HAMBURG (dpa-AFX) - Beim Hamburger Hafenbetreiber HHLA hängt der Haussegen schief: Zum einen sind Beschäftigte der HHLA-Servicegesellschaften SCA und SCB an den Containerterminals Altenwerder und Burchardkai am Donnerstag zum zweiten Mal innerhalb einer Woche in einen Warnstreik getreten. Zum anderen erregen Corona-Prämien für leitende HHLA-Angestellte die Gemüter. Der Ton zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Geschäftsführung ist rau geworden.

"Die HHLA ist sich anscheinend nicht zu schade, ihrem Führungspersonal Corona-Boni zu zahlen, während sie eine familienfreundliche Tarifangleichung als zu teuer ablehnt", sagte Verdi-Landesfachbereichsleiter Verkehr, Natale Fontana. Das sei unsozial. Ein HHLA-Sprecher verteidigte dagegen die Prämien. Im Gegensatz zu den Tarifbeschäftigten hätten leitende Angestellte und Geschäftsführer 2020 keine prozentuale Lohnerhöhung bekommen. "Sie haben stattdessen eine Einmalzahlung in Höhe von 1500 Euro erhalten."

Insgesamt seien 38 Führungskräfte betroffen gewesen, "das heißt wir reden hier in der Summe von einem Gesamtbetrag in Höhe von einmalig 60 000 Euro", sagte der Sprecher. Im Übrigen hätten die Führungskräfte auch nicht mehr bekommen, sondern da es sich um eine Einmalzahlung und nicht um eine fortlaufende Tariferhöhung handele, unter dem Strich sogar weniger. "Den seitens von Verdi erweckten Eindruck, es habe eine Ungleichbehandlung gegeben, weisen wir strikt zurück."

In der Tarifauseinandersetzung möchte Verdi erreichen, dass es bei den HHLA-Töchtern SCA und SCB mit ihren etwa 360 Beschäftigten keine Pflicht mehr zur Arbeit an den Wochenenden gibt. SCA und SCB halten die Großgeräte auf den Hafenanlagen instand. "Die Kollegen wollen (...) eine planbare Freizeit, um auch Zeit für ihre Familien zu haben", sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Stephan Gastmeier. Da sich die HHLA-Führung in den Verhandlungen aber zuletzt nur unzureichend bewegt habe, seien die Kollegen nun erneut in einen Warnstreik getreten, der diesmal bis Donnerstag, 23.45 Uhr, dauern soll.

Die HHLA-Führung nannte den Warnstreik unverhältnismäßig und unverantwortlich, die Forderungen seien nicht akzeptabel. Schicht- und Arbeitszeitmodelle mit sieben Tagen Regelarbeit und entsprechendem Freizeitausgleich seien an sechs von acht Containerterminals an der Deutschen Bucht durch Verdi in Haustarifverträgen verankert. "Umso unverständlicher ist es für die Arbeitsgeberkommission der HHLA, dass Verdi bei SCA und SCB auf Lösungen beharrt, die Beschäftigung gefährden."

HHLA-Arbeitsdirektor Torben Seebold appellierte erneut an die Arbeitnehmervertreter, einer Schlichtung zuzustimmen. Dafür, dass Verdi diese bislang ablehne, habe die HHLA kein Verständnis. Geradezu empört reagierte der Vorstand auf Gastmeiers Vorwürfe, die HHLA habe versucht, Beschäftigte in Einzelgesprächen unter Druck zu setzen.

Vielmehr seien umgekehrt viele HHLA-Mitarbeiter zutiefst irritiert über das teilweise aggressive Auftreten einzelner Verdi-Funktionäre beim Warnstreik vor einer Woche. "Dass Mitarbeiter, die nicht streiken wollten, verbal bedroht wurden, ist ein ernstzunehmender Vorgang, den die HHLA nicht toleriert", sagte die Geschäftsführung./klm/DP/fba