Die EZB forciert die Entwicklung des digitalen Euros. Noch müssen sich EU-Bürger gedulden. Die zweijährige Untersuchungsphase soll im Herbst beginnen. Die Einführung könnte das Risikocluster für Krypto-Anlagen erhöhen.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) will ab Oktober 2021 prüfen, wie ein digitaler Euro – als Ergänzung zum Bargeld – gestaltet und an Händler und Privatpersonen verteilt werden könnte. „Unsere Arbeit soll sicherstellen, dass Privatpersonen und Unternehmen im digitalen Zeitalter weiterhin Zugang zu der sichersten Form von Geld, dem Zentralbankgeld, haben“, sagte EZB-Chefin Christine Lagarde am Mittwoch.

Das heißt jedoch nicht, dass die EZB zwangsläufig einen digitalen Euro einführt. Sie wolle in den 24 Monaten erstmal untersuchen, welche Auswirkungen er auf den Markt hätte und welche Änderungen gegebenenfalls an den europäischen Rechtsvorschriften erforderlich wären. Sobald die Eckpunkte geklärt sind, werde die EZB über eine Einführung entscheiden. Mit einer möglichen Umsetzung wird demzufolge nicht vor Ende 2023 begonnen.

In den Überlegungen der EZB würde sich der digitale Euro dort anbieten, wo Menschen nicht mehr mit Bargeld bezahlen. Außerdem würde er verhindern, dass die EU von digitalen Zahlungsmitteln abhängig wird, die in Ländern außerhalb des Euroraums ausgegeben und von dort aus kontrolliert werden. Denn dies könnte die finanzielle Stabilität und die geldpolitische Souveränität untergraben. Zurzeit soll auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Vor- und Nachteile von digitalen Währungen und Zahlungssystemen abwägen.

Bei allen offenen Fragen steht eines schon fest: Ein digitaler Euro würde nicht zu den Krypto-Assets zählen und sei sogar besser, wie die EZB erklärt. Denn hinter ihm stehe eine Zentralbank, die die Risikofreiheit, Privatsphäre wie auch den Datenschutz wahre. Darüber hinaus würde das Risikocluster für Krypto-Anlagen zunehmen, schreibt Folker Hellmeyer, Chefanalyst bei Solvecon Invest, im heutigen Forex-Report.

Dass sich die EZB so explizit von Krypto-Assets distanziert, wundert Hellmeyer nicht: „Krypto-Anlagen, die auch als Krypto-Währungen tituliert werden, stellen die Wirkmechanismen der Zentralbanken in Zins- und Geldpolitik in Teilen in Frage. Das gilt vor allen Dingen in Krisenszenarien. Die Aktionen seitens Chinas gegen Krypto-Anlagen und deren Nutzung als Transaktionsmittel verdeutlichen die Risiken für das Wertpotential der Krypto-Anlagen.“

Seines Erachtens sei das Bestreben der westlichen Zentralbanken, eigene Digitalwährungen zu etablieren, ein Ausdruck dessen, dass privaten Krypto-Anlagen perspektivisch keine monetären Funktionen zugestanden werden. Dabei verweist Hellmeyer auf die Worte von Fed-Chef Jerome Powell, der in einer Kongressanhörung am Mittwoch sagte, dass es keine Kryptowährungen bräuchte, wenn man eine digitale US-Währung hätte.

Autor: Nicolas Ebert, wallstreet:online Zentralredaktion

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