WOLFSBURG/MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Volkswagen <DE0007664039>-Konzern (VW) streicht beim Börsengang seiner Lkw- und Bustochter Traton <DE000TRAT0N7> nicht so viel Geld ein wie erhofft. Der Platzierungspreis für die insgesamt 57,5 Millionen Aktien aus dem eigenen Bestand sei auf 27 Euro je Stück festgesetzt worden, teilten die Wolfsburger am Donnerstagabend mit. Mit gut 1,5 Milliarden Euro fließen damit knapp 400 Millionen Euro weniger in die Kasse des Autobauers als ursprünglich maximal erhofft. Die Preisspanne hatte zunächst bei 27 bis 33 Euro gelegen, war Kreisen zufolge aber am Mittwoch auf 27 bis 28 Euro eingeengt worden.

Auch die auf dem Platzierungspreis basierende Marktkapitalisierung von 13,5 Milliarden Euro liegt am unteren Ende der ursprünglichen Spanne von 13,5 bis 16,5 Milliarden Euro. Der anfängliche Streubesitz von 11,50 Prozent entspricht hingegen den Planungen. An diesem Freitag wird das Traton-Papier erstmals in Frankfurt und Stockholm an der Börse gehandelt. Der VW-Aktienkurs reagierte am Donnerstagabend zunächst nicht auf die Neuigkeiten.

Im März noch hatte VW die Pläne wegen der Bedingungen an den Finanzmärkten vorerst auf Eis gelegt, das Unternehmen wollte die Anteile an der Sparte mit den großen Nutzfahrzeugen nicht unter Wert verkaufen. In früheren Medienberichten war über eine mögliche Bewertung von bis zu 25 Milliarden Euro spekuliert worden. VW soll demnach mit dem Gedanken gespielt haben, bis zu ein Viertel der Anteile zu verkaufen.

Zur Hauptversammlung im Mai kündigte VW dann einen neuen Versuch an, das Geschäft an die Börse zu bringen. Dass der milliardenschwere Börsengang nun erst einmal deutlich geringer ausfällt, ist womöglich auch den Marktbedingungen geschuldet. Die angestrebte Traton-Bewertung erscheine mit Blick auf die historischen Bewertungen von MAN <DE0005937007> und Scania <SE0000308280> als recht gering, schrieb NordLB-Analyst Frank Schwope. Die Unternehmensführung scheine sich in einem Zwiespalt zu befinden.

Aktien aus der Automobilbranche stehen spätestens seit dem offenen Ausbruch des Zollstreits zwischen den USA und China Mitte vergangenen Jahres deutlich unter Druck. Der europäische Branchenindex aus Herstellern und Zulieferern hat seit Anfang 2018 fast ein Viertel an Wert verloren.

Das Vorhaben ist ein wichtiger Baustein in den Plänen von VW-Chef Herbert Diess, der den Börsenwert des Konzerns steigern will. Große, mitunter undurchsichtige Konglomerate werden an der Börse oft mit einem Abschlag zum geschätzten Wert ihrer Teile gehandelt. Für Manager kann es daher erstrebenswert sein, Randgeschäfte zu verkaufen oder an die Börse zu bringen. Auch der Maschinenbauer Renk und der Großmotorenbauer MAN Energy Solutions stehen bei Diess auf dem Prüfstand.

Das Geld soll nach früheren Angaben von Diess in der Sparte bleiben und deren Wachstumsstrategie stützen. Nutzfahrzeugvorstand Renschler will den Lkw- und Bushersteller zu einem "weltweiten Champion" machen. Das bemisst sich für den Manager aber nicht nur an reinen Stückzahlen - Branchenrivale Daimler <DE0007100000> ist als Weltmarktführer bei schweren Nutzfahrzeugen hier ohnehin weit voraus.

Im vergangenen Jahr verkaufte Traton weltweit 233 000 Nutzfahrzeuge, Daimler zusammengenommen rund 548 000 Trucks und Busse. Vor allem in Asien und Nordamerika hat Traton Nachholbedarf, will aber hier über Partnerschaften stärker Fuß fassen. In Europa und Südamerika hingegen hat Traton die Nase vorn.

Zu Traton gehören die Hersteller Scania, MAN und die brasilianische Nutzfahrzeugtochter Volkswagen Caminhões e Ônibus mit weltweit rund 81 000 Mitarbeitern. Das Unternehmen erzielte 2018 einen Umsatz von 25,9 Milliarden Euro, der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern lag bei 1,7 Milliarden Euro. Scania steuert bei Umsatz und Gewinn den größten Teil bei.

Im ersten Quartal war der Umsatz von Traton dank gestiegener Verkäufe im Jahresvergleich um 6 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro gestiegen, das operative Ergebnis um mehr als ein Fünftel auf 470 Millionen Euro. Derzeit laufen die Nutzfahrzeugmärkte noch gut, auch weil sich Südamerika von einer tiefen Krise erholt. Allerdings ist das Geschäft stark konjunkturanfällig./he/gl