Das Schweizer Start-up Energy Vault will mit mechanischen Energiespeichern am Speichermarkt angreifen. Sogar ein SPAC-Börsengang ist geplant. Doch welches Potenzial haben Hubspeicherkraftwerke überhaupt? Expertenstimmen.

Das Energiespeicherunternehmen Energy Vault plant einen Börsengang durch die Hintertür. Dazu wird Energy Vault 2022 in den Börsenmantel Novus Capital Corp. II (ISIN: US67012W1045) der Special Purpose Acquisition Company (SPAC) Novus Capital schlüpfen. Das Start-up soll mit 1,6 Milliarden US-Dollar bewertet worden sein, berichtete das Wall Street Journal (WSJ) Anfang September.

Das Jungunternehmen entwickelt Hubspeicherkraftwerke, die überschüssigen grünen Strom in mechanischen Energiespeichern zwischenspeichern sollen. Elektrische Kräne könnten in Zukunft schwere Verbundblöcke zu riesigen Türmen stapeln, wenn grüner Strom billig und reichlich vorhanden ist. Wird Strom benötigt, könnten die Blöcke wieder auf den Boden abgesenkt werden, wobei die kinetische Energie mittels eines elektrischen Generators in Strom umgewandelt werden soll, so die Idee des Clean-Techs.

Bisher wurde Energy Vault von mehreren institutionellen Investoren unterstützt. Darunter sind auch prominente Investoren wie die SoftBank, Palantir Technologies und Saudi Aramco. Erst im August dieses Jahres konnte Energy Vault in einer Finanzierungsrunde 100 Millionen US-Dollar Risikokapital einsammeln.

Bereits 2020 war ein Prototyp des von Energy Vault entwickelten mechanischen Energiespeicher-Systems in Bellinzona in der Schweiz in Betrieb gegangen.


Welche Bedeutung haben Hubspeicherkraftwerke für die Energiewende?

"Für die Energiewende werden wir künftig extrem viele neue Kurzzeit- und Langzeitspeicher brauchen", stellt Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, im Gespräch mit wallstreet:online klar.

Tatsächlich sind leistungsfähige Energiespeicher ein zentraler Baustein der Energiewende. Denn die unregelmäßige Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen – die Sonne scheint nicht immer und es gibt auch Flautetage – muss durch Energiespeicher ausgeglichen werden.

Hubspeicherkraftwerke, wie die von Energy Vault entwickelten Systeme, seien jedoch für die Langzeitspeicherung ungeeignet, weil "dafür unvorstellbar große Anlagen nötig wären. Bei der Kurzzeitspeicherung konkurriert die Technologie gegen etablierte Pumpspeicherkraftwerke und den sich dynamisch entwickelnden Batteriespeichermarkt", so Quaschning.

Problemtisch sei auch der hohe Platzbedarf des von Energy Vault entwickelten Hubspeicherkraftwerkes. Wie bei der Onshore-Windkraft könnte die gesellschaftliche Akzeptanz in dicht besiedelten Regionen deshalb gering ausfallen. "Letztendlich wird der Markt entscheiden, ob es einen Platz für Hubspeicherkraftwerke gibt. Die bestehenden Nachteile dürften aber eher für einen kleinen Nischenmarkt als für den großen Durchbruch bei der Energiewende sprechen", so das Fazit des Experten.

Ähnlich sieht dies auch Professor Dirk Uwe Sauer, einer der führenden Experten für Speichersysteme an der RWTH Aachen: "Insgesamt würde ich sagen, dass es ziemlich sicher keine Technologie ist, die den Speichermarkt grundsätzlich revolutioniert. Der Wettbewerb mit den Lithium-Ionen-Batterien und deren kontinuierlichen Weiterentwicklungen wird mit Sicherheit sehr hart werden, insbesondere auch wegen des erheblichen Raum- und Platzbedarfs für diese Anlagen." Sauer verweist auch darauf, dass bisher "verlässliche Angaben zu den Kosten" des Systems von Energy Vault fehlen würden.

Autor: Ferdinand Hammer, wallstreet:online Zentralredaktion

 

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