BRÜSSEL (dpa-AFX) - Der deutsche EU-Abgeordnete und gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion, Peter Liese, hat klargestellt, dass Deutschland durch eine spätere Zulassung kein Corona-Impfstoff verloren geht. "Kein Brite, kein Amerikaner wird mit "deutschem" Impfstoff geimpft", sagte der CDU-Politiker am Montag bei einem virtuellen Pressegespräch. "Die Tatsache, dass die anderen früher anfangen, heißt nicht, dass wir Ende Januar einen Deutschen haben, der dadurch weniger geimpft wurde."

Während die bedingte Marktzulassung der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA für den Impfstoff des Mainzer Pharma-Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer noch aussteht, haben Großbritannien und die USA nach Notfallzulassungen bereits mit Impfungen begonnen.

"Auch in Großbritannien wird keiner der Senioren normal mit seiner Familie Weihnachten feiern können, weil er noch keine Immunität haben wird zu Weihnachten", sagte Liese. Die Immunisierung stelle sich erst einige Zeit nach der zweiten Dosis ein.

Ohnehin sei der derzeit verfügbare Impfstoff begrenzt, so dass der zeitliche Vorteil einer früheren Zulassung begrenzt sei. "Der Engpass ist auf jeden Fall da, und wir werden, egal ob wir jetzt eine Notfallzulassung machen oder nicht, im Januar nicht alle Risikogruppen impfen können sondern nur nach und nach."

Frühestens im März oder April werde ein Impfstoff spürbar für Entlastung sorgen, wenn bis dahin große Teile der Risikogruppen geimpft seien. "Die Frage, was wir uns im Januar erlauben können, hängt nicht an der Impfung", sagte der studierte Mediziner. Vielmehr seien Verhaltensregeln wie das Tragen von Masken und das Einhalten von Abstand entscheidend. Den kürzlich beschlossenen Lockdown in Deutschland hätte laut Liese auch eine frühere Notfallzulassung nicht verhindert.

Am Sonntag hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten einen harten Lockdown ab dem 16. Dezember beschlossen - neben vielen Geschäften müssen auch Dienstleister wie Friseure schließen./chh/DP/eas