Befinden wir uns gerade mitten in einer riesigen Blase?

Diese Frage beschäftigt viele Anleger. Die Erholung an den Aktienmärkten in diesem Frühjahr hat viele überrascht, aber sie mag gerechtfertigt gewesen sein: Die Daten deuteten darauf hin, dass die Wirtschaft wieder zum Leben erweckt werden könnte. Immerhin war die US-Regierung eingeschritten, um ein beispielloses Maß an Unterstützung zu leisten und das Vertrauen der Anleger zu stärken. Außerdem ging die Zahl der täglich neu gestellten COVID-19-Diagnosen stetig zurück.

Doch spätestens jetzt im Juli scheint die wirtschaftliche Erholung in den USA zum Stillstand zu kommen. Die Zahl der neuen COVID-19-Infektionen erreicht in weiten Teilen des Landes neue Höchststände. Der Aktienmarkt hat jedoch an seinen Gewinnen festgehalten. Der Nasdaq ist nun im Laufe des Jahres um mehr als 17 % gestiegen und setzt neue Allzeithöchststände. Selbst der S&P 500 ist bisher nur um etwa 2 % im Jahresvergleich gefallen.

Wird die Blase also bald platzen? Das lässt sich nicht ganz eindeutig sagen. Aber manche Aktien sehen in den letzten Wochen stark überbewertet aus. Dazu gehören Nikola (WKN: A2P4A9), Genius Brands (WKN: A2DJMF) und XpresSpa (WKN: A2P6RK).

Nikola: Der neue Herausforderer

Nikola trägt seinen Namen aus demselben Grund wie Tesla – beide Unternehmen huldigen damit dem Erfinder. Zwar hat Nikola noch keine Autos hergestellt, aber die Firma konnte auf den Hype um Tesla aufspringen. Noch vor wenigen Wochen übertraf die Marktbewertung kurzzeitig die von Ford – das allerdings jährlich Millionen von Fahrzeugen verkauft.

Nikola will Elektro- und kombinierte Wasserstoff-Brennstoffzellen-/Elektro-Lastwagen bauen, allerdings ist das alles noch Zukunftsmusik. Zwar besteht die Möglichkeit, dass Nikola die Branche ordentlich aufmischt. Aber dazu muss schon einiges rundlaufen, und nicht jeder ehrgeizige Elektrofahrzeughersteller hat Erfolg. Etwa Fisker und zahlreiche andere.

Hinzu kommt, dass Tesla seit über einem Jahrzehnt Autos herstellt. Die Marke hat einen Kult geschaffen und verfügt über eine Reihe weiterer Vorteile. Etwa das riesige Supercharger-Netzwerk, die Fähigkeit, Software-Updates via WLAN zu machen, und eine bessere Batterie-Effizienz als andere. Aber solange Nikola keine Fahrzeuge am Start hat, ist das alles reine Spekulation. Könnte die Aktie weiter ein Gewinner sein? Sicher, aber derzeit ist sie zu einem Preis zu haben, dass sich das Unternehmen keinen einzigen Fehler erlauben darf. Es geht hier also tendenziell eher bergab.

Genius Brands: Entertainment für Kinder

Genius Brands macht Zeichentrickshows wie Superhero Kindergarten, Llama, Llama und Secret Millionaires Club und vertreibt sie über verschiedene Kanäle einschließlich Netflix. Die Aktien stiegen Anfang des Jahres, als der Cartoon Channell gestartet wurde und Arnold Schwarzenegger sowohl als Investor als auch als Stimme bei Superhero Kindergarten auftrat.

Optimisten sahen hier das nächste große Ding in der Branche.

Der Aktienkurs stieg von einem Tiefststand um 0,25 USD im April auf kurzzeitig über 11 USD Anfang Juni, obwohl die Aktien seitdem auf unter 3 USD zurückgegangen sind. Dennoch blieb die Marktkapitalisierung auch danach hoch und erreichte Anfang Juli 800 Millionen USD, was ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von mehr als 100 ergibt.

