ISTANBUL (dpa-AFX) - Vor möglichen EU-Sanktionen wegen Gaserkundungen im östlichen Mittelmeer hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Brüssel vor einer Instrumentalisierung durch Griechenland gewarnt. Die Europäische Union müsse sich sobald wie möglich von ihrer "strategischen Blindheit" befreien und dürfe nicht zulassen, dass sie von Griechenland und den griechischen Zyprern als "Rammbock im östlichen Mittelmeer" benutzt werde, sagte Erdogan am Montag in einer Videobotschaft.

Es sei nicht möglich, dass die Türkei mit der längsten Küste im Mittelmeer bei den Entwicklungen in der Region Zuschauer bleibe, betonte Erdogan. Ankara vertrete die eigenen Interessen und die der türkischen Zyprer. Die Türkei habe mehrmals zum Ausdruck gebracht, dass sie sich "Drohungen und Erpressungen" nicht beugen und Imperialismus nicht zulassen werde, sagte er weiter.

Zugleich appellierte Erdogan, der Diplomatie eine Chance einzuräumen, damit eine dauerhafte Lösung im Mittelmeer gefunden werden könne. "Wir glauben, dass wir die Probleme im Mittelmeer nicht lösen können, indem wir uns gegenseitig ausschließen, sondern indem wir uns mit allen Akteuren der Region an einen Tisch setzen", sagte Erdogan. Er wolle nach wie vor eine Konferenz mit allen beteiligten Akteuren abhalten. "Wie erwarten von unseren Ansprechpartnern, dass sie diese Hand, die die Türkei ausgestreckt hat, nicht in der Luft hängenlässt."

Griechenland und Zypern werfen der Türkei vor, im östlichen Mittelmeer illegal Erdgasvorkommen zu erkunden. Die türkische Regierung weist die Vorwürfe zurück und vertritt den Standpunkt, dass die Erdgassuche rechtmäßig ist. Bei dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag soll über mögliche weitere Sanktionen gegen die Türkei wegen der Erdgaserkundungen gesprochen werden./jam/DP/eas