BIARRITZ/HENDAYE (dpa-AFX) - Tausende Menschen haben am Wochenende weitgehend friedlich gegen den Gipfel der großen Industriestaaten (G7) in Biarritz demonstriert. Zu einer offiziellen Großdemonstration in Hendaye an der spanischen Grenze kamen am Samstag 15 000 Menschen, die Behörden sprachen von 9000 Teilnehmern. Der Protest verlief ohne Zwischenfälle. Vereinzelt kam es in den Orten Bayonne und Urrugne nahe Biarritz zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die Demo-Veranstalter setzten am Sonntag weitere Aktionen aus Sicherheitsbedenken zunächst aus.

"Wir können die Sicherheit der Demonstranten nicht mehr garantieren", sagte Aurélie Trouvé, Sprecherin des offiziellen "Gegengipfels", der von einem breiten Bündnis von Globalisierungsgegner organisiert wurde. Eigentlich war für Sonntag eine Aktionen zivilen Ungehorsams geplant, bei der mehrere öffentliche Plätze besetzt werden sollten.

Trouvé kritisierte, dass die Staats- und Regierungschefs der Top-Wirtschaftsmächte sich in Biarritz komplett abschirmten. Protest gegen den Gipfel war nur in Orten in der Nähe des mondänen Badeorts im Baskenlandes erlaubt, die teils weit voneinander entfernt waren. Mehr als 13 200 Einsatzkräfte sicherten den Gipfel. Gut sei hingegen gewesen, dass die Polizei bei der Großdemo in Hendaye nicht offensiv aufgetreten sei, so Trouvé.

Bei dem Protest in der Hafenstadt waren viele unterschiedliche Demonstranten - von Familien über baskische Aktivisten, Umweltorganisationen und "Gelbwesten". Die Bewegung demonstriert seit vergangenem Jahr gegen die Politik von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Dabei kam es immer wieder zu heftigen Ausschreitungen. Die Veranstalter der Großdemo in Hendaye legten Wert darauf, dass alles gewaltfrei verläuft.

Am Samstagabend gab es in Bayonne dann Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Einige hundert Demonstranten zogen bei einer unangemeldeten Demo durch die Stadt. An mehreren Brücken kam es dann zu Zusammenstöße mit den Sicherheitskräften. Demonstranten warfen Steine, die Polizei reagierte mit Tränengas und Wasserwerfen. Die gesamte historische Altstadt wurde abgeriegelt. Anwohner kamen über Stunden nicht nach Hause. Insgesamt gab es bei den Protesten Dutzende Festnahmen und einige Verletzte.

Am Sonntag protestierten mehrere Umweltaktivisten friedlich gegen die Umweltpolitik der G7-Staaten und von Macron. Sie versammelten sich mit aus Rathäusern gestohlenen Porträts von Macron in Bayonne. In französischen Rathäusern und Behördengebäuden hängen Fotos des französischen Präsidenten - Aktivisten hatten in den vergangenen Monaten Dutzende von ihnen gestohlen. Der Protest stand unter dem Motto Klima und soziale Gerechtigkeit. Die Klimaschutzbewegung ANV-COP21, die den Protest mitorganisiert hat, wollte auf die "desaströse Klimapolitik" von Macron aufmerksam machen./nau/DP/fba