Sie werden oft übersehen, bieten aber interessante Perspektiven: Familienunternehmen überzeugen durch ganz bestimmte Eigenschaften, die sich auch gut im Depot machen.

Beim Stichwort Familienunternehmen ist man geneigt, an die kleine Bäckerei um die Ecke oder einen sonstigen alteingesessenen Handwerksbetrieb zu denken. Das ist im Prinzip nicht falsch, doch hinter der Kategorisierung schlummern auch sehr erfolgreiche, international vernetzte und an der Börse notierte Konzerne. Oft werden diese über das Label Small- und Mid-Caps erfasst, doch damit wird man diesem besonderen Unternehmenstyp nicht ganz gerecht.

Was zeichnet Familienunternehmen aus?

Hinter einem Familienunternehmen steht immer eine Gründerfamilie. Oft führt diese auch die Geschäfte und gab dem Unternehmen ihren Namen. Beispiele aus der deutschen Wirtschaftsgeschichte wären Henkel oder auch Fielmann. Blickt man in die jeweiligen Historien, reichen die Anfänge oft weit zurück.

Um bei den Beispielen zu bleiben: Der Konsumgüterriese Henkel wurde 1876 in Aachen von Friedrich Karl Henkel gegründet. Die Augenoptikerkette Fielmann startete 1972 in Cuxhaven unter der Führung von Günther Fielmann. Dieser zog sich 2019 aus dem Vorstand zurück und übergab seinem Sohn Marc Fielmann die Geschäfte.

Dass ein Unternehmen von Generation zu Generation in Familienhand bleibt, muss aber nicht immer der Fall sein. Oft ändert sich die Eigentümerstruktur im Lauf der Jahre. Typisch für Familienunternehmen ist aber, dass die Inhaberfamilie die Mehrheiten behält – oder, im Fall von börsennotierten Unternehmen, dass die Eigentümerfamilie mindestens 25 Prozent der Stimmrechte hält oder über den Vorstand die Geschäftsausrichtung maßgeblich mitbestimmt.

Das Geheimnis des Erfolgs

Was Familienunternehmen für Anleger interessant macht, ist ihr wirtschaftlicher Erfolg. Wie die Stiftung Familienunternehmen zusammen mit einem internationalen Forscherteam Ende Juli dieses Jahres in einer Studie gezeigt hat, wirtschaften Familienunternehmen in Europa langfristiger und erfolgreicher als Nicht-Familienunternehmen. Die Performance, so die Ergebnisse, war sogar umso besser, je größer der Einfluss der Gründerfamilie ist. Für den Untersuchungseitraum konnten ein höheres Beschäftigungswachstum, eine vergleichsweise höhere Wertschöpfung pro Kopf und eine höhere Profitabilität als bei Nicht-Familienunternehmen nachgewiesen werden.

"Bei der Gesamtrendite (Aktienrendite plus Dividendenrendite) schneiden Familienunternehmen im Durchschnitt mit 7,0 Prozent deutlich besser ab als die Nicht-Familienunternehmen mit 5,6 Prozent", teilt die Stiftung Familienunternehmen mit. Deren Vorstand, Professor Rainer Kirchdörfer, erklärt:

Familienunternehmen wirtschaften auf lange Sicht und mit Substanz. Sie denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Damit sind sie ein Gegenentwurf zu großen Konzernen in Streubesitz, denen es häufig vor allem darum geht, den kurzfristigen Erwartungen von Investoren gerecht zu werden.

Dr. Simone Bagel-Trah, Vorsitzende des Aufsichtsrats und des Gesellschafterausschusses von Henkel, beschreibt weitere Erfolgsfaktoren:

Ein wesentlicher Treiber wirtschaftlichen Erfolges ist Unternehmergeist, der gerade in Familienunternehmen oft tief verankert ist. Börsennotierte Familienkonzerne können dabei das Beste aus zwei Welten verbinden: eine erhöhte Transparenz und Vergleichbarkeit mit Wettbewerbern kombiniert mit einer langfristigen Perspektive und einer familiengeprägten Unternehmenskultur. Eine Familie als Ankeraktionär hat ein besonderes Interesse daran, dass das Unternehmen langfristig erfolgreich ist und wettbewerbsfähig bleibt.

Familienunternehmen an der Börse

Laut der Studie sind Familienunternehmen mit einem Anteil von 32 Prozent eine wesentliche Größe am Kapitalmarkt. In Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien und Portugal beträgt der Anteil demnach sogar mehr als 40 Prozent der Unternehmen.

