von Oskar Herbert

Düsseldorf, 20.08.2015: Es hat lange gedauert. Doch jetzt hat die Realität Einzug erhalten in die Staatsfinanzierung: Faktisch werden die Staatsschulden der Griechen verewigt - durch Verlängerung der Laufzeiten. Das Modell ist als Muster für andere, selbst für deutsche Staatsschulden zu betrachten. Die Industrie gibt schon lange sog. ewige Anleihen aus. Und das ist sogar gut so.


1,8% für immer mit Bundesanleihe

Für die längste Bundesanleihe werden momentan fast 132 % von jeweils 1.000 Euro Nennwert aufgerufen. Diese Anleihe zahlt bis zum vorgesehenen Ende am 15.8.2046 jährlich 2,5 % auf den Nennwert. Die laufende Rendite errechnet sich damit auf 1,8 %; ohne Kursveränderungen. In 31 Jahren müssen entweder die Steuerzahler 11 Mrd. Euro für eine echte Rückzahlung der Nennwerte aufbringen oder der dann regierende Finanzminister - möglicherweise mit dem Geburtsjahr 2000 - wird eine neue Anleihe auflegen lassen. Dafür muss er dann Sparer in aller Welt ersuchen, die Nennwerte dieser Anleihe zu zeichnen. Das kann gut gehen, so wie es in den jüngsten 50 Jahren gut gegangen ist.


Keim der griechischen Krankheit

Realisten wissen aber, dass der Keim der griechischen Krankheit längst auch in den deutschen Finanzen steckt: Wenn dieser Keim ausbricht, wird es immer schwieriger Sparer in aller Welt zu finden, die Nennwerte deutscher Anleihen zeichnen wollen. Spätestens dann - besser noch früher - machen es die Deutschen, die Franzosen, Spanier, Italiener, die Amerikaner und erst recht die Japaner so wie es jetzt mit den Griechen gemacht wird: Sie verewigen ihre Staatsanleihen. Die Engländer haben das schon vor mehr als 200 Jahren erstmals gemacht. Alles andere ist Augenwischerei.


Englisches Muster

Faktisch werden Staatsanleihen nie zurückgezahlt. Konsequenterweise lässt man sie von vornherein ewig laufen. Die Zinsen sind momentan so niedrig, dass es die Verewigung gar nicht teuer wird. Am 4.1.2016 wird die nächste Bundesanleihe fällig; 23 Mrd. Euro aufgenommen im Jahr 2005. Diese Anleihe wäre nach dem Ewigkeitsmodell zu ersetzen durch eine Anleihe ohne Rückzahlungstermin. Diese Anleihe würde in der Folge immer dann erhöht, wenn weitere fällige Anleihen ersetzt werden müssen. Am Ende, im Jahr 2046, gibt es nur noch eine Bundesanleihe. Wer als Anleger aus dieser Anleihe sein Geld zurück haben will, der sucht sich an der Börse einen Käufer für seine Nennwerte. Sofern das nur zu niedrigerem Kurs als zum Nennwert möglich sein sollte, dann ist dies der allgemein sichtbare Ausdruck der Finanzverfassung des Landes. Das kann dann sogar heilsame Wirkung haben.

Das könnte Sie auch interessieren:

2,5 Prozent für immer mit Henkel-Anleihe
Auf ewig 5 Prozent von der Lufthansa


Alle News zu Anleihen finden Sie auf www.boersennews.de/markt/anleihen

Haftungsausschluss/Disclaimer

Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.