Kaum ein Konzern profitiert so direkt von der Pandemie wie der Labor-Profi Synlab. Am Freitag fand das Synlab-Börsendebüt statt. Lohnt sich jetzt noch ein Einstieg? wallstreet:online hat mit Analysten dazu gesprochen.

Europas größte Laborkette Synlab hat am Freitag ein eher verhaltenes Börsendebüt hingelegt: Der erste Kurs entsprach dem Ausgabepreis von 18 Euro. Am Freitagnachmittag kletterte das Papier dann zeitweise auf 20 Euro, gab dann aber wieder etwas nach und beendete den ersten Handelstag an der Frankfurter Börse bei 19,73 Euro.

Schon die Zeichnungsphase war holprig verlaufen: Die Synlab-Aktie wurde zwischen 18 und 23 Euro angeboten. Anleger waren aber nur bereit das Papier am unteren Ende der Preisspanne zu kaufen, weswegen die den Börsengang betreuenden Banken Goldman Sachs und JP Morgen den Emissionspreis auf 18 Euro pro Aktie festlegten.

Anleger sind offenbar skeptisch, dass Synlab das bestehende Umsatz- und Gewinnniveau auch nach der Corona-Pandemie beibehalten kann. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Labor-Spezialist aus München einen Umsatz von insgesamt 2,6 Milliarden Euro. Davon entfielen allein 620 Millionen Euro auf PCR-Tests für das neuartige Corona-Virus SARS-CoV-2. Insgesamt lag der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei 679 Millionen Euro.

Analyst Klaus Brune, Leiter des Börsen-Ressorts bei PLATOW, empfiehlt die „Aktie bis 20,00 Euro zu kaufen und mit einem Stopp bei 15,50 Euro abzusichern.” Nur gut ein Fünftel der Umsätze von Synlab würden durch die Corona-Pandemie direkt positiv beeinflusst. Und: Auch nach dem „möglichen Abklingen der Pandemie wird es unserer Einschätzung nach notwendig sein, Testkapazitäten in großem Umfang bereitzuhalten”. Denn durch die hohe Mutationsfähigkeit des Corona-Virus werde dieses „aus unserem Alltag nicht mehr ganz verschwinden”, so Brune.

Obwohl sogar schon Boulevard-Medien wie die Bild-Zeitung über den Synlab-IPO berichteten, glaubt auch Peter Thilo Hasler, Gründer und Analyst von Sphene Capital, dass Synalb „keine Eintagsfliege sein wird”. Denn der Labor-Spezialist sei mit „450 Laboren, über 1.600 Probenentnahmestellen, Patienten und Kunden in 36 Ländern, ein Leistungsspektrum von mehr als 5.000 verschiedene Tests in den Bereichen klinische Chemie, Genetik, Pathologie und bildgebende Verfahren” sehr breit aufgestellt. Trotzdem sei die Aktie aus seiner Sicht zurzeit recht hoch bewertet.

Am Montagvormittag steht die Synlab-Aktie rund sechs Prozent im Plus. Ein Anteilsschein kostet aktuell 21,00 Euro (Stand: 03.05.2021, 10:29 Uhr):

Heute wurde zudem bekannt, dass Synlab einen neuen PCR-Test für Unternehmen anbietet. Mittels der Pooling-Methode könnten bis zu sieben Mitarbeiter gleichzeitig per PCR-Test sicher auf das Coronavirus getestet werden, was erhebliche Kosteneinsparungen mit sich brächte. Zuerst berichtete darüber das Handelsblatt.

Autor: Ferdinand Hammer, wallstreet:online Zentralredaktion.

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