Als hätten sie sich abgesprochen: Sowohl bei RWE als auch bei E.On übergeben in den kommenden Wochen langjährige Unternehmenslenker den Führungsstab an den jeweiligen Nachfolger (s. a. „Unsere Meinung“ auf S. 1). Gut, Uniper tanzt ein wenig aus der Reihe: CEO Andreas Schierenbeck ist erst seit 2019 im Amt, und ob er es noch lange bleibt, entscheidet der finnische Mehrheitsaktionär Fortum. Gemeinsam ist allen drei Versorgern: Wir haben unsere Einschätzungen überarbeitet und kommen zu einem Favoritenwechsel.

Die Krone der Branche tragen wir etwa 3,5 Kilometer von der Huyssenallee (wo RWE residiert) an den Brüsseler Platz in Essen. Dort sitzt unser neuer Branchenprimus E.On. CEO Johannes Teyssen hat den schwierigen Umbau des britischen Geschäfts schneller vorangetrieben als von uns erwartet. Sein Nachfolger Leonhard Birnbaum, der zum 1.4. übernimmt, muss nur noch ein paar Scherben zusammenkehren: Die Eigenkapitalquote durch künftig einzubehaltende Gewinne wieder verbessern und den Verschuldungsgrad vom 5,9-fachen EBITDA auf ein verträglicheres Maß des 4,8- bis 5,2-Fachen reduzieren. Letzteres soll schon 2021 gelingen.

Die im vergangenen Sommer gesenkten 2020er-Ziele wurden am Ende knapp erreicht. Für 2021 und danach kalkuliert CFO Marc Spieker mit solide steigenden Gewinnen aus dem Netzgeschäft, wobei ihm die zunehmende Digitalisierung in die Karten spielt. Die DAX-Aktie (9,58 Euro; DE000ENAG999) hat mit einem attraktiven KGV von 14 und einer schönen Dividendenrendite von 4,9% jetzt gute Chancen, das Niveau von 10,00 Euro dauerhaft zu knacken.

E.On steht ganz oben auf unserer Kaufliste. Stopp: 7,60 Euro.

RWE und Uniper überzeugen nicht ganz

Das Geschäft von RWE mit Erneuerbarer Energie erschien uns in der Vergangenheit immer chancenreicher als der solide, aber langweile Netzbetrieb des Essener Nachbarn. Doch der Jahresbeginn 2021 zeigt, dass das RWE-Modell auch Tücken hat: Weil die Kältewelle in den USA die Stromerzeugung behinderte, musste sich CEO Rolf M. Schmitz für auf Termin verkaufte Strommengen teuer am Markt eindecken und machte damit geschätzt rd. 400 Mio. Euro Verlust. Für 2021 kalkuliert sein Nachfolger Markus Krebber daher mit einem ber. EBIT- und Nettoergebnis, das im schlechtesten Fall gut ein Drittel unter den sehr starken 2020er-Zahlen liegt.

Die niedrigeren Gewinnerwartungen sorgen dafür, dass uns die Aktie (32,73 Euro; DE0007037129) mit einem 2021er-KGV von 22 recht teuer erscheint und zudem nur eine im Vergleich magere Dividendenrendite von 2,6% abwirft.

Wir stufen RWE auf Halten ab. Der Stopp verbleibt bei 27,50 Euro.

Die Bewertung von Uniper gefällt uns mit einem KGV von 18 und einer Dividendenrendite von 4,4% etwas besser, bleibt aber hinter der von E.On zurück. Für eine Kaufempfehlung reicht es nicht, denn weiter ist unklar, wer von wo aus künftig die Firmenpolitik macht. Bis Jahresende verzichtet Fortum, mit 75% Mehrheitsaktionär der Düsseldorfer, noch auf einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Was dann kommt, ist offen. Unsicherheit mag die MDAX-Aktie (31,80 Euro; DE000UNSE018) aber ebenso wenig wie die etwas schlechter erwarteten 2021er-Ergebnisse.

Die Entscheidung ist knapp, aber vorerst warten wir bei Uniper noch ab!

Quelle: Platow.de