Was waren das bloß für turbulente Handelstage und -wochen rund um die Wirecard (WKN: 747206)-Aktie. Seitdem die „Financial Times“ ihre kritischen Berichte bezogen auf potenzielle Unregelmäßigkeiten im Singapur-Geschäft des Zahlungsabwicklers veröffentlichte, kamen sowohl die Aktie selbst als auch die Anleger nicht mehr zur Ruhe.

Doch in den vergangenen Handelstagen schien sich vermehrt so etwas wie Normalität einzuschleichen. Seit dem 20. Februar ist die Volatilität zumindest auf einem weitgehend normalen Niveau, ohne dass gravierende Neuigkeiten die Aktie massiv in die Knie gezwungen – oder sich die Aktie schlagartig erholt hätte.

Doch obwohl es inzwischen wieder ruhiger um Wirecard geworden ist, notiert die Aktie beim gegenwärtigen Kursniveau von rund 120 Euro noch immer deutlich tiefer, was im Vergleich zur Vor-Financial-Times-Zeit noch immer einem beeindruckenden Abverkauf von rund 28 % entspricht. Lass uns daher an dieser Stelle einmal überlegen, weshalb sich die Aktie noch nicht wieder erholten konnte bzw. was für eine nachhaltige Erholung notwendig sein könnte.

Trotz der Ruhe ist das Thema noch nicht vom Tisch

Der wesentlichste Grund, weshalb sich die Aktie des innovativen Zahlungsdienstleisters noch nicht wieder erholt hat, dürfte wohl in der nach wie vor vorherrschenden Unsicherheit liegen, die die Aktie von Wirecard noch immer umgibt. Zwar ist es in den vergangenen Handelstagen etwas ruhiger geworden, nichtsdestoweniger stehen die Vorwürfe der „Financial Times“ noch immer im Raum und sind bislang weder entkräftet noch bestätigt worden.

Sowohl extern, beispielsweise durch die Polizei in Singapur oder die renommierte Compliance-Kanzlei Rajah & Tann, als auch intern wird gegenwärtig weiter ermittelt. Aber solange noch keine belastbaren, gesicherten und fundierten Erkenntnisse vorliegen, dürfte die Aktie auch weiterhin nicht sonderlich an Fahrt gewinnen.

Gegenwärtig rechnen einige Analysten damit, dass Wirecard zur Vorlage des eigenen Zahlenwerks für das vergangene Geschäftsjahr 2018 auch die Ergebnisse der Ermittlungen wird präsentieren können. Und sofern dem wirklich so sein sollte, dürfte es sich für die Investoren empfehlen, sich den 04.04. des aktuellen Jahres dick und rot im Kalender anzustreichen.

Doch bis dahin dürfte auch weiterhin Unsicherheit herrschen, was sich möglicherweise in lediglich geringfügigen Bewegungen der Aktie bemerkbar macht. Zumindest sofern nicht neue brisante und wohl weiterhin spekulative Erkenntnisse (oder, ganz konkret, Vorwürfe) die Aktie noch einmal auf Talfahrt schicken.

Der Schicksalstag nähert sich

Wie wir allerdings mit Blick auf den Kalender feststellen können, scheint sich der mögliche Schicksalstag für alle Investoren von Wirecard mit großen Schritten zu nähern. In knapp einem Monat erhalten wir hoffentlich neue und vor allem begründete Erkenntnisse, die entweder Erleichterung oder Ernüchterung bringen.

Fundamental läuft es übrigens weiterhin rund bei Wirecard. Denn wie Vorstandschef Markus Braun zur Mitte des vergangenen Monats verlautbaren ließ, deuteten die aktuellen Januarzahlen erneut auf einen Rekord im ersten Quartal hin. Und man freue sich dementsprechend auf ein „höchst erfolgreiches Jahr 2019“, so der Wirecard-Chef weiter.

Sofern die derzeitige Verunsicherung daher im April der Erleichterung weichen sollte, könnten die Zeichen angesichts der kurzfristigen Prognose und der mittel- bis langfristigen Aussichten womöglich wieder auf Kursgewinne stehen.

Doch bis zu diesem Zeitpunkt müssen wir uns alle wohl noch etwas gedulden und mit der weiterhin vorherrschenden Verunsicherung und Nervosität im Umfeld der Wirecard-Aktie leben.

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Vincent besitzt Aktien von Wirecard. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2019

Autor: Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst