BRÜSSEL (dpa-AFX) - EU-Bürger können sich bald mit einer Unterschrift online für eine Kerosinsteuer sowie klarere Lebensmittelkennzeichnungen einsetzen. Entsprechende Bürgerinitiativen nahm die EU-Kommission an, wie die Behörde am Dienstag in Brüssel mitteilte.

Eine der Initiativen fordert, Steuerbefreiungen für den Flugzeugtreibstoff zu beenden. Die Luftfahrtbranche profitiere von Steuervorteilen, obwohl sie einer der am schnellsten wachsenden Verursacher von Treibhausgasen sei, führen die Initiatoren zur Begründung an.

In Deutschland hatte sich zuletzt der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft gegen eine Kerosinsteuer ausgesprochen. Nationale Alleingänge seien kontraproduktiv, hieß es. Hierzulande ist Kerosin bis heute steuerfrei.

Wenn in einem Jahr nun mindestens eine Million Stimmen aus sieben EU-Staaten zusammenkommen, muss die EU-Kommission die Forderungen prüfen und gegebenenfalls Vorschläge für neue EU-Gesetze vorlegen.

Gleiches gilt für die Bürgerinitiative "Pro-Nutriscore". Die Initiatoren fordern, Verbraucher europaweit besser über die Qualität von Lebensmitteln zu informieren, um ihre Gesundheit zu schützen.

Hierzulande will die große Koalition bis Sommer ein Modell für eine klarere Kennzeichnung von Zucker, Fett und Salz in Fertiggerichten erarbeiten. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) strebt zunächst aber noch weitere Klärungen an, etwa eine Verbraucherbefragung und einen Praxistest.

Verbraucherschützer und die SPD machen sich für den Nutri-Score stark. Das System bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - auf einer fünfstufigen Skala von dunkelgrün bis rot. Erste Produkte damit gibt es inzwischen in deutschen Supermärkten./asa/DP/jha