Innerhalb eines Monats hat der Goldpreis zehn Prozent zugelegt. Die Analysten sehen das gelbe Edelmetall weiter im "Aufwärtsmodus". Daran änderten auch Preisrücksetzer wie in dieser Woche nichts.

"Sicherer Hafen", "Stabilitätsanker", "Inflationsschutz" - in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit kommt Gold wieder in Mode. Der Krieg in der Ukraine und die internationale Isolation Russlands sind da keine Ausnahme. Innerhalb eines Monats ist der Preis um fast zehn Prozent gestiegen und hat die Hürde von 2000 US-Dollar je Feinunze genommen.

Glaubt man Edelmetall- und Rohstoffexperten, dürfte die Rallye noch eine Weile anhalten. "In 2022 werden die Aussichten ähnlich gut sein wie 2011 als der Goldpreis bis September
um gut 40 Prozent zulegte. Wir sehen für 2022 die Preisspitze bei 2.200 US-Dollar", schreibt DZ-Bank Analyst Gabor Vogel.

Sein Kursziel macht er unter anderem an der ungebrochen starken Nachfrage von Investoren fest. Diese bevorzugten angesichts des Krieges und einer anhaltend hohen Inflation Gold in ihren Depots. "Das ausstehende Gold-ETF-Volumen hat sich seit Jahresbeginn um vier Prozent (+130 Tonnen) erhöht. Es ist nun damit zu rechnen, dass das Interesse der Investoren weiterhin zunimmt", so der Experte.

Die Nachfrage komme auch von Notenbanken, die ihre Tresore auffüllten und einem steigenden Bedarf der Schmuckbranche. Solange die geopolitische Lage unsicher bleibe, werde sich am Goldaufschwung nichts ändern, ist Vogel überzeugt. "Erst bei einem dauerhaften Waffenstillstand in der Ukraine wird sich die Lage wieder entspannen. Dann wird auch der Goldpreis wieder etwas nachgeben, allerdings werden die Notierungen des Edelmetalls auf Sechs-Monats-Frist wahrscheinlich nicht deutlich unter 2.000 US-Dollar fallen."

Ebenfalls bullisch blickt Heraeus-Edelmetallhändler Alexander Zumpfe auf die aktuelle Lage am Goldmarkt. "Anleger nehmen ungeachtet des hohen Preises nur zögerlich Gewinne mit indem sie ihre Bestände verkaufen. Im Gegenteil: Gefragt sind stattdessen alle Barrengrößen, aber besonders kleine Barren bis 100 Gramm. Hinzu kommt, dass die Zinserhöhungserwartungen im Angesicht der unsicheren wirtschaftlichen Aussichten einen Dämpfer bekommen – das macht Gold attraktiver. Es gibt derzeit nur sehr wenige Gründe, die gegen einen steigenden Goldpreis sprechen."

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion


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