Der norwegische Hedgefonds-Manager Ole Andreas Halvorsen ist einer der weltweit angesehensten Investoren. Man sollte tatsächlich auf dem Schirm haben, was er so tut, weil er dazu neigt, ein relativ konzentriertes Portfolio zu führen – etwas mehr als 50 % der Aktien von Viking Global Investors befinden sich in den Top 10 der Aktien –, sodass seine Aktienauswahl durchaus relevant ist. Werfen wir also einen Blick auf drei Aktien, die Viking im letzten Quartal gekauft hat.

Investieren wie ein Wikinger

Halvorsen ist eindeutig jemand, der die Überzeugung seines Ansatzes unterstützt, denn die drei Aktien, die im betreffenden Zeitraum gekauft wurden, haben lange Zeit den S&P-500-Index übertroffen. Mit anderen Worten, es scheint so, als ob Viking auf die Rückgänge gewartet hätte, denn die langfristigen Fundamentaldaten sind trotz des Rückgangs stark geblieben.

Fortive via YCharts

Hier sind die drei Aktien in Bezug auf das Viking-Portfolio:

Unternehmen Prozentsatz von Viking Holdings Derzeitiger Wert Zuwachs der gehaltenen Aktien
Amazon.com (WKN: 906866) 8,18 % 1.601 Millionen USD 12 %
Lowe’s Companies (WKN: 859545) 2,79 % 558 Millionen USD 250 %
Fortive (WKN: A2AJ0F) 1,73 % 344 Millionen USD Neue  Position

Quelle: Viking Global Investors 13F SEC Einreichung

Amazon bleibt ein Rätsel

Oberflächlich gesprochen wird niemand begeistert sein, eine Aktie zu kaufen, die zum 44-Fachen des derzeitigen Free Cashflows (FCF) und dem 65-Fachen des Analystenkonsens’ für 2020 gehandelt wird. Allerdings ging es beim Kauf von Aktien bei Amazon immer um die Idee, dass es sich um ein wachstumsstarkes Unternehmen auf dem Weg zur Erschließung und Dominanz neuer Märkte handelte und dass Marge, Gewinn und Cashflow zwangsläufig folgen würden.

Das ist ein überzeugender Fall. Schließlich hat das Unternehmen in den letzten zehn Jahren den Umsatz mit einer jährlichen Rate von 28 % pro Jahr gesteigert und Analysten haben 19 % für die nächsten Jahre eingeplant. Darüber hinaus denken die Bullen, dass Amazon seine FCF-Generation nun deutlich verbessert.

Quelle: Präsentation von Amazon

Tatsächlich wird der verbesserte FCF von Amazon gleich auf den ersten Folien der letzten Gewinnausschüttung gezeigt, und das ist etwas, das das Unternehmen gerne fördern möchte.

Bevor man jedoch blind zuschlägt, sollte man bedenken, dass das jüngste Wachstum von Amazon auf Amazon Web Services zurückzuführen ist, den nach wie vor größten Ertragsgenerator bei Amazon.

Quelle: Präsentation von Amazon

Während das nicht gleich Sorgen bereiten muss – Amazon investiert im Augenblick in den Wachstum im E-Commerce –, bedeutet das doch, dass die Investitionsentscheidung darin begründet liegt, dass der Konzern langfristig auch außerhalb von Nordamerika wachsen kann. Mit anderen Worten, obwohl der FCF-Trend im Moment gut aussieht, ist es kein endgültiger Beweis dafür, dass Amazon auf dem richtigen Weg ist, um seine Bewertung zu rechtfertigen.

In diesem Zusammenhang ist eine Schlüsselgröße zu beachten, die als inkrementelle operative Marge bezeichnet wird, ein Maß für die Steigerung des Gewinns dividiert durch die Steigerung des Umsatzes. Wenn ein Unternehmen beispielsweise den Umsatz um 100 Millionen USD und den Gewinn um 10 Millionen USD erhöht, beträgt seine zusätzliche operative Marge 10 Millionen USD/100 Millionen USD bzw. 10 % – je höher die Zahl, desto besser.

Es ist eine nützliche Maßnahme, um zu sehen, wie viel von der Umsatzsteigerung in Gewinn umgewandelt wird.

Inkrementelle operative Marge 2017 2018 Erste neun Monate 2019
Nordamerika 1,8 % 12,6 % 0,6 %
International (17,2 %) 8 % 7,2 %
Amazon Web Services 23,3 % 36,2 % 21,7 %

Quelle: Präsentation von Amazon

Gut, die schrittweise operative Marge von Amazon in Nordamerika ist 2019 gesunken, was hauptsächlich auf eine Erhöhung der Ausgaben um 21,4 % zur Unterstützung des zukünftigen Wachstums zurückzuführen ist, und das ist in Ordnung.

