Kaum zu glauben: Nach all dem Hype rund um Halbleiter ist der Kurs der Infineon (WKN: 623100)-Aktie jetzt wieder dort, wo er vor der Pandemie war. Dabei hat das Unternehmen mächtig von der stürmischen Nachfrage profitiert. Besteht hier also eine geniale Einstiegsgelegenheit?

Von „zu teuer“ hin zu „zu billig“ in nur fünf Monaten

Als die Infineon-Aktie letztes Jahr von einem Hoch zum nächsten eilte, war ich die meiste Zeit über eher skeptisch. Im Januar dieses Jahres habe ich Infineon sogar als eine von drei Aktien herausgepickt, die ich für besonders teuer hielt. Seiher ist der Kurs um stattliche 40 % gefallen.

Zu teuren Kursen in die Spätphase eines Halbleiter-Booms hineinzuinvestieren war noch nie eine gute Idee. Gerade Investoren von Infineon sollten das aus historischer Erfahrung wissen.

Aber jetzt, wo der Kursverfall ein Niveau erreicht hat, das er bereits 2017 erklommen hatte, sieht die Lage wieder deutlich interessanter aus. Ich sehe gleich mehrere Gründe, Infineon künftig mehr zuzutrauen, als es der Markt derzeit tut.

Was die Infineon-Aktie wieder nach oben bringen könnte

Ein wichtiger Faktor stellt die Übernahme von Cypress aus dem Jahr 2020 dar. Als der Deal 2019 angekündigt wurde, war ich zwar vom strategischen Kalkül überzeugt, aber der Zeitpunkt gefiel mir nicht. Zu den vielen geopolitischen Problemen, dem unberechenbaren Chaos-Regime der USA und einigen weitere Risiken wollte der heftige Kaufpreis von 9 Mrd. US-Dollar nicht passen.

Dann kamen auch noch die Pandemie-Lockdowns, gerade als der Zusammenschluss im April 2020 vollzogen wurde. Doch nach einer Schrecksekunde, die den Kurs in den Keller rauschen ließ, erkannten die Investoren, dass der Corona-Schock einen Nachfrage-Boom im Halbleitersektor auslösen würde. Die Risiken realisierten sich nicht, die versprochenen Synergien hingegen schon.

2019 bin ich davon ausgegangen, dass im Geschäftsjahr 2021/2022 im positiven Szenario 1,5 bis 2,0 Mrd. Euro Nettogewinn möglich sind. Viele Analysten gehen heute davon aus, dass es dank der gestiegenen Bruttomargen sogar noch ein gutes Stück mehr werden könnte.

Das Management nutzt die hohen Barmittelzuflüsse, um die für den Deal stark beanspruchte Bilanz wieder sattelfest zu machen. Das verbessert die Bonität und somit schneller als gedacht die Fähigkeit, weitere Übernahmegelegenheiten zu stemmen, ohne Eigenkapital einwerben zu müssen.

Infineon ist darüber hinaus ein Unternehmen, das viele Mitarbeiter in Euro bezahlt, aber einen großen Teil der Umsätze in US-Dollar fakturiert. Das sorgt für zusätzliche Bewertungsgewinne in der Bilanz. Zum Halbjahresbericht kalkulierte das Management noch mit einem Kurs von 1,10 US-Dollar je Euro. Von daher erwarte ich, dass der damals schon erhöhte Ausblick noch übertroffen werden kann.

Zwar erwarten einige Analysten, dass der Abbau von übergroßen Lagerbeständen über die kommenden Monate die Ergebnisse von Chipherstellern belasten werden. Allerdings denke ich, dass Infineon davon nicht so stark betroffen sein wird. Viele der adressierten Absatzmärkte sehen weiterhin vielversprechend aus. Vernetzung, Sicherheit und Energieeffizienz, das sind Themen, die nicht so schnell aus der Mode kommen.

Sollte man auf einen noch besseren Einstiegszeitpunkt warten?

Aktuell sind Halbleiteraktien eher unbeliebt bei Investoren und die Börsen bleiben volatil. Von daher muss man damit rechnen, dass auch die Infineon-Aktie noch einmal abverkauft wird. Dennoch erscheint das derzeitige Kursniveau interessant.

Das Potenzial aus der Cypress-Übernahme beginnt eigentlich erst, sich zu entfalten. Und schon jetzt liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (Erwartung 2022 zum 27. Juni) der Infineon-Aktie wohl irgendwo bei 15. Mittelfristig könnte es ohne Weiteres einstellig werden. Nicht schlecht für ein Halbleiterunternehmen mit jeder Menge Wachstumspotenzialen.

Der Artikel Infineon-Aktie: So fundamental billig war sie selten ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2022

Autor: Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst (CMFCondorEye)


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