Wir haben über die letzten gut zwei Jahre einen kurzen Corona-Crash, einen heftigen Small-Cap-Absturz und einen im Vergleich zu den Umständen harmlosen Ukraine-Crash gesehen. Nichts davon hat gut diversifizierte Investoren ernsthaft erschüttert.

Es scheint aus Sicht der Börse also alles in geordneten Bahnen zu verlaufen. Probleme gibt es schließlich immer. Für ausgewachsene mehrjährige Crashs, wie sie etwa alle zehn Jahre vorkommen, benötigt es eine gewaltige Kette von negativen Ereignissen, die rund um die Welt läuft. Zuletzt mehrten sich wieder die Stimmen, die glauben, dass sich genau das zusammenbraut.

Ein Paradigmenwechsel steht an

Mangels Alternativen galt bisher, dass anhaltend tiefe Zinsen Investoren weiterhin in Aktien treiben. An einem guten Unternehmen beteiligt zu sein erschien aussichtsreicher als Negativzinsen zu entrichten. Deshalb wurden Kursrückgänge stets in großem Umfang zum Nachkaufen genutzt. An Liquidität mangelt es nicht.

Aktien würden auf den zum Teil immens hohen Niveaus – Apple (WKN: 865985) bringt mittlerweile rund 3 Billionen US-Dollar auf die Waage, bei Chiphersteller Nvidia (WKN: 918422) ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis nach dem Corona-Crash auf sagenhafte Werte im Bereich von 20 bis 35 hochgeschnellt – noch immer mehr langfristige Rendite abwerfen, wenn auch vielleicht nicht mehr die früher üblichen 5 bis 10 %.

Es sind eingefahrene Denkmuster, die jahrelang gut funktioniert haben. Doch jederzeit könnte ein Umdenken einsetzen.

Was Analysten nun besonders Sorge bereitet

Wie groß die Verwirrung selbst bei den Profis ist, belegt ein Blick auf einen führenden Staatsanleihen-Index, den deutschen Euro-Bund-Future. Obwohl die Inflation im vierten Quartal 2021 bereits hohe Werte erreichte, wurde dieser noch einmal nach oben getrieben. Seither ist er gefallen wie ein Messer.

Einer Umfrage der Royal Bank of Canada (WKN: 852173) zufolge finden 42 % der institutionellen Fondsinvestoren, dass die Lage an den Anleihemärkten Anlass zur Sorge sei. Sie sei ein Signal dafür, dass noch vor Ende 2023 eine Rezession einsetzen werde.

Auch bei der Deutschen Bank (WKN: 514000) sehen die Ökonomen große Gefahren von den schnell steigenden Rohstoff-, Energie- und Verbraucherpreisen ausgehen. Die Geldpolitik müsse nun härter durchgreifen als geplant. Und das würde der Börse die Luft zum Atmen nehmen. In Verbindung mit den heftigen geopolitischen Herausforderungen – neben der Ukraine auch noch die Brexit-Folgen, die immer intensiveren Streitigkeiten mit China, COVID-19 und einiges mehr – sei daher ein Rückgang der amerikanischen Leitindices im Bereich von 20 % zu erwarten.

Bezogen auf den DAX, der typischerweise die Bewegungen des Dow-Jones-Index grob nachvollzieht, würde das einen Absturz auf rund 11.000 Punkte bedeuten. Angesichts solcher Aussichten könnte es klug sein, sein Geld aus der Börse abzuziehen und sich davon etwas Nützliches zu kaufen, bevor es bald noch teurer werde – oder Festgeldzinsen zu kassieren.

Es kann auch ganz anders kommen

Man hört auch andere Stimmen wie etwa die von Invesco, die sagen, dass die Wirtschaft unverändert brumme und viel Negatives bereits eingepreist sei. Somit stünden die Chancen für den nächsten Aufschwung an den Aktienmärkten gut.

Immerhin muss man anerkennen, dass zum Beispiel der Dow-Jones-Index seit rund einem Jahr seitwärts läuft, statt wie üblich zuzulegen. Und die Preisanpassungen an den Rohstoffmärkten könnten zum großen Teil bereits hinter uns liegen. Sobald sich die gestörten Lieferketten wieder einrenken, wird auch der Preisauftrieb ein Ende haben.

Klar ist auch, dass die Wirtschaft insgesamt auf einem starken Fundament sitzt. Seit einigen Jahren setzte die Politik einen umfassenden Umbau in Gang, der Billionen-Investitionen in verschiedene Infrastrukturen erfordert. Was die einen belastet, ist für die anderen ein lukratives Geschäft.

Wenn wir eine Sache aus den verrückten letzten Jahren gelernt haben, dann doch diese, dass die Gewinner und Verlierer an der Börse von einem Moment auf den anderen wechseln. Schnell wachsende Technologiewerte aus der zweiten und dritten Reihe wurden gehypte und fallengelassen. Zuletzt konzentrierte sich das Anlegerinteresse auf Luxusgüter, Einzelhandel, Big Pharma und andere Sektoren mit hohen Barmittelzuflüssen, wenig Konjunkturabhängigkeit und viel Preissetzungsmacht.

Wie ich jetzt handeln würde

Es steht außer Frage, dass die vielfältigen erhöhten Risiken eine Gefahr für unsere Vermögensbildung darstellen. Wir sollten daher versuchen, Risiken in unseren Anlageportfolios zu mindern, um auch auf jede Art von Crash bestmöglich vorbereitet zu sein. Insbesondere große, etablierte Unternehmen, die mit einem zweistelligen Kurs-Umsatz-Verhältnis bewertet werden, gehören nun aus meiner Sicht dringend auf den Prüfstand. Dort sehe ich ein Crashpotenzial von weit mehr als 20 %.

Andererseits sind viele zyklische Unternehmen und kleinere Technologie-Werte in der jüngsten Abverkaufswelle unter die Räder gekommen, obwohl die langfristigen Aussichten hervorragend bzw. die Auftragsbücher voll sind. Da bietet es sich an, trotz des schwierig zu durchschauenden Börsenumfelds selektiv antizyklisch zu handeln.

Der Artikel Es wird eng! Kommt der große Börsen-Crash erst noch? ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und Nvidia und empfiehlt die folgenden Optionen: Short March 2023 $130 Call auf Apple und Long March 2023 $120 Call auf Apple.

Motley Fool Deutschland 2022

Autor: Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst (CMFCondorEye)


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