Während der Lieferketten-Turbulenzen konnten Container-Aktien massiv profitieren und stellten einen strategischen Bereich des Marktes dar. Doch dieser Zustand wird nicht für immer anhalten. Ist der Boom vorbei?

Der durch die Pandemie ausgelöste Boom in der Containerschifffahrt habe in den letzten Monaten zweifellos eine Wende genommen. Die anhaltende Überlastung werde jedoch wahrscheinlich eine rasche Rückkehr zur Normalität verhindern, so Drewry, ein Beratungsunternehmen für maritime Forschung, im neuesten Container Forecaster-Bericht aus der vergangenen Woche.

Die sinkende Nachfrage habe die Container-Spotfrachtraten in den letzten vier Monaten wöchentlich sinken lassen. Zudem untergrabe die hohe Inflation die Zuversicht, dass sich die Volumina deutlich erholen werden. "Es sieht ganz danach aus, dass wir am Anfang des Endes der Hausse am Containermarkt stehen", so Drewry.

Zwar haben die Reedereien in ihren Quartalsberichten bewiesen, dass sie Strategien einsetzen können, um ihre Gewinne trotz niedrigerer Volumina aufrechtzuerhalten. Nichtsdestotrotz haben Containeraktien gelitten.

JPMorgan-Analyst Samuel Bland rechnet in einer am Freitag vorliegenden Branchenstudie mit generell stabilen Gewinnentwicklungen im Vergleich zum Vorquartal. Er äußerte aber auch seine Zuversicht, dass das derzeit hohe Ertragsniveau länger anhält. Deshalb passte er seine Erwartungen nach oben an, womit er nun noch etwas mehr über dem Konsens liegt.

Bei Hapag-Lloyd rechnet er mit einem erneut angehobenen Ausblick. Er glaubt aber weiterhin, dass der Kurs der Reederei deren positives Geschäftsumfeld schon mehr als wiedergibt. Das Kursziel wurde entsprechend von 171 auf 173 Euro angehoben. Die Einstufung wurde aber auf "Underweight" belassen.

Der Logistiker A.P. Moller-Maersk wurde von den Analysten von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 23.655 auf 30.800 dänische Kronen (rund 4.140 Euro) angehoben. Der Maersk-Kurs impliziere eine Rückkehr auf das Vor-Corona-Niveau schon 2024, was die Aktie attraktiv mache.

Im Gegensatz zur Hapag-Aktie sieht die Mehrheit der Analystenschätzungen bei der Maersk-Aktie noch viel Luft nach oben. Der Konsens impliziert ein Aufwärtspotenzial von über 55 Prozent.

Laut dem Drewry-Bericht habe der Containermarkt zwar definitiv eine Wende vollzogen, der Abbau der hohen Raten und der Gewinne der Reedereien würden jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

"Auf längere Sicht rechnen wir mit einer deutlichen Entspannung auf dem Containermarkt ab dem zweiten Halbjahr 23, wenn sich die Engpässe in der Lieferkette aufgelöst haben dürften. Dies wird auch mit einem erheblichen Zustrom von Containerschiffsneubauten zusammenfallen", so Drewry.

Das Ende des Containerbooms erfordere einen Paradigmenwechsel bei allen Beteiligten: "Die Reedereien müssen sich mit den drohenden Umwelt- und Überkapazitätsrisiken auseinandersetzen, indem sie ältere, weniger umweltfreundliche Schiffe abwracken, während die Verlader vielleicht besser abwarten sollten, bis der Markt wieder zu ihnen zurückkehrt, bevor sie sich auf langwierige Verträge einlassen", heißt es.

Autorin: Gina Moesing, wallstreet:online Zentralredaktion

 

 


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