Kauft man allerdings wie Halvorsen die Aktie, glaubt man offenbar, dass die inkrementelle operative Marge in Nordamerika sich verbessern wird. Es geht nicht nur um den FCF, den das Unternehmen gerade so feiert und in den Vordergrund stellt.

Die gute Nachricht ist, dass das Wachstum von Amazon so stark ist, dass sich seine inkrementelle Betriebsmarge im Jahr 2020 verbessern sollte – etwas, worauf man achten sollte, bevor man diese Aktie kauft.

Lowe’s Companies

Während sich die Schlüsselnummer, nach der man bei Amazon suchen sollte, hinter den Schlagzeilen verbirgt, sieht man sie bei Lowe’s auf den ersten Blick. Es ist die Marge.

Wenn der CEO von Lowe’s, Marvin Ellison, die Lücke zwischen Lowe’s und seinem ehemaligen Unternehmen, The Home Depot (WKN: 866953), schließen kann, könnten sich die Margen und dann die Erträge dramatisch verbessern, und der Preis, den der Markt bereit ist, für die Aktie von Lowe’s zu zahlen, könnte sich ebenfalls verbessern.

Lowe’s Bruttoprofitmarge via YCharts

In diesem Zusammenhang scheint die Beteiligung von Halvorsen an Lowe’s einige positive Nachrichten zu bedeuten, wobei das Unternehmen eine Steigerung der bereinigten Bruttomarge auf 32,44 % im dritten Quartal von 30,91 % im gleichen Zeitraum des Vorjahres berichtet. Unterdessen verbesserte sich die bereinigte operative Marge auf 9,26 % gegenüber 7,11 %, und Ellison sagte, dass Lowe’s 34 unterdurchschnittlich performende Geschäfte in Kanada schließen werde, weitere Restrukturierungsmaßnahmen sollen folgen.

Alles in allem scheint Lowe’s Fortschritte bei seinen Plänen zu machen und die Aktie ist eine interessante und attraktive Turnaround-Geschichte.

Fortive

Es war kein einfaches Jahr für Fortive oder ein anderes Unternehmen, das im Industriesektor stark den sogenannten kurzzyklischen Ausgaben – also einer kurzen Vorlaufzeit zwischen Erstkontakt und Vertrieb – ausgesetzt war. Fortive verzeichnete in der Tat eine weitere Verlangsamung der kurzzyklischen Umsätze im Segment der professionellen Messtechnik (Test-, Mess- und Überwachungsgeräte), was das Management dazu veranlasste, die Gewinnerwartungen bis 2019 zu senken.

Darüber hinaus dürften sich die herausfordernden Endmarktbedingungen „kurzfristig nicht allzu sehr ändern“ und im ersten Quartal und bis zum Ende des zweiten Quartals voraussichtlich gleich bleiben, wie CEO Jim Lico mitteilte.

Egal. Es scheint, dass Halvorsen hier langfristig denkt und sich entschieden hat, sich in Erwartung einer Rückkehr zum Wachstum in das Unternehmen einzukaufen. Angesichts der positiven Überraschung bei den jüngsten Gewinnen und Prognosen von Unternehmen mit Investitionsausgaben wie Rockwell, Siemens und Parker-Hannifin kann man durchaus annehmen, dass er recht hat.

Für Investoren, die auf eine Erholung der Industrieausgaben zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr 2020 setzen wollen, ist Fortive eine interessante Option.

Ist dies die nächste Wirecard?

Wirecard stieg um fast 2.000 %. Jetzt gibt es einen aussichtsreichen „Nachfolger“, der schon bald die Spitze einnehmen könnte. Erst im vergangenen Jahr kam die Aktie an die Börse. Mit +49 % Umsatz-Wachstum (2018) und einer traumhaften Marge von 52 % (vor Steuern und Abschreibungen) fasziniert das Unternehmen die Analysten, während seine Plattform die Internet-Händler in der ganzen Welt mit der besten Performance begeistert und so bereits über 3 Milliarden Menschen erreicht. Wächst hier ein ganz neuer Tech-Gigant heran? Alle Details liest du hier:

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und empfiehlt Aktien von Home Depot und Lowe's. Lee Samaha besitzt Aktien von Siemens AG.

Dieser Artikel erschien am 12.12.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2019

Autor: Lee Samaha

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