BRÜSSEL (dpa-AFX) - Wegen der Corona-Pandemie nimmt der Luftverkehr in Europa nach Einschätzung der Flugsicherungszentrale Eurocontrol noch deutlicher ab als bisher vermutet. Die Experten gehen nun davon aus, dass in diesem Jahr rund sechs Millionen Flüge weniger durchgeführt werden als 2019. Bisher waren sie von fünf Millionen Flügen weniger ausgegangen. Allein für 2020 rechnet Eurocontrol mit einem Schaden für die Luftfahrtindustrie in Höhe von 140 Milliarden Euro - 30 Milliarden Euro mehr als noch Ende April prognostiziert.

Die Lage sei besorgniserregend für die Branche, sagte Eurocontrol-Chef Eamonn Brennan einer Mitteilung vom Montag zufolge. So fehle es etwa an einer Koordination. "Es gibt viel Verwirrung und sehr wenig Passagiervertrauen, und natürlich nehmen die Ausbrüche von Covid-19 in Europa zu."

Brennan forderte alle europäischen Staaten auf, enger zusammenzuarbeiten und etwa Corona-Tests für Flugreisen zu vereinheitlichen. "Das würde Passagieren, Flughäfen und Airlines mehr Vorhersehbarkeit geben." Er warnte, dass sich die Lage noch weiter verschlechtern könnte, "wenn die Staaten weiterhin pauschale Beschränkungen und Quarantänemaßnahmen auferlegen - dieser Ansatz tötet die Reise- und Tourismusbranche".

EU-Transportkommissarin Adina Valean will wegen der Schwierigkeiten der Luftfahrtindustrie die bestehende Flugrechte-Regelung für Fluggesellschaften weiterhin aussetzen. Sie wolle die Ausnahme auch während des Winterflugplans und damit bis zu 27. März 2021 verlängern, teilte Valean am Montag mit. Das soll unter anderem Leerflüge während der Corona-Krise vermeiden.

Um ihre Start- und Landerechte - sogenannte Slots - auf europäischen Flughäfen zu erhalten, müssen Airlines diese in jeder Saison zu mindestens 80 Prozent nutzen. Die EU-Kommission hatte wegen des drastischen Passagierrückgangs in der Pandemie vorgeschlagen, auch ungenutzte Slots wie genutzte zu behandeln. Sonst könnten Flugunternehmen sich gezwungen sehen, zum Erhalt ihrer Rechte mit leeren Maschinen zu fliegen./bvi/DP/nas