LEIPZIG (dpa-AFX) - Die IG Metall warnt davor, angesichts der vielen Krisen die langfristige Transformation in Ostdeutschland zu vernachlässigen. Die Menschen hätten mit der politischen Wende bereits eine große Transformation von Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft erlebt, sagte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann am Mittwoch auf der Betriebsrätekonferenz Ost in Leipzig.

"Viele verbinden damit wirtschaftlichen Abstieg und persönliche Niederlagen. Politik und Arbeitgeber sind in der Verantwortung, dass die ökologische Transformation gelingt. Sie darf nicht zu weiterer Ungleichheit führen, sondern muss den Beschäftigten im Osten neue Chancen eröffnen." Der Osten sei von der Teuerungsrate durch niedrigere Löhne und längere Arbeitszeiten ohnehin besonders betroffen.

Die Menschen in Ostdeutschland wüssten, wie Veränderung funktioniere, betonte Carsten Schneider, Ostbeauftragter der Bundesregierung. "Die Energiewende ist auch eine Chance, besonders für Ostdeutschland als Zukunftsregion. Viel Neues entsteht hier, zum Beispiel im Zuge des Ausbaus der Wasserstoffindustrie, zu dessen Förderung sich zuletzt die Bundesregierung und die ostdeutschen Länder besonders bekannt haben."

In der Tarifpolitik sei die Zurückhaltung des Ostens und damit das Geschäftsmodell Niedriglohn vorbei, betonte Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. "Gerade die junge Generation macht deutlich, dass sie für qualifizierte Arbeit gutes Geld und die gleichen Arbeitszeiten wie in Westdeutschland erwartet. Das wird auch in den betrieblichen Auseinandersetzungen um die Einführung der 35-Stunden-Woche deutlich".

Demnächst sollen die ersten Netzwerke zur Transformation an den Start gehen, erläuterte Lemb. Zunächst sind dabei die Regionen um Berlin und Westsachsen mit Zwickau und Chemnitz im Fokus. Andere wie die Region Leipzig werden folgen. Dabei sollen unter anderem die Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände die Lage analysieren und Konzepte für die Zukunft entwickeln, die für die jeweilige Region tragfähig sind./jan/DP/jha