.

Die Nissan Motor Aktie kann von den Gigafactory-Plänen profitieren: Innerhalb einer Woche legte das Papier um fast sechs Prozent zu. Aktuell liegt die Aktie mehr als drei Prozent im Plus. Ein Anteilsschein kostet an der Börse Frankfurt derzeit 4,45 Euro (Stand: 06.07.2021, 13:05 Uhr):

Und wie bewerten Analysten die Nissan Motor Aktie? Peter Thilo Hasler, Gründer und Analyst von Sphene Capital, erklärte gegenüber wallstreet:online: „Die Aktie ist nach allen üblichen Maßstäben überbewertet. Das KGV liegt bei 26 (2021/22e) bzw. 11 (2022/23e) und damit deutlich über den Multiples typischer Peers aus Asien, Europa oder den USA. Einzig Ferrari und Tesla haben unter den Autoherstellern höhere Multiples, doch die spielen auch in einer anderen Liga.“

Nissan ist Teil der Renault–Nissan–Mitsubishi Allianz, die maßgeblich vom ehemaligen Nissan Chef Carlos Ghosn geschmiedet worden war. 2018 stürzte Ghosn das Autobündnis in eine schwere Krise: Die japanische Staatsanwaltschaft warf ihm die Veruntreuung von Firmengeldern vor. Ghosn setzte sich anschließend unter nicht vollständig geklärten Umständen in den Libanon ab.

Der japanische Autobauer gilt trotzdem als E-Auto-Pionier. Seit 2010 verkauft Nissan den Kompaktwagen Leaf. Der Leaf war bis Ende 2019 das weltweit meistverkaufte Elektroauto. Darüber hinaus hat Nissan noch den batterieelektrischen Kastenwagen E-NV 200 im Programm. Seit neuestem auch den Elektro-SUV Ariya.

Autor: Ferdinand Hammer, wallstreet:online Zentralredktion

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