Die AMC-Aktie verliert weiter an Boden: Innerhalb einer Woche büßte sie ein Fünftel ihres Werts ein. Haben die Kleinanleger noch genügend Durchhaltevermögen, um das Tauziehen mit den Hedgefonds für sich zu entscheiden?

Während einigen Privatanlegern die Sache zu bunt wird, halten andere an ihrem Zock fest und glauben weiterhin an den Short Squeeze. Dabei hätte man vermuten können, dass die abgeblasene Kapitalerhöhung von AMC-CEO Adam Aron der verschworenen Gemeinde der Privatanleger, die sich bei Reddit organisiert, Rückenwind verleihen würde. Laut Aron seien über 80 Prozent der AMC-Aktien in Besitz von 4,1 Millionen Privatanlegern.

Ein Stimmungsbild aus dem AMC-Forum auf wallstreet:online:

Rincewind100: „Theoretisch würde doch der erste Hedgefonds (HF), der seine Shorts eindeckt, noch günstig wegkommen. Er löst die Shorts zu einem niedrigen Kurs ein, zahlt zwar drauf, aber wenn sich dann die anderen eindecken, steigt der Kurs und der erste verdient sich eine goldene Nase am Short Squeeze (SQ). Gilt nur für den HF, der keine zig Millionen Shorts hat, denn er muss ja Verkäufer finden wie zum Beispiel Daytrader. Ich finde die momentane Kursentwicklung nicht erfreulich, aber denke immer noch, dass es zum SQ kommt – wie hoch dieser wird – keine Ahnung.“

mbpoll: „Ich würde ja nochmal nachkaufen, aber ich glaube, wir haben nach einer roten Woche den Boden noch nicht gesehen. … Ich glaube, dass doch ein großer Anteil von den Privatanlegern keine wirklichen Affen sind. Da wird doch sehr viel gehandelt jeden Tag. Und Aktien, die sich die HF leihen können, sind immer genug da. Würden Affen diese immer kaufen und halten, gäbe es nicht so viele zum Leihen! Ich schätze mal höchstens 30 Prozent sind wirklich Diamondhands – wenn überhaupt.
Anders ist die Kursentwicklung nicht zu erklären. Für mich gibt es circa 100 Millionen geshortete und ein paar Millionen FTD (First Time Deposit) – mehr nicht. Es kann aber für einen kleinen SQ reichen. Ich habe vor längerer Zeit schon meinen Einsatz rausgenommen und warte einfach ab, was kommt!“

Vax2701: „Das ganze Investment besteht aus einer Vermutung. Es ist Casino. Mehr nicht. Wir fischen alle im Dunkeln. Die HFs sind uns immer einen Schritt voraus. Es würde schon mehrfach überall davor gewarnt, dass diese Rakete nicht starten muss. Wer die Kohle, die bei AMC hängt, nicht braucht, sollte einfach abwarten. Es passiert uns nichts, außer dass es Lehrgeld ist, das wir am Schluss eventuell bezahlen.“

Franz Beckenbauer: „Die großen Kursverluste sehen wir im Pre- und After Market. Dort, wo der Kleinanleger in der Regel nicht handelt. Das zeigt a) die Manipulation der HF. Dort, wo sie keine Gegenwehr haben, können sie sich leicht die Pakete hin- und herschieben. Im Tagesverlauf ist es eher eine Seitwärtsbewegung. Und b) Dort, wo der Kleinanleger nicht handelt, kann er auch nicht für Kursverluste (Verkäufe) verantwortlich gemacht werden. Es ist die Strategie der HF. Von 60 auf 100 würde kaum einen zum Verkauf anregen (weil der Trend ja intakt ist). Lasse ich aber den Kurs auf 30 US-Dollar fallen, sehen die 100 schon viel verlockender aus. Sie spielen mit den Nerven und der Zeit (Thema: Ungeduld). Wo viele zu Beginn locker gesagt haben: Ich mache erste Teilverkäufe bei 500, dürfte nun die Geduld schon etwas bei 100 US-Dollar reißen. Und das ist der Plan der HF. Ich bin weiterhin locker, die Achterbahnfahrt war bekannt und auch das Ende (dieses ich nicht in Kurszielen bemessen möchte).“

Hanseat81: „Eine Exitstrategie sollte jeder haben. Wäre ich nervös und ängstlich, dann würde ich gegebenenfalls bei 100 US-Dollar die Anzahl an Aktien verkaufen, die der Einlage entsprechen – plus 25 Prozent. Den Rest würde ich dann bis zum eigentlichen Squeeze halten. Vorteil wäre, dass ab da an nur Gewinne laufen. Ein Verkaufsdruck aus Angst oder was auch immer wäre nicht mehr legitim. Die, die stärkere Nerven haben als ich, halten ohne Verkäufe bei 100 US-Dollar. Das irgendwann ein Anstieg auf die 100 US-Dollar kommt, da bin ich mir sicher. Und vielleicht wäre das Szenario eine denkbare Alternative. Sollte jedoch auf dem Weg dahin oder danach die Anzahl an naked shares bekannt werden, dann dürfte FOMO (FEAR OF MISSING OUT) einsetzen. Wer dann nicht oder mit wenigen Stücken an Bord ist, der hat dann halt Pech gehabt. Ich sehe die aktuelle Entwicklung als Gamma-Squeeze und erwarte darauffolgend einiges. Zeitablauf ist mir egal. Es wird kommen.“

Bis zum nächsten Börsengeflüster,

Autor: Nicolas Ebert, wallstreet:online Zentralredaktion

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