AMSTERDAM (dpa-AFX) - Die niederländische Großbank ING <NL0011821202> ist in Deutschland in den letzten Wochen besonders in den Fokus geraten: Im Zuge der geplatzten Fusion der beiden deutschen Sorgenkinder Deutsche Bank <DE0005140008> und Commerzbank <DE000CBK1001> stand laut Presseberichten mehrfach im Raum, dass die ING ein Auge auf die Coba geworfen habe. Offiziell bestätigt wurde das Interesse an Deutschlands zweitgrößter Privatbank, an der seit der Finanzkrise der Staat beteiligt ist, aber nicht. Was bei der ING derzeit los ist, wie Analysten sie bewerten und wie sich die Aktie entwickelt hat.

DAS IST LOS IM UNTERNEHMEN:

Die Niederländer hielten sich zuletzt betont zurück. Weder kommentierten noch dementierten sie die anhaltenden Marktgerüchte. Damit gaben sie den Spekulationen aber Nahrung. Zumal sowohl ING-Chef Ralph Hamers als auch der Finanzvorstand bestätigt hatten, dass sie sich am Markt nach Zukaufsmöglichkeiten umsähen. Der Name Commerzbank fiel dabei jedoch nicht. Deren Chef Martin Zielke verwies die Gerüchte zwischenzeitlich ins Reich der Märchen. Das "Handelsblatt" hatte kürzlich unter Berufung auf Finanzkreise geschrieben, dass das Interesse der Niederländer abgeklungen sei.

Hierzulande bleibt die ING derweil auf Wachstumskurs. Die Direktbank, die früher ING Diba hieß und mittlerweile nur noch unter dem Namen des Mutterkonzerns ING firmiert, verzeichnete 2018 in Deutschland das sechste Rekordjahr in Folge. Das Wachstum sei noch nicht am Ende angekommen, sagte Deutschland-Chef Nick Jue. Immer mehr Privatkunden, mehr Girokonten, mehr Finanzierungen und mehr Kredite stimmen ihn optimistisch. In der Bundesrepublik ist die ING laut Konzernangaben mittlerweile die drittgrößte Bank. Jue will das Geldhaus zu "einer der führenden Universalbanken" in Deutschland machen.

Weiter mithelfen soll auch Basketball-Superstar Dirk Nowitzki. Mit ihm hat die ING seit vielen Jahren eine prominente Werbefigur im Boot, die den Namen des Kreditinstituts in Deutschland bekannter gemacht hat. Auch nach seinem Karriereende soll der Würzburger mit der Großbank zusammenarbeiten. Nowitzkis positives Image soll dazu beitragen, den Marktanteil in Deutschland weiter zu steigern.

Konzernweit lief es für den niederländischen Mutterkonzern insgesamt im ersten Quartal dagegen ein wenig holprig. Zwar legten die Einnahmen des Finanzinstituts um drei Prozent auf 4,6 Milliarden Euro zu, aufgrund einer höheren Vorsorge für faule Kredite sank der Überschuss aber um neun Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Dabei belasteten auch gestiegene Regulierungskosten.

Unerfreuliches gab es unterdessen in Italien, wo der Bank im März das Neukundengeschäft untersagt wurde. Hintergrund waren Defizite beim Umgang mit Anti-Geldwäscheregeln. Ähnliche Probleme hatten der ING bereits im Herbst 2018 Ärger in den Niederlanden und einen heftigen Kursrutsch eingebrockt.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Experten bewerten die ING-Papiere überwiegend positiv. Mit neun Analysten rät die Mehrheit der insgesamt 15 im dpa-AFX-Analyser erfassten Experten zum Kauf der Aktie. Fünf sprechen sich für das Halten der Papiere aus. Nur Omar Fall von der britischen Investmentbank Barclays rät zum Verkauf. Er zieht die Aktien etwa der Banken Natixis und ABN Amro im Raum Frankreich-Benelux vor.

Auf der anderen Seite empfehlen etwa die UBS, JPMorgan, Goldman Sachs, die Deutsche Bank und die Berenberg Bank, sich die Aktie zu sichern. JPMorgan-Analyst Raul Sinha stufte die ING jüngst auf "Overweight" hoch. Die Kursschwäche im Vorjahr und im vergangenen Monat mache die Bewertung der Aktie mit einer Dividendenrendite von sieben Prozent nun wieder attraktiv.

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten für die ING-Anteilsscheine liegt mit 13,46 Euro deutlich unter dem momentanen Wert von etwas unter zehn Euro.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Derzeit kommt die an der Amsterdamer Börse gelistete ING auf eine Marktkapitalisierung von rund 39 Milliarden Euro. Größter Aktionär ist der Vermögensverwalter Blackrock, der knapp elf Prozent der Anteile hält.

Im Branchenindex EuroStoxx Banks gehört die ING zu den besseren Werten. Seit Jahresbeginn steht für die Aktie ein Plus von knapp sechs Prozent zu Buche, wohingegen der Index leicht nachgab. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank verlor im selben Zeitraum hingegen fast zwölf Prozent.

Mit einem Kurs von knapp zehn Euro ist die ING fast sieben Euro von ihrem Mehrjahreshoch von rund 16,70 Euro entfernt, das sie Anfang 2018 erreicht hatte. Erheblich größer ist der Verlust für die Anleger, die kurz vorm Ausbruch der Finanzkrise eingestiegen waren. Den Kurseinbruch von damals haben die Papiere bislang nur ein Stück weit aufgeholt./eas/elm/mis/fba