FRANKFURT (dpa-AFX) - Immobilien-Fachleute halten das Wohnbauziel der Ampel-Koalition trotz der Zuwanderung Hunderttausender Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine für ausreichend. Die Marke von 400 000 neuen Wohnungen im Jahr sei dadurch nicht überholt, sagt Michael Vogtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Der Neubau in Deutschland sei stark. "310 000 neue Wohnungen pro Jahr reichen, um den Bedarf zu decken." In 45 Prozent der Kreise hierzulande werde zu viel gebaut, sagt der Experte, häufig auf dem Land.

Das Bauziel der Bundesregierung gilt als sehr ambitioniert, erst Recht angesichts von Lieferengpässen und explodierter Preise für Baustoffe und Energie. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) hält trotz der Folgen des Ukraine-Kriegs daran fest. Im Jahr 2020 waren gut 306 000 Wohnungen in Deutschland fertig gestellt worden.

Das Forschungsinstitut Empirica erwartet nach einer Studie von März mit verschiedenen Szenarien zwischen 310 000 und 1,29 Millionen Flüchtlingen aus der Ukraine. Das entspreche einem Bedarf von 120 000 bis 500 000 Wohnungen. Da aber bundesweit Hunderttausende Wohnungen leer stehen und sehr schnell bezogen werden können, müsste weniger als die Hälfte der Extra-Wohnungsnachfrage durch Neubau gedeckt werden. Netto seien einmalig 50 000 bis 230 000 Wohnungen nötig. Studienautor Harald Simons hält die Unterbringung der Flüchtlinge für handhabbar. Das Wohnbauziel der Koalition sei ausreichend.

Die Unionsfraktion im Bundestag glaubt, dass die Bundesregierung ihr Bauziel wegen des Kriegs erhöhen muss, wie ihr baupolitischer Sprecher, Jan-Marco Luczak, jüngst sagte. Auch manche Immobilienverbände halten das Ziel schon jetzt für hinfällig./als/DP/zb