Seoul (dpa) - Die Familie des verstorbenen Ex-Chefs des Samsung-Konzerns und reichsten Mannes Südkoreas, Lee Kun Hee, hat die Zahlung einer Erbschaftsteuer von mehr als zwölf Billionen Won (8,9 Milliarden Euro) angekündigt.

Die Steuerzahlung sei eine der größten, die in Südkorea oder weltweit jemals geleistet worden sei. «Sie entspricht dem Drei- bis Vierfachen der Gesamteinnahmen der Regierung durch Nachlasssteuern im vergangenen Jahr», teilte die Familie am Mittwoch mit.

Die Zahlung soll demnach in sechs Raten in einem Zeitraum von fünf Jahren erfolgen. Separat davon wollen die Hinterbliebenen eine Billion Won für das Gesundheitswesen einschließlich der Impfmittel-Forschung sowie mehr als 20.000 Kunstwerke und Antiquitäten aus Lee Kun Hees Sammlung spenden.

Lee war im vergangenen Oktober im Alter von 78 Jahren gestorben. Er hinterließ seine Frau, zwei Töchter und einen Sohn. Trotz jahrelanger Bettlägerigkeit war er zuletzt noch Vorsitzender des Smartphone-Marktführers Samsung Electronics. Der Wert seines Nachlasses wird auf etwa 25 Billionen Won geschätzt - dazu gehören auch Anteile an verschiedenen Konzerntöchtern.

Die Familie machte zunächst keine Angaben dazu, wie die Anteile unter den Erben aufgeteilt oder ob sie zur Begleichung der Steuerschuld verkauft werden sollen. Der Steuerbetrag stelle mehr als die Hälfte des Werts des Gesamtbesitzes Lees dar, darunter die Beteiligungen an Samsung Electronics, dem Versicherer Samsung Life und dem Bau- und Handelsunternehmen Samsung C&T sowie Immobilien, hieß es in der Mitteilung der Familie. Die Veräußerung von Anteilen könnte sich nach Ansicht von Marktanalysten auf die Konzernstruktur auswirken.

Lee Kun Hee ist der Sohn von Samsung-Gründer Lee Byung Chull. Er übernahm 1987 den Firmenvorstand und machte Samsung zum weltweit führenden Konzern für Smartphones und zum größten südkoreanischen Konglomerat. Nach erneuten Schmiergeldermittlungen gegen Samsung sah sich Lee im Jahr 2008 gezwungen, als Konzernchef zurückzutreten. Sein Sohn Lee Jae Yong gilt mittlerweile als De-facto-Chef des Imperiums. Er sitzt jedoch seit seiner Verurteilung im Januar dieses Jahres zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Korruption im Gefängnis.

Mit den geplanten Spenden, die keiner Steuer unterliegen, will die Familie unter anderem eine Spezialklinik für Infektionskrankheiten erbauen lassen. Mit einer Summe von 300 Milliarden Won (223,3 Millionen Euro) soll über zehn Jahre lang ein Teil der Behandlungskosten für Krebserkrankungen oder seltenen Krankheiten bei Kindern übernommen werden.

Zur Kunstsammlung Lees gehören den Angaben zufolge 23.000 Antiquitäten, Malereien westlicher Künstler wie Pablo Picasso und Marc Chagall sowie Werke koreanischer Künstler. Sämtliche Werke sollen dem Nationalmuseum für Moderne und Zeitgenössische Kunst übergeben werden.

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