Obwohl der US-Elektroautobauer Tesla erstmals mehr als eine Milliarde US-Dollar Gewinn in einem Quartal verzeichnet hat, liegt die Aktie im Vergleich zur Vorwoche drei Prozent im Minus. Hatten Anleger noch mehr erwartet?

Das Geschäft mit Abgaszertifikaten, das sonst die Bilanz aufbesserte, spielte dieses Mal eine untergeordnete Rolle. Vielmehr konnte Tesla seinen Absatz im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln. Der US-Konzern korrigierte seine Prognose, seine Auslieferungen 2021 gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent zu steigern, sogar nach oben. Der entscheidende Faktor bleiben laut CEO Elon Musk die Chiplieferungen. In den vergangenen Monaten sei es Tesla gelungen, fehlende Chips durch andere zu ersetzen und die Software anzupassen.

Negativ ins Gewicht gefallen sein dürfte hingegen, dass Tesla seine geplanten Semi-Trucks erst im Jahr 2022 ausliefern will – drei Jahre nach dem eigentlich festgelegten Produktionsstart. Gefundenes Fressen für alle Tesla-Kritiker, doch die Fans halten dagegen.

Das große Meinungsbild aus dem Tesla-Forum auf wallstreet:online:

walker333: „VW verkauft in Deutschland mehr Elektroautos als Tesla – Teslas Marktanteil stürzt immer weiter ab! Und das schafft schon die eine Marke (VW), jedoch hat der Volkswagen-Konzern noch viele andere Eisen im Feuer. Ein Grund für Teslas sinkenden Stern dürfte sein, dass sie fast nichts anbieten. Im Grunde genommen verkauft sich nur ein einziges Modell (Model 3, plus Aufbockversion Y). Tesla hat im vergangenen Monat einfach mal kein Model S in Deutschland verkauft! Mit anderen Worten: Tesla ist in der oberen Mittelklasse (Model S) eine Nullnummer.“

Magictrader: „Also in China läuft VWs ID.4 eher schlechter als erwartet und Tesla kann dort noch recht gut Fahrzeuge an den Mann/die Frau bringen. So schnell würde ich die US-Amerikaner nicht abschreiben. Immer global gucken: Die Autowelt besteht nicht nur aus Deutschland. Auch sehe ich immer mehr Model 3 auf unseren Straßen. Tesla findet schon seine Käufer, keiner bietet mehr Power zum selben Preis an. Service und Qualität sind aber bei den deutschen Herstellern besser. Die große Frage ist: Wird nicht auch Tesla unter dem Chipmangel leiden und die Ziele eventuell verfehlen?“

querdenker06: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Man muss schauen, ob es weiter in diese Richtung geht. Aber sehr positiv an den Q2-Zahlen mit nehmen ist folgendes: Diesmal keine Gewinne aus hoch riskanten Spekulationen (Bitcoin hat ja sogar leichte Verluste gebracht). Das ist gut, denn Tesla ist ein Autobauer und kein Hedgefonds. Die Gewinne aus ZEV-Kredits sind rückläufig (nur noch 350 Millionen, wenn ich mich richtig erinnere) und trotzdem steigert Tesla den Gewinn auf knapp über eine Milliarde US-Dollar. Die große Masse des Gewinns kommt aus dem operativen Geschäft – nicht durch Subventionen oder Spekulationen. Das nenne ich solide!“

worldtravelthomas: „Lassen wir mal den Aktienkurs und Fahrzeugsystemdaten (FSD) außen vor, hat sich Tesla als Autobauer gemausert: Die Margin ist sehr gut, das Wachstum ist gut, die Aussichten theoretisch auch außer das Chipproblem wie bei allen Autobauern. Leider ist Tesla aber kein normaler Autobauer und die Kursbewertung ist immer noch bei Faktor 10 – einzig beruhend auf funktionierenden FSD und genau das ist nach wie vor die Blase. Sobald Tesla hier massiv hinter die Konkurrenz zurückfällt, was absehbar ist, und der Markt das nicht mehr ignorieren kann, wird die Neubewertung kommen. Musk selbst sagte beim Call: ‚We must work hard for FSD.‘ Und ich dachte den gibt es schon. Viel wird auch vom Erfolg des Cybertrucks abhängen.“

Bis zum nächsten Börsengeflüster,

Autor: Nicolas Ebert, wallstreet:online Zentralredaktion

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