BERLIN (dpa-AFX) - Die FDP hat nach Einschätzung von Forsa-Chef Manfred Güllner zuletzt viele potenzielle Wähler eingesammelt, die traditionell Sympathien für die CDU hegen. "Die FDP hat derzeit wieder viele "Treibsand-Wähler" angezogen. 40 Prozent der aktuellen Anhängerschaft der Partei kommen von der CDU", sagte der Gründer des Meinungsforschungsinstituts der Deutschen Presse-Agentur. Das seien vor allem Menschen, die Vorbehalte gegen den neuen CDU-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet, hätten.

"Laschet wirkt nach wie vor ein bisschen altbacken, und die Wähler sehen noch keinen klaren Kurs", sagte der Wahlforscher. Ob der nordrhein-westfälische Ministerpräsident bis zur Bundestagswahl am 26. September mehr Wähler als aktuell überzeugen könne, sei noch offen. "Mit CSU-Chef Markus Söder als Kanzlerkandidaten wäre die Union wohl sicher über die 30 Prozent gekommen. Jetzt ist das aber noch fraglich." Güllner sagte, womöglich würden einige frühere CDU-Wähler, die in Umfragen aktuell erklärten, sie wollten ihre Stimme der FDP geben, doch noch zur CDU zurückkehren, "weil sie eine Ampel-Koalition unter Führung der Grünen eben auch nicht wollen".

Die Ampel - also eine Koalition von Grünen, FDP und SPD - wäre aus Sicht des Meinungsforschers wohl die einzige mögliche Variante für Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock, um Kanzlerin zu werden. "Grün-Rot-Rot hat jetzt keine Mehrheit und dürfte die wohl auch nicht mehr erreichen." Den Rollenwechsel von der Opposition hin zur potenziellen Kanzlerin hat Baerbock laut Güllner noch nicht richtig vollzogen. Er bescheinigt ihr und der Grünen-Spitze insgesamt allerdings einen "modernen Politikstil".

Die Unionsparteien müssten, um Vertrauen zurückzugewinnen, die Personalquerelen der vergangenen Monate vergessen machen und Punkte durch eine erfolgreiche Anti-Corona-Politik sammeln. "2020 haben wir eine deutliche Zunahme der Werte für CDU und CSU beobachtet und auch ein hohes Vertrauen für (Bundeskanzlerin Angela) Merkel, (Bayerns Ministerpräsidenten Markus) Söder und (Gesundheitsminister Jens) Spahn", sagte Güllner. Viele Menschen hätten damals den Eindruck gehabt, "die haben das im Griff" mit der Pandemie-Bewältigung. Dies habe sich dann ab November geändert - "aus dem Corona-Bonus wurde ein Corona-Malus". Auch das lange Ringen um den CDU-Vorsitz und der Streit zwischen Söder und Laschet um die Kanzlerkandidatur hätten den Unionsparteien im Ansehen der Wähler geschadet./abc/DP/zb