Der Landesdatenschutzbeauftragte in Hamburg, Johannes Caspar, will dafür sorgen, dass die Muttergesellschaft Facebook  personenbezogener Daten des Chat-Dienstes WhatsApp nach einer Änderung der Nutzungsbedingungen nicht verwendet darf. Die Facebook-Aktie notiert seither im Minus. 

Facebook soll keine personenbezogenen Daten aus WhatsApp mehr verwenden dürfen

Der deutsche Jurist und Honorarprofessor warnt ausdrücklich vor den am Samstag in Kraft tretenden neuen WhatsApp-Regeln. Durch diese soll es möglich werden, mithilfe der Daten Produkte von Facebook-Unternehmen miteinander zu verbinden. Casper kann eine Anordnung stellen, die für drei Monate wirksam ist. Ein längerer Zeitraum ist für ihn nicht möglich, da für Facebook in Europa die Datenschutzbehörde in Irland zuständig ist. Welchen Sinn hat diese Anordnung dann überhaupt? Casper will die Zeitspanne nutzen, um den Europäischen Datenschutzausschuss (EDSA) einzuschalten. Dieser soll dann nach Angaben des Professors eine Entscheidung auf europäischer Ebene herbeiführen. 

Reaktion von WhatsApp auf die Anordnung 

WhatsApp selbst hat bereits auf das Vorhaben reagiert. In einer ersten Antwort schreibt der  Instant-Messaging-Dienst, dass die Anordnung „auf einem grundlegenden Missverständnis von Ziel und Folgen des Updates“ basiere. Der Service bestätigt, dass es darum geht, bessere Möglichkeiten für die Kommunikation mit dem Unternehmen zu schaffen und die Datennutzung transparenter zu gestalten. WhatsApp hat zuvor betont, dass die neuen Regeln keine Übertragung anderer Daten an Facebook vorsehen.

Ein Sprecher der App betonte: „Da die Behauptungen der Hamburger Datenschutzbehörde falsch sind, wird die Anordnung die Einführung des Updates nicht beeinflussen“. Bereits seit 2016 wurden einige WhatsApp-Benutzerdaten außerhalb der EU zu Werbezwecken oder zur Verbesserung von Produkten an Facebook gesendet. 

Konkrete Bedenken zur neuen WhatsApp-Datenschutzerklärung

Allerdings gründen Caspers Bedenken daraus, dass in dem Update der Verweis wegfalle, dass Mitteilungen auf WhatsApp nicht für andere sichtbar auf der Social-Media-Plattform Facebook geteilt werden. Außerdem seien die neuen Regelungen zur Datenweitergabe auf verschiedene Bereiche der überarbeiteten Datenschutzerklärung verteilt.
Dies führe dazu, dass sie unklar seien und die europäische von der internationalen Version nur schwer unterschieden werden kann. Obendrein weise die Erklärung erhebliche Widersprüche auf: „Auch nach genauer Analyse lässt sich nicht erkennen, welche Konsequenzen die Zustimmung für die Nutzerinnen und Nutzer hat“, so der Hamburger Datenschützer. Als letzten Punkt nennt Casper das Problem, dass Zustimmung seitens der Nutzer nicht wirklich freiwillig ist, „da WhatsApp die Einwilligung in die neuen Bestimmungen als Bedingung für die Weiternutzung der Funktionalitäten des Dienstes einfordert“.

Facebook hat ein deutsches Büro in Hamburg. Daher kann Caspar in Irland aufgrund von „außergewöhnlichen Umständen“ vorübergehende Verfahren gegen Facebook einleiten, um die Rechte und Freiheiten der fast 60 Millionen deutschen Nutzer zu wahren.

Facebook-Aktie in Rot 

Im Xetra-Handel verliert die Facebook-Aktie am Dienstagnachmittag daraufhin 1,92 Prozent und notiert bei 247,55 Euro. An der Nasdaq ist der Titel gegenwärtig 305,97 US-Dollar wert, nachdem er zuletzt 4,11 Prozent verloren hat.

/sf