10, 50 oder über 100 Werte – wie viele Positionen im Depot sind im Hinblick auf die Risikostreuung sinnvoll und was ist einfach zu viel? Wir beleuchten den oft gehörten Ratschlag der Diversifikation. 

Seien wir ehrlich: So ziemlich jeder, der ein Depot hat, hat schon vom Grundsatz der Diversifikation gehört. Man soll sein Anlagekapital möglichst breit auf verschiedene Assetklassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Immobilien etc.), unterschiedliche Anlageregionen, Branchen und sogar Währungen verteilen. "Nicht alle Eier in einen Korb legen", formuliert es eine allgemeinbekannte Börsenweisheit. Denn, so die Idee dahinter: Es ist unwahrscheinlich, dass alle derart gestreuten Einzelpositionen in gleichem Maße an Wert verlieren und man kann sein Verlustrisiko im Portfolio somit reduzieren. 

Doch ganz praktisch gefragt: Wie viele Einzelwerte sollen es denn dann konkret sein? Zehn Titel? Oder gar 100 Positionen, verteilt auf verschiedene Unterdepots? Hier scheiden sich tatsächlich die Geister.  

Zunächst hängt die mögliche Diversifikation vom zur Verfügung stehenden Anlagekapital ab. Wer nur 3.000 Euro anlegen kann oder möchte, sollte nicht zu sehr in die Breite gehen, ansonsten sind die Einzelpositionen zu klein bzw. je nach Broker fressen die Tradingkosten die potenziellen Gewinne auf. Daher könnte man bei sehr übersichtlichem Anlagekapital  eher auf bereits in sich gestreute ETFs und Fonds setzen, möglicherweise in Form von Sparplänen. Wer andererseits mehr Geld für Investitionen übrig hat, kann auch in etwas größeren Dimensionen denken und sich ergänzend eine Auswahl an Einzelaktien ins Depot legen. Das Problem der Tradingkosten lässt sich über die Wahl eines kostengünstigen Brokers lösen. Bei Smartbroker zum Beispiel handelt man über gettex schon ab null Euro (ab 500 Euro pro Trade) zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen.  

Doch auch wer 100.000 Euro zur Verfügung hat: Ein Depot mit zu vielen Positionen ist ebenfalls nicht unbedingt empfehlenswert. Sagen wir, das Portfolio umfasst etwa 100 Einzelwerte wie Aktien, Fonds, ETFs und Zertifikate. Das bedeutet in der Praxis, dass man sich aktiv um 100 Titel kümmern muss, etwa unter den Fragestellungen: Wie war die Performance, wie hoch der Verlust, wie sind die weiteren Aussichten, will ich Gewinne mitnehmen oder die Position aufstocken? All dies macht tatsächlich Arbeit. Diesen Research- und Analyseaufwand muss man bereit sein, zu leisten. Und noch ein Problem: Wer eine sehr große Anzahl an Positionen im Depot hält, läuft Gefahr, seine Gewinne zu verwässern. Das heißt: Die Kursgewinne einzelner Assets können durch die Verluste anderer Positionen in Summe gemindert werden.  

Wie viele Positionen sind sinnvoll? 

Ein Depot sollte also unterm Strich nur so viele Positionen umfassen, wie man auch praktisch managen kann und wie es aus Gewinn-Verlust-Überlegungen heraus sinnvoll sein könnte. Viele Empfehlungen gehen hier von rund 20 Depotpositionen aus. Diese Anzahl ermöglicht ein angemessenes "Management" und man verzettelt sich weder beim Aufwand noch beim Gewinnpotenzial. Wie man sein Anlagekapital dann konkret aufteilt, hängt vom persönlichen Anlagetyp und von der individuellen Risikoneigung ab. Als Faustregel gilt: Wer mit einem langen Anlagehorizont plant – also zum Beispiel schon in jungen Jahren mit dem Investieren beginnt – kann etwas mehr ins Risiko gehen, weil sich potenzielle Verlustphasen über den Zeitverlauf ausgleichen können. Will man regelmäßig etwas für seine Vorsorge tun, kann man sich Sparpläne einrichten. So lässt sich mit überschaubaren Sparraten Stück für Stück Vermögen aufbauen.  

Häufen sich bei Ihnen bestimmte Werte? 

Um angemessen zu diversifizieren kann man sein Depot einmal ganz neutral betrachten: Hat man eventuell unbewusst einen Überhang an Tech-Werten, weil man hier großes Potenzial sieht oder während einer Rallye der Masse hinterhergelaufen ist? Oder häufen sich US-Titel, weil man immer wieder nachgekauft hat? Oder hat man einen Home Bias erzeugt, indem man den eigenen Heimatmarkt zu stark gewichtet und somit potenzielle Renditechancen in anderen Märkten verschenkt? Oft wird man mit der Zeit etwas betriebsblind. Ein gründlicher Depotcheck etwa einmal im Jahr kann solche Entwicklungen aufdecken und man hat die Chance, seine Investments zu ordnen oder zu korrigieren.  

Die Sache mit der Korrelation 

Wer sein Risiko streuen möchte, sollte sich auch mit möglichen Korrelationen vertraut machen. "Korrelation" bedeutet so viel wie "Zusammenhang" oder "wechselseitige Beziehung".  

Eine positive Korrelation heißt, dass sich Anlagewerte mehr oder weniger im Gleichklang bewegen, also zum Beispiel Aktien tendenziell in gleichem Maße steigen (oder fallen). Dies kann bei Aktien oder zum Beispiel ETFs aus derselben Anlageregion passieren. Auch dieselbe Branche kann eine solche Korrelation bewirken. Gibt es zum Beispiel politische Entscheidungen, die sich auf die Unternehmensgewinne auswirken oder rutscht ein Land in eine Rezession, sieht es insgesamt eher schlecht für die Werte dieser Branche oder dieser Region aus. Nachlassende Wirtschaftskraft, Inflation, Zinsniveau, politische Verwerfungen – solche Einflussfaktoren können eine Anlageregion oder auch bestimmte Branchen hart treffen und daher sollte man nicht alles auf eine Karte setzen. 

Es gibt aber auch noch sogenannte negative Korrelationen. Hier ist der Zusammenhang nicht wie eben umschrieben "Je mehr bei A, desto mehr bei B" definiert, sondern lautet "Je mehr bei A, desto weniger bei B". Ein Beispiel könnte sein: Hohe Energiekosten lassen die potenziellen Gewinnerwartungen von Energie- und Mineralölkonzernen steigen, da diese daran mitverdienen können. Bei Unternehmen mit energieintensiven Produkten oder Dienstleistungen wie etwa der Chemieindustrie dagegen könnten hohe Energiekosten die Bilanzen belasten, die Gewinnerwartungen drücken und somit die Aktienkurse negativ beeinflussen.    

Fazit: Bei der Zusammenstellung eines Depots sollte man je nach individuellen Anlagezielen verschiedene Assetklassen berücksichtigen. Also: Nicht nur Aktien oder ETFs kaufen, sondern eventuelle auch Rohstoffe und Edelmetalle beimischen. Zudem sollte man sich mögliche Korrelationen überlegen: Wie stark bewegen sich die einzelnen Werte im Gleichklang oder aber entgegengesetzt? Und schließlich: Es bringt nichts, möglichst viele Einzelpositionen anzuhäufen – hier verliert man schnell den Überblick und verwässert gegebenenfalls seine Rendite. Lieber durchdacht vorgehen und seine Investitionsentscheidungen immer wieder kritisch hinterfragen. 

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Autorin: KS für die wallstreet:online Zentralredaktion


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