FRANKFURT/LONDON (dpa-AFX) - Der Goldpreis ist nach geldpolitischen Beschlüssen der US-Notenbank Fed unter Druck geraten. Am Donnerstag wurde eine Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) an der Börse in London bei 1402,94 US-Dollar gehandelt. Damit erreichte der Kurs den tiefsten Stand seit Mitte Juli. Die Aussicht, dass die Zinsen in den USA weniger stark als von einigen Markteilnehmern erhofft sinken, setzte den Goldpreis unter Druck.

Am Mittwochabend hatte die US-Notenbank erstmals seit mehr als zehn Jahren den Leitzins gesenkt. Seit Monaten hatte an Aussicht auf eine Lockerung der Geldpolitik führender Notenbanken für starken Auftrieb beim Goldpreis gesorgt. Im Juli war eine Feinunze zeitweise bei 1453 Dollar gehandelt worden. Die Aussicht auf fallende Zinsen machte das Edelmetall so wertvoll wie seit 2013 nicht mehr.

Die Fed senkte den Leitzins wie von den meisten Experten erwartet um 0,25 Prozentpunkte. An den Finanzmärkten war aber teilweise auf einen stärkeren Zinsschritt spekuliert worden. Außerdem hätten Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell, den Goldpreis belastet, hieß es von Marktbeobachtern. Er hatte klargestellt, dass keine lange Reihe von Zinssenkungen bevorstehe.

Das Edelmetall verlor seit Veröffentlichung der geldpolitischen Beschlüsse der Fed fast zwei Prozent an Wert. Hinzu kommt, dass der Dollar nach den Fed-Beschlüssen an Wert gewonnen hat, was den Goldpreis zusätzlich unter Druck setzte. Gold wird in Dollar gehandelt. Ein Kursanstieg der amerikanischen Währung verteuert das Edelmetall außerhalb des Dollarraums und bremste so die Nachfrage.

Rohstoffexperte Daniel Briesemann von der Commerzbank wollte einen Anstieg des Goldpreises in den kommenden Handelstagen nicht ausschließen. Seiner Einschätzung nach befindet sich der Goldpreis weiter in einem "intakten Aufwärtstrend". Beim aktuellen Dämpfer erkannte Briesemann nur eine Preiskorrektur.

Gestützt wird diese Einschätzung durch Aussagen des World Gold Council, der Lobbyorganisation der Edelmetallbranche. In einer am Donnerstag veröffentlichten Studie zur Goldnachfrage in der ersten Jahreshälfte ist vom stärksten Anstieg der Nachfrage seit drei Jahren die Rede. Unter anderem hätten vergleichsweise starke Käufe von Notenbanken zu diesem Zuwachs beigetragen./jkr/bgf/jha/