Berlin (dpa) - Trotz der wieder steigenden Infektionszahlen und eines Produktionsdämpfers im September ist die Metall- und Elektrobranche in der Corona-Krise zuversichtlich. «Es macht auf uns den Eindruck, dass wir (...) das Corona-Thema schon in den Griff kriegen», sagte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander.

«Jetzt stellt sich mehr die Frage des Strukturwandels, was passiert da an Einschlägen für die Wirtschaft?» Voraussetzung für diese Entwicklung sei, dass es in Folge der Pandemie nicht erneut zu Verschärfungen und Einschränkungen für die Wirtschaft komme. Dass diese erneut runtergefahren werde, halte er aber für unwahrscheinlich, sagte Zander.

Vor allem die Automobilindustrie, die zu Beginn der Krise eingebrochen war, hat zuletzt deutlich zugelegt und konnte mit fast 370 000 produzierten Fahrzeugen im September nahezu an das Vorkrisenniveau anknüpfen. Das geht aus Daten hervor, die Gesamtmetall als Arbeitgeber-Dachverband der Metall- und Elektroindustrie am Freitag vorlegte.

Mit Blick auf die gesamte Branche sei zudem der Auftragseingang «ein wirklicher Hoffnungswert und positiv», sagte Zander. Die Branchen seien aber unterschiedlich betroffen. So sei die Lage vor allem im sonstigen Fahrzeugbau, unter den auch der Schiffs- und Flugzeugbau fällt, weiter angespannt.

Auch die Stimmung in den Betrieben bessert sich einer neuen Branchenumfrage des Verbands zufolge, die zwischen dem 28. September und dem 2. Oktober durchgeführt wurde. Die Zahl der Betriebe, die ihre Produktion aufgrund der Krise weiterhin erheblich einschränken muss, hat sich im Vergleich zur vorigen Umfrage vom Juni halbiert und lag demnach zuletzt bei knapp zehn Prozent.

Ziel sei, die Produktion wieder auf das Niveau des starken Jahres 2018 zu heben, betonte Zander. Denn danach hatte sich die wirtschaftliche Lage der Branche stark eingetrübt und war schon vor dem Ausbruch der Corona-Krise schlecht. Unsicherheiten wie der Brexit und der Handelsstreit zwischen den USA und China belasteten die exportstarke Metall- und Elektroindustrie schwer. Hinzu kam die generelle Eintrübung der Konjunktur.

Entsprechend rückläufig war die Zahl der Beschäftigten in der Branche, die im Juli dieses Jahres bei rund 3,9 Millionen lag. «Wir haben seit April 2019 136 000 verloren, und das wird sich natürlich noch mal verstärken», sagte Zander. Ein wesentlicher Grund dafür seien die Nicht-Nachbesetzung von Stellen sowie fehlende Investitionen in den Ausbau der Betriebe.

Wie sehr die Krise den Trend noch verschärfe, sei nicht absehbar. Aufgrund der Finanzkrise zwischen 2008 und 2010 hatte die Industrie rund 233 000 Beschäftigte verloren. Nicht auszuschließen, dass diese Zahl nun übertroffen werde. Entscheidend werde sein, wie stark jetzt der Strukturwandel komme.

Zander äußerte sich angesichts der anstehenden Tarifverhandlungen in der Branche auch zum Thema Arbeitszeiten: Eine Vier-Tage-Woche, wie zuletzt von der IG Metall gefordert, lehne er ab. Eine solche Maßnahme mache die Arbeit noch teurer, «und das ist das Letzte, was wir im Moment brauchen», sagte Zander.

Ende März hatten sich beide Seiten angesichts der Krise auf einen Tarif-Notabschluss geeinigt, womit der eigentlich zum 31. März gekündigte Entgelt-Tarifvertrag bis zum Jahresende 2020 ohne weitere Erhöhungen verlängert wurde. Nun soll es zu den Verhandlungen kommen.

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