BERLIN (dpa-AFX) - Nach der Entscheidung von Bund und Ländern zur Corona-Impfung von Kindern hat der Deutsche Städtetag vor enttäuschten Hoffnungen gewarnt. Grundsätzlich sei es eine gute Sache, Schülerinnen und Schülern die Impfung zu ermöglichen, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). "Der Impfstoff ist aber im Moment so knapp, dass er gerade einmal für die Zweitimpfungen reicht." Man müsse klar und ehrlich sagen, dass es noch Wochen dauere, bis jeder geimpft werden könne, der das wolle. "Denn enttäuschte Hoffnungen kosten Vertrauen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten am Donnerstag beschlossen, dass ab dem 7. Juni auch Kinder ab zwölf Jahren mit dem Impfstoff von Biontech /Pfizer geimpft werden können, sofern die EU-Arzneimittelbehörde EMA das Präparat für diese Altersgruppe freigibt. Die EMA will darüber an diesem Freitag entscheiden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland will sich für ihre Empfehlung aber noch Zeit nehmen. Sie hat angedeutet, dass sie womöglich keine Impfempfehlung für alle, sondern nur für vorerkrankte Kinder geben will.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte eine deutliche Beschleunigung der Impfkampagne. "Ziel muss es sein, im Juli 60 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger geimpft zu haben", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Freitag). "Wenn wie geplant am 7. Juni die Priorisierung entfällt und auch die Betriebs- und Privatärzte eingebunden werden, müssen Bund und Länder zusätzliche Impfdosen bereitstellen."

Sollte die Stiko zunächst nur eine Impfung von Kindern und Jugendlichen mit Vorerkrankungen befürworten, "sollte wenigstens für diese Gruppe entsprechender Impfstoff - analog zu den anderen Priorisierungsgruppen in der Bevölkerung - reserviert werden", forderte Landsberg. "Da in Kanada und in den USA schon seit Wochen Kinder ab zwölf Jahren geimpft werden, wird sich die Datenlage hoffentlich schnell verbessern, so dass die Ständige Impfkommission für alle Jugendlichen dann eine Empfehlung aussprechen kann."/wn/DP/stk