Das Problem bei dieser Art von Bewertung ist, dass die Wall Street nicht sehr viel von Video hält. Man denke nur an AMC Networks, dem AMC, IFC und Sundance gehören und das Dutzende von Emmy-Auszeichnungen von Shows wie Mad Men, Breaking Bad, The Walking Dead und Killing Eve erhalten hat. AMC ist gerade mal mit 1,1 Milliarden USD bewertet. Selbst Mattel, dem Marken wie Barbie gehören, hat eine Marktkapitalisierung von nur 3,5 Milliarden USD. Kindermarken wie Funko, die im letzten Jahr große Probleme hatten, sind anfällig für Modeerscheinungen, und Genius Brands sieht ganz so aus. Solange das Unternehmen keinen Megahit landet, aus dem sich Spielfilme, T-Shirts und Spielzeug machen lässt, dürfte die derzeitige Bewertung kaum zu rechtfertigen sein.

XpresSpa: Pivot hin zu COVID-Tests

XpresSpa ist schon rührig. Nur wenige Unternehmen waren so anfällig für die Coronavirus-Pandemie wie die Kette von Whirlpools am Flughafen. Das Unternehmen macht möglicherweise das Beste aus einer schlimmen Situation, indem es einige dieser Whirlpools in COVID-19-Teststandorte umwandelt. Das erste dieser Spas wurde letzten Monat auf dem New Yorker JFK-Flughafen eröffnet. Doch die Investoren überschätzen möglicherweise das Potenzial der COVID-19-Tests: Der Aktienkurs stieg von weniger als 0,50 USD im März auf mehr als 6 USD (splitbereinigt) im Juni. Dann ging es wieder runter auf etwa 4 USD.

XpresSpa hat schon vor der Pandemie Geld verloren und Coronavirus-Tests sind nicht so lukrativ, wie Investoren zu glauben scheinen. Das meiste Geld geht an die Unternehmen, die die Tests herstellen, wie Labcorp, Quest und Abbott Labs.

Wenn Investoren davon überzeugt sind, dass Teststandorte ein brillantes Geschäft sind, gibt es bessere Möglichkeiten als XpresSpa. Bis zum 22. Juni betrieb Rite Aid 97 Teststandorte mit einer Kapazität von 48.000 Tests pro Woche, und es kamen weitere hinzu. XpresSpa hingegen hat nur eine Testeinrichtung in Betrieb. Und bei nur 50 Spa-Standorten auf 25 Flughäfen wird man nicht in der Lage sein, die Reichweite von Rite Aid zu erreichen.

Trotzdem: Am 9. Juli hatte XpresSpa eine Marktkapitalisierung von 211 Millionen USD, während die von Rite Aid etwas weniger als 1 Milliarde USD betrug. Selbst auf der Grundlage der COVID-19-Testkapazität allein ist Rite Aid hier das weitaus bessere Geschäft.

Wann platzt die Blase?

Es ist unmöglich zu wissen, wann diese Börsenblase platzen wird. Aber die kommende Gewinnsaison wird die schlimmsten Quartalsergebnisse zeigen, die seit der Finanzkrise gesehen wurden. Es wird den Führungskräften schwerfallen, angesichts der erneuten Coronavirus-Fälle optimistisch zu klingen. Steigende Infektionen haben die wirtschaftliche Erholung gebremst. Die Daten werden bald genau zeigen, wie die Erholung ins Stocken gerät. Das bedeutet, dass der Aktienmarkt bis Ende Juli ganz anders aussehen könnte.

In einigen Wochen könnte also schon den Aktien von Nikola, Genius Brands und XpresSpa die Luft ausgegangen sein.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Netflix und Tesla und empfiehlt Aktien von AMC Networks. Jeremy Bowman besitzt Aktien von Netflix und Rite Aid. Dieser Artikel erschien am 10.7.2020 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2020

Autor: Jeremy Bowman

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