Die Nel-Aktie (WKN: A0B733) ist eine der Lieblingsaktien der Deutschen. Kein Wunder – die Norweger spielen eine führende Rolle bei Elektrolyseuren, die ein Kernbaustein der zukünftigen Wasserstoffwirtschaft werden sollen. Diese Geräte ermöglichen das Herstellen von grünem H2. Damit ist Nel ohne Frage eine Top-Wasserstoffaktie!

Neben den offensichtlichen Potenzialen von Wasserstoff in der E-Mobilität und als Energiespeicher sind Investoren der Nel-Aktie vor allem von den Einsatzmöglichkeiten des Wasserstoffs in der Stahlproduktion elektrisiert. Mithilfe von Wasserstoff ließe sich die Produktion dieses wichtigen Werkstoffs CO2-neutral gestalten.

Doch der Markt wird überschätzt. Die Nel-Aktie könnte demnach viel zu viel Fantasie enthalten. Lies weiter, wenn du mehr erfahren willst.

Wasserstoff in der Stahlproduktion elektrisiert Investoren

Der Einsatz von Wasserstoff würde die aktuell extrem emissionsintensive Eisen- und Stahlproduktion CO2-neutral gestalten. Verschiedene Stahlkonzerne haben sich bereits dazu verpflichtet, bis 2050 CO2-neutral zu produzieren. Der schwedische Stahlkonzern SSAB (WKN: 887029) und weitere Unternehmen haben sich bereits 2018 zum Joint Venture Hybrit zusammengeschlossen und testen schon heute einen wasserstoffbasierten Prozess in einer Pilotanlage.

Der für diese Anlagen benötigte Wasserstoff kommt aus ebenjenen Elektrolyseuren, die Nel baut. Das Potenzial für die Nel-Aktie scheint demnach riesig zu sein. Und doch sollten Investoren hier nicht zu optimistisch werden.

Eine Rechnung verdeutlicht, warum die Chance für die Nel-Aktie wahrscheinlich überschätzt wird. Für die Umstellung der aktuellen weltweiten Stahlproduktion (1,87 Mrd. Tonnen) auf grünen Stahl müssen bis 2050 Elektrolyseure mit einer Leistung von 482 Gigawatt installiert werden. Zwar ist davon auszugehen, dass die Stahlproduktion in den nächsten 30 Jahren weiter steigt. Gleichzeitig dürften bis 2050 aber nicht alle Anlagen auf die grüne Technologie umgestellt sein.

Nel besaß 2019 einen Marktanteil am Elektrolyseur-Markt von knapp 25 %. Ich vermute, dass der Marktanteil auf etwa 10 % fallen wird, da neue Wettbewerber diesen wachstumsstarken Markt erschließen möchten. Bis 2050 könnte Nel daher 48,2 GW Elektrolyseurleistung an die Stahlbranche liefern. Letztes Jahr zahlte Nikola (WKN: A2P4A9) rund 350.000 Dollar je Megawatt an Nel. Das Umsatzpotenzial bis 2050 aus der Stahlbranche liegt damit bei 16,9 Mrd. Dollar. Zum Vergleich: 2020 erzielte die Nel-Aktie einen Jahresumsatz von rund 78 Mio. US-Dollar!

Klingt nicht schlecht, aber es handelt sich eben um ein kumuliertes Umsatzpotenzial – nicht um eine Summe, die jedes Jahr fließen würde. Zudem werden die tatsächlichen Umsätze wahrscheinlich niedriger ausfallen, da Elektrolyseure effizienter werden und die Preise fallen. Diese Entwicklung haben wir in den letzten Jahren zum Beispiel bei Lithium-Ionen-Akkus gesehen. Das klingt gar nicht mehr so hervorragend für die Nel-Aktie!

Investoren der Nel-Aktie: Setzt nicht auf Stahl!

Daher ist zu erwarten, dass gegen Ende der 2040er-Jahre dreistellige Millionenbeträge pro Jahr an Nel fließen. Die Transformation dauert einfach zu lange, um einen unmittelbaren Einfluss auf die Finanzen der Nel-Aktie zu haben. In den nächsten Jahren sind deshalb kaum Aufträge von Stahlkonzernen zu erwarten.

Das Wachstumspotenzial bei Nel ist nicht zu bestreiten. Doch die Nel-Aktie wird aufgrund der Stahlbranche erst mal keine Höhenflüge unternehmen. Eher hat mir diese Rechnung aufgezeigt, dass derzeit eine Menge Optimismus im Nel-Aktienkurs enthalten ist. Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass ich hier nur bei deutlich niedrigeren Kursen zugreifen möchte.

Der Artikel Investoren der Nel-Aktie setzen auf diesen Riesen-Markt – doch das ist ein Fehler ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Christoph Gössel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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Autor: Christoph Gössel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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