FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Personalmangel in vielen Handwerksbetrieben liegt nach Auffassung der IG Metall an der fehlenden Bindung an Tarifverträge. "In der Öffentlichkeit wird das Handwerk zunehmend als Branche wahrgenommen, in der die Arbeitsbedingungen schlechter sind", sagte Vorstandsmitglied Ralf Kutzner am Mittwoch in Frankfurt.

Der Gewerkschafter kritisierte, dass in der neuen Handwerksverordnung die Tarifbindung nicht gestärkt worden sei. Nur noch rund 30 Prozent der Handwerksbeschäftigten fielen unter einen Tarifvertrag, wodurch im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen durchschnittlich 20 Prozent weniger Gehalt gezahlt werde bei unflexibleren Arbeitszeiten. "Es überrascht deshalb nicht, dass fast zwei Drittel der jungen Gesellen im Bereich der Metall- und Elektroberufe des Handwerks in andere Branchen abwandern."

Vor wenigen Tagen hatte das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (Kofa) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) berichtet, dass aktuell 54 000 Gesellen fehlen. Insgesamt beziffert die Untersuchung den Fachkräftemangel im Handwerk auf knapp 65 000 Arbeitskräfte. Kunden müssten deshalb oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen und den Betrieben entgingen Aufträge. Laut Studie sind auch 5500 Meisterstellen derzeit nicht zu besetzen./ceb/hff/DP/mis