In 2 Sätzen

  • Beide Elektrofahrzeug-Aktien, die man meiden sollte, sind nach ihrem Börsendebüt in die Höhe geschossen. Leider haben sie zudem mit PR-Desastern und geringer Produktion zu kämpfen.
  • Im Vergleich dazu sollte die EV-Aktie, die man jetzt kaufen sollte, spätestens im nächsten Jahr profitabel sein.

Es kommt nicht oft vor, dass sich ein ganzer Wirtschaftszweig rapide ändert, aber genau das ist mit der einst schwerfälligen Autoindustrie geschehen. Wir sind mitten in einem mehrjährigen Wandel: Dahinter steckt die Elektrifizierung von Privatfahrzeugen und Unternehmensflotten sowie das Bestreben der meisten Länder, ihren CO2-Fußabdruck zu verringern und den Klimawandel aufzuhalten.

Laut einer Ende letzten Jahres von KPMG durchgeführten Umfrage prognostizierten die mehr als 1.000 von KPMG befragten weltweit führenden Automobilhersteller im Durchschnitt, dass bis 2030 etwa 50 % aller verkauften Fahrzeuge Elektrofahrzeuge sein werden. Ein Bericht von Market Research Future vom November geht davon aus, dass die Elektroautoindustrie bis 2030 einen Marktwert von 957 Mrd. US-Dollar erreichen wird. Das ist mehr als das Vierfache des Wertes von Ende 2021.

Obwohl eine Investition in das Wachstum der Elektroautoindustrie wie ein Selbstläufer aussieht, werden nicht alle Aktien aus der Branche auch Gewinner sein. Es gibt meiner Ansicht nach zwei EV-Aktien, die man auf jeden Fall meiden sollte.

Meiden: Rivian Automotive

Oberflächlich betrachtet hat Rivian Automotive (WKN: A3C47B), einer der heißesten Börsengänge des Jahres 2021, alles, um erfolgreich zu sein. Das Unternehmen wird drei unterschiedliche Fahrzeuge anbieten – den R1T Pickup, den R1S SUV und den EDV-Elektrotransporter. Die geplante Jahreskapazität beträgt 200.000 Fahrzeuge im Werk in Illinois und bis zu 400.000 im Werk in Georgia. Letzteres ist eine geschätzte Zahl, da Rivian für den Bau des Werks rund 5 Mrd. US-Dollar ausgibt. Die Produktion soll im Jahr 2024 anlaufen.

Rivian hat auch einen Auftrag über 100.000 E-Fahrzeuge von Amazon, den es 2019 erhalten hat. Die schiere Größe dieses Auftrags hat Rivian als einen Akteur bestätigt, der seit Jahren im Bereich der Elektrofahrzeuge von Interesse ist.

Die Kehrseite von Rivian ist jedoch, dass das Unternehmen noch sehr unerfahren ist. Das Unternehmen produzierte im Jahr 2021 nur 1.015 E-Fahrzeuge und hatte bei seinem Börsengang keinen Umsatz in den letzten zwölf Monaten. Es hat das ohnehin schon niedrige Produktionsziel für 2021 verfehlt und wird wahrscheinlich mit den gleichen Lieferkettenproblemen zu kämpfen haben, die die gesamte Branche betreffen. Mit anderen Worten: Rivians Weg wird zwangsläufig auf zahlreiche Hindernisse stoßen. Das ist ganz normal, wenn man ein EV-Unternehmen von Grund auf aufbaut.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich Rivian in der Öffentlichkeit in Schwierigkeiten befindet, nachdem das Unternehmen eine Preiserhöhung von 12.000 US-Dollar für seine Vier-Motoren-Modelle angekündigt und dann (für diejenigen, die vor dem 1. März bestellt haben) wieder zurückgenommen hat. Höhere Materialkosten zwingen die Autohersteller zu Preiserhöhungen. Auch wenn Rivian einfach nur der Masse folgte, kam eine Preiserhöhung von 12.000 US-Dollar für Fahrzeuge, die bereits 70.000 US-Dollar (oder mehr) kosten, bei den Kunden nicht gut an. Wenn Rivian nicht aufpasst, könnte es die Kunden davon abhalten, seine Fahrzeuge zu kaufen.

Rivian könnte sich zwar zu einem Investment im Bereich der Elektrofahrzeuge entwickeln, sollte aber keinesfalls mit 45 Mrd. US-Dollar bewertet sein.

Meiden: Nikola

Lange bevor Rivian der heißeste Player im Bereich Elektrofahrzeuge war, machte Nikola (WKN: A2P4A9) von sich reden. Es war eines von vielen Unternehmen, die über eine SPAC (Special Purpose Acquisition Company) an die Börse gingen. Am 9. Juni 2020 erreichte Nikola ein Tageshoch von fast 94 US-Dollar pro Aktie. Leider wurden dieselben Aktien am 3. März 2022 für knapp über 7 US-Dollar gehandelt.

