FRANKFURT (dpa-AFX) - Angesichts der Corona-Pandemie zieht die Kreditnachfrage der Unternehmen in der Eurozone stark an. Unter dem Strich sei sie im zweiten Quartal so hoch gewesen wie mindestens seit dem Jahr 2003 nicht mehr, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag in Frankfurt mit. Seit diesem Jahr führt die Notenbank ihre Quartalsumfrage zu den Kreditbedingungen (Bank Lending Survey) durch. Die hohe Kreditnachfrage spiegele den hohen Liquiditätsbedarf und möglicherweise den Aufbau von Puffern aus Vorsichtsgründen wider.

Die Nachfrage nach Immobilienkrediten verringerte sich im Gegensatz dazu scharf, teilte die EZB weiter mit. Die Nachfrage der privaten Haushalte nach Verbraucherkrediten sei unter dem Strich sogar auf ein Rekordtief gefallen. Negativ hätten sich eine trübe Verbraucherstimmung, die ungünstigeren Bedingungen auf dem Immobilienmarkt und die geringere Ausgabenbereitschaft bemerkbar gemacht.

Unterdessen haben die Banken ihre internen Vergaberichtlinien für Haus- und Verbraucherkredite weiter verschärft, während sie für Unternehmenskredite weitgehend stabil blieben. In letzterem Fall hätten staatliche Kreditgarantien eine große Rolle gespielt. Da in einigen großen Ländern derartige Garantien bald endeten, erwarteten die Banken eine deutliche Verschärfung ihrer Richtlinien im dritten Quartal. Die Ungewissheit über die Auswirkungen der Corona-Pandemie sei hoch./bgf/jkr/jha/