BERLIN (dpa-AFX) - Bei der Elektrifizierung des Bahnverkehrs von München in die Schweiz steht das Ende der Diesellok-Fernzüge nun endgültig bevor. Die Bauarbeiten an der Strecke von München nach Lindau sind abgeschlossen, nun sollen dreimonatige elektrische Testfahrten folgen, bevor im Dezember der erste reguläre Zug von München Richtung Lindau rollt. Das teilte die Deutsche Bahn am Montag in Berlin mit.

Die Elektrifizierung wird die Fahrzeit von München nach Zürich um etwa eine Stunde verkürzen, von bisher viereinhalb auf künftig dreieinhalb Stunden. Getestet wird Ende September zuerst die Bahnstromversorgung, ab Anfang Oktober folgen Messfahrten für die Neigetechnikzüge und für die Oberleitung. Künftig auf der Strecke eingesetzt wird der Schweizer Hochgeschwindigkeitszug ETR610, der bei den Testfahrten mit bis zu 176 Stundenkilometern unterwegs sein wird. Für Autofahrer bedeuten die Testfahrten, dass die Bahnübergänge entlang der Strecke länger als üblich bis zu 25 Minuten geschlossen sein können.

Das Bahnprojekt ist unter Verkehrspolitikern nicht nur berühmt, weil Deutschland bei der Elektrifizierung seiner Bahnstrecken so weit hinter der Schweiz zurück liegt - im Nachbarland sind alle Bahnstrecken elektrisch, in Bayern nur die Hälfte. Es war auch das erste innerdeutsche Bahnprojekt, das mit ausländischem Geld vorfinanziert wurde.

2007 hatte die Schweizer Regierung aus Verzweiflung über die deutsche Langsamkeit 50 Millionen Euro vorgestreckt, auch die bayerische Staatsregierung lieh 55 Millionen. Eigentlich ist die Finanzierung von Bahnfernstrecken ausschließlich Sache des Bundes. Debattiert wurde über die Elektrifizierung der Strecke über zwanzig Jahre, der Bau ging mit zweieinhalb Jahren vergleichsweise schnell.

Dieselloks werden im Allgäu aber auch künftig unterwegs sein, da die regionalen Strecken nach wie vor nicht elektrifiziert sind./cho/DP/nas