Der anfängliche Rummel um Nikola hatte mit der Einführung des Badger im Februar 2020 zu tun. Der Badger sollte ein batteriebetriebenes Elektrofahrzeug (BEV) oder ein Brennstoffzellenfahrzeug (FCEV) mit einer geschätzten Reichweite von 600 Meilen und einem relativ niedrigen Preis von 60.000 US-Dollar sein. In Verbindung mit Nikolas Ambitionen, auch BEV- und FCEV-Sattelschlepper zu bauen, war die Wall Street, zumindest anfangs, vom Potenzial des Unternehmens begeistert. Dann kam das Unternehmen unter die Räder.

Im Laufe der nächsten anderthalb Jahre wurde der Badger auf Eis gelegt, bevor er überhaupt vom Band lief. Das lag zum Teil daran, dass es Nikola nicht gelang, einen Partner für die Herstellung des Fahrzeugs zu finden. Obwohl es so aussah, als ob General Motors als Partner einspringen würde, wurde der Badger nicht in die Vereinbarung zwischen den beiden Unternehmen aufgenommen.

Schlimmer noch: Eine Handvoll Anschuldigungen vonseiten Hindenburg Research gegen Nikola erwiesen sich als wahr. Eine unabhängige Untersuchung ergab, dass die Vorbestellungszahlen übertrieben waren. Dies führte zu einer Untersuchung durch die Börsenaufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission) mit dem Ergebnis, dass der ehemalige CEO Trevor Milton im vergangenen Juli in drei Fällen wegen Betrugs angeklagt wurde.

Heute beginnt Nikola gerade erst mit der Auslieferung seiner ersten BEV-Sattelschlepper. Obwohl das Unternehmen im vierten Quartal einige Absichtserklärungen für seine Sattelschlepper erhalten hat, ist nicht klar, ob es über das notwendige Kapital verfügt, um die Produktion hochzufahren und erhebliche Quartalsverluste abzuwenden. Auch aufgrund des ramponierten Rufs sollten Anleger von Nikola die Finger lassen.

Kaufen: Nio

Ganz anders Nio (WKN: A2N4PB), das alle Kriterien erfüllt und nach dem jüngsten Kursrückgang problemlos gekauft werden kann.

Ich gebe freimütig zu, dass ich Nio vor etwas mehr als einem Jahr ähnlich wie Nikola bewertet habe – also meiden! Zu einem bestimmten Zeitpunkt lag die Bewertung von Nio bei über 90 Mrd. US-Dollar, während das Unternehmen nur etwa 20.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr produzieren sollte. Die Bewertung machte einfach keinen Sinn.

Das Management hat jedoch mit seiner Fähigkeit, die Produktion in einem schwierigen Umfeld zu steigern, wirklich beeindruckt. Obwohl das chinesische Neujahrsfest die Produktion im Februar bremste und Probleme in der Lieferkette die Produktion im Januar einschränkten, gelang es Nio, sowohl im November als auch im Dezember mehr als 10.000 Fahrzeuge auszuliefern. Die Geschäftsleitung hat eine Prognose abgegeben, dass das Unternehmen bis zum Jahresende monatlich 50.000 Lieferungen erreichen kann. Dies entspräche einer jährlichen Produktionsrate von rund 600.000 E-Fahrzeugen.

Dieser Produktionsanstieg wird durch die bestehende Produktlinie von Nio sowie durch die Einführung von drei neuen Fahrzeugen angetrieben. Bislang stießen die Premium-SUVs (ES8 und ES6) und der Crossover-EV (ES6) des Unternehmens auf großes Interesse. Der nächste Wachstumsschub wird jedoch von den Auslieferungen des ET7 und des ET5 ausgehen, die als Elektroauto-Limousinen direkt auf das Model S bzw. das Model 3 von Tesla abzielen. Mit der Top-Batterieoption gibt Nio für seine Limousinen eine geschätzte Reichweite von etwa 621 Meilen an.

Darüber hinaus ist das im August 2020 vom Management vorgestellte Battery-as-a-Service (BaaS)-Programm einfach genial. Für die Käufer senkt BaaS den anfänglichen Kaufpreis ihres Fahrzeugs und gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Batterien zu einem späteren Zeitpunkt aufzuladen, auszutauschen oder aufzurüsten. Für Nio bedeutet dies einen Tausch von kurzfristigen Umsätzen mit geringerer Gewinnspanne gegen Einnahmen mit hoher Gewinnspanne (die Käufer zahlen eine monatliche Gebühr für das BaaS-Programm), die die Käufer an die Marke binden.

Und natürlich ist Nio in China ansässig. Die Elektroautoindustrie steckt in China noch in den Kinderschuhen, was bedeutet, dass der Marktanteil hart umkämpft ist.

Es wird erwartet, dass Nio im nächsten Jahr in die Gewinnzone kommt, und das Unternehmen ist nur mit dem 7-Fachen des von der Wall Street für 2024 prognostizierten Gewinns pro Aktie bewertet. Für mich ist das ist ein echter Kauf.

Der Artikel Elektrofahrzeug-Aktien: 1 Kauf und 2 Warnungen ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Sean Williams besitzt Aktien von Amazon. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon, NIO Inc. und Tesla. Dieser Artikel erschien am 7.3.2022 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2022

Autor: Sean Williams


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