LONDON (dpa-AFX) - Der britische Triebwerksbauer Rolls-Royce sieht sich dank der allmählichen Erholung des Flugverkehrs auf der Langstrecke in seinen Jahreszielen bestätigt. Die wachsende Zahl von Flugstunden dürfte zu mehr Wartungsaufträgen führen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in London mit. Im ersten Halbjahr erreichten die Flugstunden großer Langstreckenjets den Angaben zufolge 60 Prozent des Niveaus aus der Zeit vor der Corona-Pandemie. Rolls-Royce hatte sich seit einigen Jahren ganz auf Antriebe für Großraumflugzeuge verlegt. Der Geschäftseinbruch infolge der Pandemie traf das Unternehmen dadurch härter als andere Triebwerkshersteller.

Im ersten Halbjahr 2022 ging es allerdings wieder aufwärts. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dämmte Rolls-Royce den Geldabfluss um rund 1,1 Milliarden auf nur noch 77 Millionen britische Pfund (92 Mio Euro) ein. Während der Umsatz um mehr als acht Prozent auf 5,6 Milliarden Pfund zulegte, wuchs der operative Gewinn von 38 Millionen auf 223 Millionen Pfund. Allerdings rissen Wertberichtigungen auf Finanzinstrumente und Währungseffekte den Konzern unter dem Strich mit 1,6 Milliarden Pfund in die roten Zahlen. Ein Jahr zuvor hatte hier ein Gewinn von 394 Millionen Pfund gestanden. Das Ergebnis fiel schwächer aus, als Experten erwartet hatten.

Für das laufende Jahr rechnet Rolls-Royce weiterhin mit der Auslieferung von 350 bis 400 neuen Flugzeugtriebwerken. Der Konzernumsatz soll auf vergleichbarer Basis um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentsatz steigen. Im operativen Geschäft erwartet das Management vor Sondereffekten schwarze Zahlen. Im Gesamtjahr 2021 war Rolls-Royce nach herben Verlustjahren in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Konzernchef Warren East gibt seinen Posten Ende des Jahres ab. Neuer Rolls-Royce-Chef wird ab 1. Januar 2023 der frühere BP-Manager Tufan Erginbilgic.

Trotz der Erholung im ersten Halbjahr und der Hoffnung auf wieder bessere Geschäfte ging es für die Aktie nach unten. Das Papier sackte am Vormittag um bis zu sieben Prozent ab und zählte damit zu den schwächsten Werten im britischen Leitindex FTSE 100. Händler führten dies vor allem darauf zurück, dass der operative Gewinn die Erwartungen verfehlte. Mit einem Kurseinbruch von mehr als 60 Prozent seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie zählt das Papier zu den größten Verlierern der Krise. Zum Vergleich: Die Aktien des Konkurrenten MTU haben in dem Zeitraum lediglich rund 30 Prozent verloren./stw/jcf/zb