Eine Benchmark für diese Unternehmenslandschaft in Deutschland ist der DAX-Ableger DAXplus Family 30 mit insgesamt 30 mittelständisch geprägten Familienunternehmen. In der Liste finden sich Namen wie Sartorius, Fresenius, Bechtle, Sixt, Henkel oder zum Beispiel Nemetschek.

Wer sich also Beständigkeit und Unternehmen mit Tradition im Depot wünscht, könnte in der Kategorie Familienunternehmen fündig werden. Wir schauen auf drei Beispiele.

Dürr AG: Maschinenbau made im Schwabenland

Die 1896 von Paul Dürr gegründete Dürr AG wird vom schwäbischen Bietigheim-Bissingen aus verwaltet. Der Maschinen- und Anlagenbauer beliefert zum Beispiel Automobilhersteller. Auch wenn die Aktie eine längere Durstrecke hinter sich hat, der Titel ist günstig bewertet und die wirtschaftlichen Aussichten des MDAX-Konzerns sehen gut aus. So wurde laut Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr 2022 die Prognose für den Auftragseingang im Jahr 2022 deutlich angehoben. Der Umsatz verbesserte sich demnach im ersten Halbjahr ebenfalls signifikant auf 1.954,6 Millionen Euro (+19,7 Prozent).

"Das EBIT vor Sondereffekten stieg im ersten Halbjahr um 7,8 Prozent auf 85,0 Millionen Euro, obwohl es von hohen Materialkosten, Einbußen infolge der Lockdowns in China und Aufwendungen für das Optimierungsprogramm OneDürrGroup belastet wurde", schreibt der Konzern. Weiter heißt es:

Der Dürr-Konzern ist mit einem Rekordauftragsbestand von 4.105,1 Millionen Euro in das zweite Halbjahr gestartet. Infolgedessen ist damit zu rechnen, dass sich der Umsatz im zweiten Halbjahr weiter beschleunigt und der Konzern das Jahresziel von 3.900 bis 4.200 Millionen Euro erreicht.

Nemetschek: Software-Schmiede mit Tradition

Die Nemetschek AG wurde 1963 als Ingenieurbüro gegründet und hat sich schon früh auf Software für die Bauindustrie, Architekten und Ingenieure spezialisiert. Laut aktuellen Zahlen zum zweiten Quartal 2022 stieg der Konzernumsatz um 22,9 Prozent auf 203,8 Millionen Euro. In den ersten sechs Monaten 2022 erhöhten sich die Konzernerlöse auf 396,1 Millionen Euro, ein Wachstum zum gleichen Vorjahreszeitraum von 22,1 Prozent (währungsbereinigt: 16,9 Prozent).

"Aufgrund der starken Geschäftsentwicklung in den ersten beiden Quartalen sowie dem hohen Anteil wiederkehrender Umsätze bestätigt der Vorstand die bisherigen Ziele für das laufende Jahr 2022 und erwartet auf Basis konstanter Wechselkurse ein Umsatzwachstum im Konzern in einer Bandbreite von zwölf Prozent bis 14 Prozent sowie eine EBITDA-Marge zwischen 32 Prozent und 33 Prozent", wie aus der Quartalsmitteilung hervorgeht.

Sartorius: Labortechnik seit 1870

Ebenfalls auf Wachstumskurs befindet sich der 1870 gegründete Labortechnologie-Spezialist Sartorius. Die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2022 weisen einen wechselkursbereinigten Umsatz von plus 20,9 Prozent und ein operatives EBITDA von plus 25,6 Prozent aus.

"Die Unternehmensleitung bestätigt ihren Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2022. Der Konzernumsatz soll sich demnach um etwa 15 Prozent bis 19 Prozent erhöhen, mit einem darin enthaltenen nichtorganischen Wachstumsbeitrag aus Akquisitionen von etwa 2 Prozentpunkten. Auf der Ertragsseite rechnet Sartorius weiter mit einer operativen EBITDA-Marge von etwa 34 Prozent", teilt der in Göttingen ansässige Konzern mit.

Fazit: In einem diversifizierten Depot können Familienunternehmen interessante Ergänzungen darstellen. Untersuchungen zeigen, dass familiengeführte Konzerne langfristig wirtschaftlich erfolgreich sind. Gerade Anleger, die sich über Aktien auch ein Stück Wirtschaftsgeschichte ins Depot holen möchten, werden in dieser Kategorie fündig. Über Smartbroker kaufen Sie die Titel besonders günstig – über gettex schon ab 0 Euro zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen (ab 500 Euro Ordervolumen pro Trade).

Autorin: KS, Redaktion smartbroker.de

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