BERLIN (dpa-AFX) - Wirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) raten von längeren Laufzeiten der drei noch verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland ab. "Im Ergebnis einer Abwägung von Nutzen und Risiken ist eine Laufzeitverlängerung der drei noch bestehenden Atomkraftwerke auch angesichts der aktuellen Gaskrise nicht zu empfehlen", heißt es in einem gemeinsamen Prüfvermerk der beiden Häuser, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuerst hatten die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichtet.

Zuvor hatte etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gefordert, zur Sicherheit der Energieversorgung angesichts des Kriegs in der Ukraine die Laufzeiten zu verlängern. Am Netz sind in Deutschland nur noch die Atomkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2. Sie sollen bis Ende des Jahres ebenfalls abgeschaltet werden.

Im Vermerk der Ministerien heißt es nun, eine Verlängerung der Laufzeiten könnte nur einen sehr begrenzten Beitrag zur Lösung des Problems leisten und dies zu sehr hohen wirtschaftlichen Kosten. Der Staat müsste in großem Umfang Risiken übernehmen. Dies stehe in keinem Verhältnis. Die AKW könnten auf Basis des geltenden Atomgesetzes nicht über dieses Jahr hinaus betrieben werden. Es wäre eine Änderung des Gesetzes notwendig und eine Zuteilung neuer Strommengen.

Außerdem dauere die Beschaffung, Herstellung und atomrechtliche Freigabe zur Herstellung neuer Brennelemente für einen funktionsfähigen Reaktorkern im Regelfall 18 bis 24 Monate, heißt es weiter. Mit Blick auf die Kosten wären neben dem Aufwand für den Weiterbetrieb auch die Entsorgung zusätzlicher Mengen radioaktiver Abfälle zu berücksichtigen.

Erst mit einer Beladung der Atomkraftwerke mit frischen Brennstäben würde zusätzlicher Strom produziert, heißt es weiter. Eine Verlängerung der Laufzeiten der drei AKW würde im Winter 2022/2023 keine zusätzlichen Strommengen bringen, sondern frühestens im Herbst 2023 nach erneuter Befüllung mit neu hergestellten Brennstäben./hoe/DP/mis